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Gerechtigkeit

Das TV-Duell hat einen klaren Gewinner, und der heißt weder Merkel noch Schulz

03.09.2017, 22:49 · Aktualisiert: 04.09.2017, 08:19

Das TV-Duell zwischen CDU-Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Herausforderer Martin Schulz hat einen klaren Gewinner. Es ist keiner der beiden Kandidaten.

Es ist die AfD.

Das ist nicht die Schuld der beiden. Die vier Moderatoren wollten es so.

Denn es ging im Duell nicht um die Zukunft, um soziale Gerechtigkeit, um Bildung und die Digitalisierung. Es ging um die Angst vor Flüchtlingen, wie man sie am besten wieder los wird oder gar nicht erst ins Land lässt.

Es ging um Merkels Entscheidung vor zwei Jahren, die Grenzen zu öffnen und Flüchtlinge aus Ungarn einfach einreisen zu lassen. Eine Entscheidung, die Merkel verteidigt, die auch Schulz für richtig hält.

Die Moderatoren aber hatten ihr Thema für die erste Stunde gefunden: Wie lässt sich Deutschland abschotten? Wer verspricht mehr Abschiebungen?

Sat.1-Mann Claus Strunz verstieg sich zu der Frage, wann denn eine Viertelmillion ausreisepflichtige Asylbewerber endlich weg seien. (Es sind, so viel Fakten müssen sein, 32.020 Menschen mit Stand Juni 2017 ausreisepflichtig.)

Martin Schulz hielt immerhin dagegen, man müsse jeden Menschen, jeden Fall einzeln betrachten.

Die Moderatoren brachten den Zorn ins Studio, wie er Merkel zuletzt beim Wahlkampf in Bitterfeld entgegenschlug: Merkel, die Gesetzesbrecherin. Flüchtlinge, die weg müssen. Der Islam, der nicht zu Deutschland gehört.

Das sind die Themen der AfD.

Wie sollen sich Merkel und Schulz bei solchen Fragen ernsthaft streiten?

Ja, diese Fragen beschäftigen viele Menschen. So viele, dass die AfD mit ihrer Politikerverachtung und ihrem Menschenhass wohl in den Bundestag einzieht.

Aber was ist mit der Mehrheit, die sich auch noch für andere Themen als Flüchtlinge interessiert? Die das Land nicht vom Untergang bedroht sieht? Die zum Beispiel wissen will, warum der wirtschaftliche Aufschwung nicht bei ihnen ankommt?

Die hatte Pech. Stattdessen Erdogan (finden beide kritisch), Trump (finden beide kritisch), Rente mit 70 (sehr, sehr kritisch), Dieselskandal (geht gar nicht) und ganz schnell noch soziale Gerechtigkeit (finden beide wichtig).

Im Schlusswort fiel den beiden dann auch auf, dass Bildung und Digitalisierung keine Rolle beim Duell gespielt hatten. Aber da war es nach 90 Minuten dann auch zu spät.


Today

Jetzt im Fernsehen: Das Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz

03.09.2017, 19:44 · Aktualisiert: 03.09.2017, 23:59

20.15 Uhr auf ARD, ZDF, RTL und Sat.1

Es gibt in diesem Wahlkampf genau ein TV-Duell mit den Spitzenkandidaten: CDU-Kanzlerin Angela Merkelund SPD-Herausforderer Martin Schulz treffen am Sonntagabend um 20.15 Uhr aufeinander. Bis zu 20 Millionen Zuschauer werden erwartet.

Die erste Frage geht an Martin Schulz, das Schlusswort hat Angela Merkel – und auch sonst ist viel vorab verabredet worden: vier Moderatoren, kein Publikum, zwischen 60 und 90 Sekunden pro Antwort, insgesamt 90 Minuten Duell.

Weil die Umfragen für Martin Schulz und die SPD aktuell nicht besonders gut stehen, sagen viele: Heute Abend muss Schulz Punkte wettmachen, wenn er noch Kanzler werden will.