11.06.2018, 15:57 · Aktualisiert: 11.06.2018, 16:43

Die 5 wichtigsten Erkenntnisse.

Um die SPD ist es gerade nicht so gut bestellt. Bei der Bundestagswahl 2017 haben die Sozialdemokraten eine harte Niederlage eingefahren. Wie schon zuvor auch 2013. Und 2009.

Das Gejammer war immer groß – mit Kanzlerkandidat Martin Schulz holte die SPD nur 20,5 Prozent, ihr schlechtestes Bundestagswahlergebnis. Aber Konsequenzen gab es lange keine. Bis zur Niederlage von 2017.

Die SPD hat endlich nachgeforscht, warum sie keiner mehr mag – und jetzt ein Ergebnis vorgestellt.

Ein fünfköpfiges Team wurde damit beauftragt, Gründe für den Niedergang der Sozialdemokraten zu finden. Unter anderem die Soziologin Yvonne Schroth und der frühere SPIEGEL-Journalist Horand Knaup waren dabei. Sie haben mehr als 100 Interviews mit Verantwortlichen, Wahlkämpfern und Parteimitgliedern durchgeführt.

Martin Schulz hatte die Analyse in Auftrag gegeben – es ist das erst Mal, dass eine Partei in Deutschland sein Wahlergebnis derart durchleuchtet.

Der jetzt veröffentlichte Bericht über das Scheitern heißt "Aus Fehlern lernen".

Das sind die wichtigsten Erkenntnisse für die SPD:

  1. Die Partei hat zu viel taktiert. Positionen seien mit Rücksicht auf den Koalitionspartner, Autofahrer oder Gewerkschaften ständig verwässert worden, heißt es. Irgendwann fehlte es der SPD an eigenem Profil.
  2. Das Hin und Her um die Kanzlerfrage hat die Wähler genervt. Eigentlich hat der Parteivorsitzende das Recht auf die Kandidatur – weil aber Sigmar Gabriel lange nicht "Ja" sagte und die Partei nicht deutlich "Nein", sei Martin Schulz als Lösung irgendwann zu spät präsentiert worden.
  3. Es gab im Wahlkampf keine gemeinsamen Ideen. Schulz wollte erst über Europa reden, die Basis lieber über soziale Gerechtigkeit. "Am Ende kämpfte die Partei für einen Kandidaten, der sie nicht überzeugte und dieser für ein Programm, von dem er nicht überzeugt war", schlussfolgert der Bericht.
  4. Die Partei ist zu müde geworden. Viele Jahre Opposition und viele erfolglose Wahlkämpfe hätten dazu geführt, "dass nur noch wenige Beschäftigte des Hauptquartiers Kreativität und unbedingten Siegeswillen versprühten."
  5. Und sie ist schon lange keine Volkspartei mehr. Die SPD hat nur noch etwa 20 Prozent Stammwähler. Aber sie hätte das Potenzial, auch viele andere Wähler zu überzeugen – wenn sie mehr als nur ein Standardprogramm gehabt hätte.
In der öffentlichen Wahrnehmung ist die Sozialdemokratie zu einem Sanierungsfall geworden
Aus der SPD-Analyse.

Wie geht es für die SPD weiter?

Die SPD will die Analyse als Antrieb für ihre Erneuerung nehmen. Generalsekretär Lars Klingbeil hat ein entsprechendes Motivationsschreiben auf der SPD-Homepage veröffentlicht und zudem einen Fünf-Punkte-Plan auf Zeit Online vorgestellt.

Die Analyse nennt Klingbeil "ehrlich" und "schonungslos" – viele Ideen sollen nun umgesetzt werden:

  • So wird an einem neuen SPD-Debattencamp gearbeitet, in dem die Basis wieder mehr Mitspracherecht bekommen soll.
  • Das "Willy Brandt"-Haus, die Parteizentrale, soll völlig neu aufgestellt werden.
  • Und eine umfassende Analyse der einzelnen Wahlkreise wurde ebenfalls gestartet.

Klingbeil ist optimistisch:

Zum Schluss: Die Evaluation zeigt neben vielen Defiziten auch eines. Das Potenzial für eine deutlich stärkere SPD ist da.

Das müssen nun nur noch die Wähler wieder genauso sehen.


Future

Diese Frau erklärt dir, ob Maschinen über Leben und Tod entscheiden sollten

11.06.2018, 15:30 · Aktualisiert: 11.06.2018, 12:04

Und welche Rolle Menschen spielen.

Maschinen machen unser Leben bequemer. Audioassistenten nehmen unsere Befehle an, Smartphones erleichtern die Kommunikation, Autos haben einen Tempomaten. Über Leben und Tod aber entscheiden sie aber nicht.

Manuela Lenzen, Wissenschaftsjournalistin und Philosophin, beschäftigt sich mit Künstlichen Intelligenzen. Damit, was sie können – und was uns erwartet.