Bild: Antonio Páramo, Model: @ilovealexstorm

Gerechtigkeit

Sag doch einfach, dass ich dick bin!

20.10.2017, 19:27 · Aktualisiert: 25.12.2017, 17:57

Warum ich keine Beschönigungen mehr hören kann

Menschen sagen nicht immer direkt, was sie meinen. Zum Glück! Ein gutes Beispiel für einen gelungenen Euphemismus: Wenn der Großvater sich unter starken Schmerzen aus dem Leben verabschiedet hat, einem Kind zu sagen "Opa ist friedlich eingeschlafen“ statt "Opa ist nach stundenlangen Schmerzen gestorben“. Ein schlechtes Beispiel: "Mode für die starke Frau“ statt "Große Größen für Dicke“.

Die Realität ist nämlich: Ich bin dick.

Und ich bin kein Kind, dass man vor irgendeiner schrecklichen Nachricht schützen muss.

"Dick" ist ein Wort. Ein Adjektiv. Nicht mehr und nicht weniger. Am besten zu vergleichen mit "groß", "klein" oder "dünn".

Keines davon steht in irgendeinem Zusammenhang mit Attraktivität. "Stark" als Euphemismus für "dick" nervt mich in etwa so sehr, wie die RTL-Alliteration der Rüstigen Rentnerin Roswitha.

Das Problem dabei: Das Wort "dick“ einfach zu ersetzen oder mit anderen Worten zu verschönern impliziert, dass man "dick“ verschönern muss. Dass "dick“ gleichzusetzen ist mit Negativem, mit "hässlich“ und "krank“. Dabei ist das natürlich Quatsch.

So wie dick nicht für hässlich steht, steht dünn auch nicht für schön.

Ich bin schon mein Leben lang die große Dicke. Und ich habe es satt, zu hören, dass ich "für mein Gewicht“ wirklich eine schöne Frau bin. Dass ich ein "hübsches Gesicht“ habe oder mein Übergewicht mit meiner "positiven Ausstrahlung locker wettmache".

Eine Frage der Inszenierung: Milly Smith zeigt in ihren Bildern, dass es manchmal keinen Unterschied zwischen dick und dünn gibt:

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In jedem dieser Komplimente steckt auch eine kleine Beleidigung. Ein kleines "aber", das weh tut. Jedes dieser kleinen "abers" sorgt dafür, dass dicke Mädchen an sich selbst zweifeln.

Ich hab es satt, dass normalgewichtige Models als Plus-Size verkauft werden. Dass wir in einer Gesellschaft leben in der zu dick zu sein immer noch so viel schlimmer ist, als zu dünn. Beides sind Extreme, die nicht gesund sind. Aber auch nicht zwangsläufig krank.

Ich bin, wie ich bin. Meine Waage schwankt grundsätzlich zehn Kilo hoch und runter. Das ist vielleicht nicht optimal. Aber das Leben an sich bedeutet so viel mehr als eine Zahl auf der Waage. Das Leben ist so viel schöner, als es irgendeine Skala der angeblichen Normalität beschreiben könnte.

Nur: Bei mir wird das nicht akzeptiert.

Alles, was ich tue oder lasse, wird automatisch als Kommentar zu meinem Körper interpretiert.

Und das beeinflusst natürlich mein Leben: Ich bin vielleicht auch deshalb ein selbstbewusster und positiver Mensch geworden, weil ich schon immer so tun musste, als würde ich mich pudelwohl fühlen. Weil ich mich oft lieber hinter einer Fassade aus Ich-bin-gut-so-wie-ich-bin versteckt habe, damit Lästereien und Ausgrenzungen gar nicht erst an mich rankamen.

Es war ein so verdammt langer und steiniger Weg zu der selbstbewussten Frau, die ich heute bin. Die sich problemlos im Bikini ins Freibad und an den Strand traut. Die zu absolut keiner Tages- und Nachtzeit darüber nachdenkt, was andere über sie denken. Die sich im Spiegel anguckt und sagt: "Du bist nicht trotzdem schön, sondern genau deshalb!"

Antonio Páramo malt dicke Menschen, und hilft ihnen, sich mit dem eigenen Körper wohler zu fühlen:

Wir haben mit ihm über seine Bilder gesprochen:

Ok, vielleicht nicht jeden Tag. Ehrlich gesagt sogar lange nicht jeden Tag. Aber wer tut das schon? Ich kenne keine Frau auf dieser Welt, die wirklich hunderprozent zufrieden ist mit sich. Klar ist: Ich bin nicht stark, weil ich dick bin. Ich bin stark, weil ich stark bin. Ich bin nicht hässlich, weil ich dick bin. Und du bist nicht schön, weil du dünn bist.

Und egal, ob wir dick oder dünn sind, keines von beiden sagt irgendetwas darüber aus, ob wir liebenswert sind. Und uns selbst lieben können.

Also lasst uns doch alle zusammenhalten. Denn am Ende des Tages, wollen wir uns alle nur mit uns selbst wohlfühlen. Egal welche Größe oder welcher Körper-Typ.

Falls ihr das aber nicht wollt, oder nicht könnt und jedes einzelne Wort in diesem Text lächerlich findet – bitte. Dann hoffe ich, dass es Euch so richtig sauer macht, dass ich verdammt sexy sein kann. Dass ich nur so vor Energie sprühe, wenn ich mitten auf der Tanzfläche stehe und alle Blicke auf mich reiße. Dass ich leidenschaftlich gerne eine Frau bin, die jede einzelne Rundung perfekt einzusetzen weiß. Allen anderen möchte ich sagen, dass ich irgendwann in den Spiegel geguckt habe und dachte: Meine Mama hat diese Hüften und diesen Bauch. Und meine Oma auch. Ich lasse mich nicht mehr fertig machen von Zielen, die ich eh nicht erreiche. Viel lieber feier ich mich. Dass ich einzigartig bin.

Vergessen wir Euphemismen und Schönrederei. Seien wir schön. Alle, genau so, wie wir sind.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf kunterbuntstattnurdabei.blogspot.de, diese ist eine gekürzte Fassung.


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20.10.2017, 18:57 · Aktualisiert: 21.10.2017, 13:17

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Aber mittlerweile war ich etwa drei Monate von Anna getrennt, hatte nach einigen schlimmen Wochen viel auf Partys geknutscht und ein trashpornomäßiges Sexdate gehabt.