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16.01.2018, 15:51 · Aktualisiert: 17.01.2018, 11:35

Auf ein Mal sitzt er in der Bahn vor dir: der Consdaple-Pulli. Oder dein Bruder trägt ein Fred Perry Shirt. Oder deine alte Freundin hat irgendwas von Alpha Industries an. Alles Marken, die irgendwie in der rechten Szene gehyped werden – die aber alle sehr unterschiedlich zur rechten Szene stehen. Was bedeutet es, wenn man sie trägt? Und, viel wichtiger: Was nun? Sollte man seine Freunde darauf ansprechen? Vielleicht sogar auch Fremde – ob sie wissen, was sie da tragen?

Über diese Fragen haben wir mit zwei Rechtsextremismus-Experten gesprochen: Simone Rafael ist Chefredakteurin der Plattform Belltower News, einem Online-Magazin der Amadeus-Antonio-Stiftung. Diese setzt sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus ein. Belltower.News gibt unter anderem Ratschläge, was jeder konkret gegen Rechtsextremismus tun kann.

Michael Trube berät bei der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) Menschen, die mit Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus konfrontiert sind und sich dagegen einsetzen wollen.

Was sind überhaupt rechtsextreme Marken?

Das Erkennen von rechter Kleidung ist oftmals gar nicht so einfach, erklärt Rafael. Zumal man zwischen zwei Kategorien von Marken unterscheiden muss: Es gibt Marken, die sich bewusst an die rechtsextreme Szene wenden und die es nur in einschlägigen Läden zu kaufen gibt. Deren Erlöse kommen oft wiederum der rechten Szene zugute.

Dazu gehören laut der Bundeszentrale für Politische Bildung Marken wie Thor Steinar, Consdaple oder Masterrace Europe.

Das Logo von Thor Steinar erinnert beispielsweise an das Wolfsangel-Symbol, welches in bestimmten Kontexten vom Verfassungsschutz verboten ist. Consdaple ist bei Neonazis beliebt, weil darin die Buchstabenfolge "nsdap" enthalten ist. Auch Masterrace Europe, zu deutsch "Herrenrasse Europa", versteckt seine rechtsextreme Ausrichtung nicht.

Diese 8 Marken stehen für Nazi-Mode:

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Daneben gibt es noch Marken, die oft von Nazis getragen werden, die aber auch bei anderen Szenen beliebt sind und die es in ganz normalen Bekleidungsläden zu kaufen gibt. Darunter fallen zum Beispiel Fred Perry, Ben Sherman, Alpha Industries und Lonsdale.

Wegen den Buchstaben "nsda" im Markennamen trugen Rechtsextreme früher gerne Lonsdale. Nachdem sich das Unternehmen allerdings von Rechtsextremen distanziert hatte, boykottierten Nazis es aber teilweise.

Was mache ich, wenn ein Freund oder Bekannter rechte Marken trägt?

Erste Regel: freundlich fragen, sagt Simone Rafael. "Wenn man zu der Person eine Beziehung hat, ist das eine gute Basis für ein Gespräch", sagt Simone Rafael. Einem Freund oder gutem Bekannten sei schließlich nicht egal, was du von ihm denkst – eine Grundvoraussetzung, sagt Rafael. Man könne also einsteigen mit "Weißt Du eigentlich, was du da für Kleidung trägst?"

Als nächstes könne man darüber sprechen, wie diese Klamotten auf die Außenwelt wirken, rät die Expertin. Diese Vorgehensweise findet auch Trube sinnvoll. “Man sollte erklären, warum genau man ein Problem damit hat.", rät er. Es sollte deutlich werden, dass die Kleidung eine Grenzüberschreitung ist.

Andere Sichtweisen zu vermitteln sei der richtige Weg, um den Bekannten von seiner rechten Gesinnung eventuell abzubringen, sagt Trube. Man solle ganz klar zu seiner Meinung stehen – und erklären, warum rechte Ideologien Unsinn sind. Allerdings ändere niemand seine politischen Haltung von heute auf morgen, hält der Experte fest. "Aber aus dem Verlauf des Gespräches kann man Schlüsse ziehen, ob man mit der Person auch in Zukunft noch befreundet sein will."

Was sollte ich machen, wenn es um einen Kollegen geht?

Fällt ein Kollege mit einschlägiger Kleidung auf, können sich die Mitarbeiter dafür einsetzten, dass das Tragen rechter Zeichen per Hausordnung oder Betriebsvereinbarung verboten ist – dafür bieten Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) und das Bundespersonalvertretungsgesetz (BPersVG) rechtliche Grundlagen.

"Der Chef sollte sich auch Gedanken darüber machen, wie Mitarbeiter, die rechte Kleidungsmarken tragen, die Außenwirkung der Firma beeinflussen", stellt Rafael fest. Einfach das T-Shirt auszuziehen, sei nicht die alleine Lösung. Letztendlich müsse auch Thema sein, warum der Kollege die Kleidung trägt und was seine Gesinnung für den Betrieb bedeutet, sagt die Expertin.

Wichtig sei auch, “dafür zu sorgen, dass er diese Ideologie im Betrieb nicht auslebt oder andere Personen rekrutiert", sagt Trube. Deshalb sollte man auch andere Mitarbeiter über die Gesinnung des Kollegen informieren und mit ihnen Strategien entwickeln. Die Kollegen können so gemeinsam überlegen, ob sie den betreffenden Mitarbeiter beispielsweise in seine Schranken weisen oder auch den Kontakt auf ein Minimum beschränken.

"Thor Steinar"-T-Shirt ist im Phantasialand erlaubt

Anfang Januar stand das Phantasialand in der Kritik, weil dort ein Mann mit Springerstiefeln und einem "Thor Steinar"-T-Shirt unbehelligt herumlaufen konnte. Ein Besucher sah dies und konfrontierte den Freizeitpark auf Twitter damit. Das Phantasialand antwortete darauf, dass jeder in den Park dürfe, unabhängig davon, welche Kleidung er trage. Laut Hausordnung ist es dort nicht verboten, rechte Kleidung zur Schau zu stellen. 

Was können die Mitarbeiter eines Betriebes wie dem Phantasialand tun?

Das Pärchen einfach aus dem Phantasialand rauszuwerfen oder gar nicht erst hereinzulassen, hält Trube für rechtlich schwierig. “Wenn das Tragen solcher Kleidung nicht per Hausordnung verboten ist, geht das nicht so einfach." Mit der Reaktion auf die Beschwerde bei Twitter habe es sich der Park sehr leicht gemacht.

Deshalb fordert der Experte von Unternehmen wie dem Phantasialand, das Verbot in die Hausordnung mit aufzunehmen. Damit verbiete man schließlich nicht generell bestimmten Menschen den Eintritt, sondern nur, dass sie bestimmte Kleidung tragen. "Für Betroffene von Rechtsextremismus und Rassismus ist das ein wichtiges Signal", sagt Trube.

Soll ich Fremde auf ihre rechte Kleidung ansprechen?

Lieber nicht, findet Simone Rafael: "Das kann unter Umständig gefährlich werden." Nazis sei die Meinung von Unbekannten sowieso egal. Trube sagt, dass es auf die konkrete Situation ankommt. “Wenn ich mit mehreren Leuten unterwegs bin, kann ich schon mal sagen: ‘Ich find es nicht in Ordnung, dass Du mit so einem Pulli unterwegs bist' und dann weiter gehen". Trifft man allerdings alleine auf eine Gruppe betrunkener Nazis, solle man eher davon absehen, sie anzusprechen.

"Wenn allerdings auffällt, dass solche Kleidung verstärkt im eigenen Wohnumfeld getragen wird, kann man schon handeln", sagt Rafael, "zum Beispiel, indem er Initiativen oder Aktionen gegen Rechts ins Leben ruft."

Was kann ich sonst noch gegen Kleidung rechter Marken tun?

Marken, die nur von Rechten vereinnahmt werden, aber eigentlich nicht rechts sind, sollte man nach Rafaels Meinung weiterhin tragen. Viele dieser Firmen haben sich bereits von der rechten Szene distanziert und fördern Projekte für Toleranz, wie zum Beispiel Lonsdale.

Wenn dagegen Läden, die rechte Kleidung verkaufen, in der Nachbarschaft eröffnen sollen, ist laut Rafael die Initiative der Anwohner gefragt: Nach massiven Protesten der Anwohner hat nun zum Beispiel ein Laden in Hamburg-Barmbek geschlossen, der unter anderem "Thor Steinar"-Kleidung verkauft.


Gerechtigkeit

Warum Rechtsextreme Flüchtlinge betreuen wollen – und wohl scheitern werden

16.01.2018, 15:35 · Aktualisiert: 16.01.2018, 16:47

Die Idee der sogenannten "Identitären Bewegung" ist vor allem: ein PR-Stunt

Stell dir vor, du bist als Jugendlicher vor dem Krieg geflüchtet, aus Syrien zum Beispiel. Wenn es gut läuft, schaffst du es an einen sicheren Ort, zum Beispiel nach Deutschland. Und wenn es richtig gut läuft, bekommst du einen Vormund, der es gut mit dir meint, also einen Erwachsenen, der dir hilft, dich in Deutschland zurechtzufinden. Jemanden, der dich rechtlich vertritt bis du 18 Jahre alt bist. Er verwaltet dein Geld, kümmert sich um eine Unterkunft für dich.

Und jetzt stell dir vor, dieser Mensch wäre ein Rechtsextremer. Ein Mensch, der dich am liebsten nach Syrien zurückschicken würde. Das ist das Horrorszenario, das die sogenannte Identitäre Bewegung heraufbeschwören möchte. Das ist eine kleine Gruppe Rechtsextremer, die sich als Mischung aus Burschenschaft und Hipstern inszeniert, und bislang hauptsächlich mit PR-Aktionen Aufsehen erregt hat.

Auf Facebook ruft der Hamburger Ableger der Gruppe ihre Anhänger dazu auf, Vormundschaften für minderjährige Flüchtlinge zu übernehmen. Die Migranten sollen von einer Rückkehr überzeugt werden, weil sie in Deutschland angeblich keine Zukunft hätten.