Gerechtigkeit

Bitte entspannt euch: Das BBC-Dad-Video ist lustig!

13.03.2017, 16:09 · Aktualisiert: 13.03.2017, 16:27

Ein kleines Mädchen in einem sonnengelben Pulli stürmt in das Arbeitszimmer ihres Vaters. Eigentlich keine große Sache. Doch der ist gerade im Live-Interview mit der BBC und erzählt etwas zur kritischen Situation in Südkorea (BBC). Als ob das nicht schon herrlich genug wäre, kommt noch ein Baby mit einem Gehwagen reingerollt.

Die Mutter der beiden kommt ins Zimmer gehechtet und versucht, möglichst unauffällig und im Krebsgang die Kinder aus dem Raum zu fischen – was natürlich nur so halb gelingt. Währenddessen versucht der Professor ein möglichst seriöses Gesicht zu wahren.

So weit, so viral. Hier das Video noch mal zum Anschauen:

Doch nun ist im Netz eine Debatte entfacht. Die Situation im Video sei sexistisch. "Das Patriarchat in Kürze", so wird es zum Beispiel in einem Artikel eines britischen Online-Magazins beschrieben (The New Statesman).

Folgende Punkte des Videos werden kritisiert:

  1. Wäre der Professor eine Frau, würde man darüber diskutieren, dass sie eine schlechte Mutter sei.
  2. Der Professor drückt seine Tochter nach hinten, weil er davon ausgeht, dass sich schon jemand anderes um das Kind kümmern wird.

Bitte was?!

Dieses Video ist für mich, als arbeitender Elternteil einer zweijährigen Tochter, in erster Linie einfach irrsinnig komisch.

Und: Es gibt mir Mut.

Weil nicht nur ich immer wieder mal versage, und dem Job oder dem Kind in einigen Momenten nicht gerecht werden kann.

Wenn es zum Beispiel Nachfragen zu einem Text gibt und ich mit meiner kranken Tochter auf dem Arm noch mal kurz mit der Redaktion telefoniere – und sie anfängt zu singen.

Wenn ich ein Interview führe und das Kind im Nebenzimmer spielt und ich hoffe, dass es sich für 20 Minuten alleine beschäftigt. Wenn ich auf der Arbeit bin und losmuss, um meine Tochter aus der Kita zu holen, obwohl ich noch nicht fertig bin.

Nein, es geht nicht nur mir und meinem Partner so. Es geht auch Professoren so, die der BBC Interviews geben.

Einige werfen Professor Robert E. Kelly jetzt vor er hätte cooler reagieren können:


Klar!

Natürlich wäre es lässiger gewesen, wenn er seine Tochter lachend auf den Schoß genommen hätte und dann weiter über die politische Situation in Südkorea gesprochen hätte. Aber vielleicht war er auch einfach angespannt vor der Kamera.

Es war immerhin ein Live-Video.


Im Netz wird vermutet, dass der Professor nicht aufstehen konnte und seine Kinder auf den Arm nehmen, weil er einfach keine Hose anhatte (Reddit).

Klar, das ist witzig. Aber mich nerven die hämischen Kommentare. Mich nervt diese Annahme, dass seine Frau eine Hausfrau ist. Mich nervt die Annahme, dass er sich nicht um die Kinder kümmert.

Wir wissen doch gar nichts über diese Familie.

Außer, dass eine Mutter auf die gemeinsamen Kinder achtet, während der Vater ein Live-Interview gibt.

So what?!

Es geht in diesem Moment doch gar nicht darum, dass ein Mann das Interview führt. Es geht darum, dass es diese Kinder keine Sekunde lang interessiert, dass ihr Vater gerade als Experte gefragt ist.

Und das live. Im Fernsehen.

Verdammt, wir sehen ein ganz normales Elternpaar, mit Kindern die sich nicht immer an die vorgegebenen Pläne halten. Wir sehen Eltern, die hektisch und uncool reagieren. Und zwar genauso hektisch und genauso uncool, wie viele reagiert hätten.

Das ist menschlich. Wir sind halt nicht immer cool und lässig und reagieren mit dem richtigen Feingefühl.

Und manchmal, ja manchmal, da reagieren Eltern auch nicht perfekt auf ihre Kinder.



Was ich wesentlich problematischer finde: Viele haben angenommen, dass die Frau in dem Video die Nanny sei und nicht die Mutter. Und das wahrscheinlich, weil sie Asiatin ist. Das Video offenbart strukturellen Rassismus. Das ist das Problem.

Und nicht, dass ein Vater ein Interview führt, seine bezaubernden Kinder reingelaufen kommen und die Mutter, wie eine wahre Heldin, die Situation zu retten versucht.


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