Bild: Verena Hubertz

Gerechtigkeit

Diese Frau will die SPD revolutionieren

02.10.2017, 19:05 · Aktualisiert: 03.10.2017, 13:10

Hohe Energie?

Keine Antwort. Wochenlang. Das war die Reaktion eines hochrangigen SPD-Politikers auf die E-Mail von Verena Hubertz. Dabei wollte sie ja nur helfen, sich austauschen. Der Politiker hatte ein Interview gegeben, über Digitalisierung gesprochen. Da kenne ich mich aus, dachte Hubertz, heute 29. Sie ist erfolgreiche Gründerin, führt ein Start-Up namens "Kitchen Stories", das Rezepte per App zur Verfügung stellt.

Und sie ist bis heute erschrocken darüber, wie mit ihr umgegangen wurde:

Selbst wenn ich einem riesigen Konzern wie Amazon schreibe, bekomme ich eine Rückmeldung.
Verena Hubertz zu bento

Es sollte nicht das einzige frustrierende Erlebnis bleiben. In die SPD eingetreten war Hubertz 2009, um etwas zu bewegen. Stattdessen traf sie auf eine Partei, die sich seit Jahrzehnten nicht wesentlich verändert hat – und hauptsächlich aus alten Menschen besteht. Hubertz redete im Ortsverein über Parkbänke und Wohnungsbauprojekte. Wenn überhaupt, denn oft schaffte sie es nicht zur Sitzung um 18.30 Uhr: Sie musste als Praktikantin damals oft länger arbeiten. Die frühpensionierten Lehrer dagegen hatten Zeit.

Wegen solcher Erlebnisse wollen sie und ihre Mitstreiter die Partei revolutionieren. Zumindest ein bisschen.

Und nie schien die Zeit dafür günstiger als nach dem historisch schlechten Ergebnis bei der Bundestagswahl. "Wenn wir das jetzt nicht gemeinsam schaffen, weiß ich nicht, wie wir das Ruder noch rumreißen sollen", sagt Hubertz.

​Wir sind nicht nur in der SPD, um in der Eckkneipe zu sitzen oder das Sommerfest zu planen.​
Verena Hubertz zu bento

"SPD++" heißt die Initiative, die Hubertz gemeinsam mit dem Softwareentwickler Henning Tillmann und anderen jungen Sozialdemokraten ins Leben gerufen hat.

Und innerhalb weniger Tage hat die Intitative viele Unterstützer gewonnen. Juli Zeh und mehr als 1000 weitere Menschen haben sich bereits online zu "SPD++" bekannt.

Ihre Ziele: Die Partei soll jünger, vielfältiger werden – und die Strukturen moderner. Das sind die vier wichtigsten Forderungen:

  1. Quote für die Jungen: Die Führungsgremien sollen zu mindestens 25 Prozent aus Unter-35-Jährigen bestehen. Auch jeder fünfte Listenplatz soll an junge Kandidaten gehen.
  2. Online-Debatten: In Foren soll über einzelne Themen diskutiert werden. Die Mitglieder des Forums sollen Delegierte zum Parteitag schicken und Anträge stellen dürfen.
  3. Gleichberechtigung: "Die SPD muss noch weiblicher werden", schreiben die Initiatoren. Ein Verhaltenskodex soll gegen Machos helfen.
  4. Nicht immer dieselben Delegierten: Wenn Ämter und Listenplätze neu besetzt werden, soll mindestens ein Viertel an Mitglieder gehen, die nicht schon vorher auf dem Posten saßen.

Dieses Programm ist überlebenswichtig für die SPD, davon ist Hubertz überzeugt.

​Wenn die jungen Leute, die durch den Schulz-Hype eingetreten sind, nur über Parkbänke reden können, treten sie schnell wieder aus.
Verena Hubertz zu bento

(Bild: Verena Hubertz)

Die Leute kämen mit einer großen Erwartungshaltung, könnten aber tatsächlich nur wenig bewirken, sagt Hubertz. Das sei frustrierend.

"Wir wollen als junge SPD-Generation stärker wahrgenommen werden", sagt Hubertz. Das gelinge vor allem, wenn die Jungen die Themen selbst verträten – und nicht alte Parteimitglieder, die von dem Thema nur gehört hätten.

So alt ist die SPD:


Bild: Bundeszentrale für politische Bildung

Bild: Bundeszentrale für politische Bildung

Zumindest mit ihrer Diagnose liegt die Initiative wohl richtig. 75 Prozent der SPD-Mitglieder sind 50 Jahre oder älter. Schon seit Langem konstatieren Politikwissenschaftler, dass die starren Strukturen junge Menschen abschrecken. Viele interessieren sich für Politik – aber eben nicht für vor sich hinsiechende Volksparteien. Emmanuel Macrons "La République en Marche" in Frankreich und die linksalternative Bewegung "Podemos" in Spanien haben gezeigt, dass neue Parteien der Sozialdemokratie durchaus den Rang ablaufen können – und auch in Deutschland formieren sich Initiativen wie "Demokratie in Bewegung".

Höchste Zeit also, für die SPD etwas zu ändern.

Es geht um alles.
Verena Hubertz

Auch mächtige Mitglieder der Partei, wie die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, und Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern, haben schon ihre Zustimmung auf Facebook signalisiert. Die "SPD++"-Seite hat dort bereits mehr als 3500 Likes, es gibt einen Werbespot, der zumindest erträglicher ist als der SPD-Spot zur Bundestagswahl.

SPD++ | Die SPD neu denken.

Die SPD muss vielfältiger, partizipativer und durchlässiger werden. Hilf mit! https://spdplusplus.de

Posted by SPD Plus Plus on Sunday, October 1, 2017


Hubertz und ihre Mitstreiter arbeiten vor allem auf den Parteitag der SPD im Dezember hin. Dann soll die Revolution beginnen – per Musterantrag, den die Unterstützer einbringen sollen. Anders geht es halt nicht. Noch. Immerhin sind die Anträge online auf der Seite von "SPD++" verfügbar.


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