Bild: Annika Krause

Gerechtigkeit

Roboter gefährden unsere Demokratie. So sollten wir uns wehren

22.11.2016, 15:07

To bot or not to bot

Was sind 100 Euro im Wahlkampf wert? Das Geld reicht, um eine Straße zu plakatieren oder 250 Kugelschreiber zu verteilen. Eine Partei könnte auch Facebook-Werbung schalten und auf Likes hoffen. Allerdings käme niemand auf die Idee, einen Menschen zu bezahlen, damit er vor dem Brandenburger Tor gegen Ausländer demonstriert. Im Netz ist das anders.

Für wenig Geld kann sich dort jeder eine ganze Demonstranten-Armee leisten. Sie heißen Social Bots und geben vor, echte Menschen zu sein. Kleine Programme, die im Netz automatisiert Botschaften verbreiten, zum Beispiel über Fake-Accounts auf Twitter oder Facebook. Das Verlockende: Wer sich nicht total dämlich anstellt, wird nie dabei erwischt, dass er Meinungsroboter für sich arbeiten lässt.

Im Ukraine-Konflikt, beim Brexit oder dem US-Wahlkampf: Überall mischten Social Bots mit und machten Stimmung im Netz.

Auch bei uns werden gezielt Falschmeldungen und Gerüchte mithilfe von Social Bots verbreitet. Unter dem Hashtag #RefugeeesNotWelcome posteten sie unzählige ausländerfeindliche Tweets. Auf der Facebook-Seite der CSU schrieben sie Kommentare, die Fremdenhass schüren sollten.

Die AfD hatte zunächst angekündigt, Social Bots in ihre Strategie im Bundestagswahlkampf einzubeziehen – später distanzierte sich die Partei wieder. Genau wie die CDU, SPD, die Linken und die Grünen.

Aber ändert wegen so ein bisschen Social Media jemand seine Meinung?

Das denken seit Trumps Wahlerfolg höchstens noch Politiker, die ihren Facebook-Account dem Praktikanten überlassen. (Ja, die gibt es!) Die Twitter nur deshalb schätzen, weil ihnen dort Journalisten folgen. Meist lassen sich diese Politiker auch davon beeindrucken, wenn ein Thema im Netz trendet.

Spätestens da zeigt sich die Macht der Social Bots: Sie können durch unzählige Fake-Kommentare beeinflussen, womit sich Politiker und Medien befassen. Gleichzeitig können sie andere Themen unterdrücken, indem sie mit ihrer schieren Masse einen Hashtag kapern.

Wer ist Jenna Behrends?

Unverdrossen engagiert sich Jenna Behrends, 26 und CDU-Mitglied, in der Berliner Kommunalpolitik. Auch wenn das manchmal anstrengend ist, ist sie überzeugt, dass es etwas bringt sich einzumischen. Sie ist Mutter einer kleinen Tochter und studiert Jura an der FU Berlin.

Stellen wir uns das folgende Szenario vor:

Es ist der Tag der Bundestagswahl. An einem Bahnhof explodiert eine Bombe. In den sozialen Medien verbreitet sich rasend schnell die Falschmeldung, dass Angela Merkel persönlich von den Anschlagsplänen gewusst habe, aber vor der Wahl keine Razzien in Flüchtlingsheimen durchführen lassen wollte. Bots heizen die Stimmung zusätzlich auf und fordern Überwachung und Politiker, die hart durchgreifen. Sie teilen die Nachricht überall.

Es könnte der letzte Tag unserer Demokratie sein. Denn selbst wenn wir im Nachhinein beweisen könnten, dass vor allem Social Bots die Falschmeldung verbreitet haben – es wäre womöglich zu spät.

Was bedeutet der Hinweis "Meinung"?

Unsere Autoren und Redakteure argumentieren klar, meinungsstark, manchmal polemisch. Unsere Kommentare sind, das liegt in der Natur der Sache, absolut subjektiv und müssen nicht der Meinung der gesamten Redaktion entsprechen. Wir wollen weder unseren Lesern noch unseren Kollegen vorschreiben, wie sie über einen Sachverhalt zu denken haben; wir wollen zur Debatte anregen – und freuen uns auf den Dialog. (Mehr Fragen und Antworten zum Redaktionsalltag findet ihr hier: FAQ)

Wer mit den Programmen umzugehen weiß, kann vom Wohnzimmer aus unsere Freiheit angreifen. Unsere Demokratie ist nicht mehr selbstverständlich. Dafür muss sich gar keine Krise ereignen. Es ist heute schon Alltag, dass Social Bots auf Facebook, Instagram und Twitter mit ihren Posts und Tweets unsere Werte angreifen.

Deswegen muss unsere Demokratie wehrhafter werden. Wir werden Social Bots nicht mehr los. Es würde überhaupt nichts bringen, sie zu verbieten.

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Wer jetzt behauptet, er würde Fake-Accounts erkennen, möge bitte kurz einem iPhone eine beliebige Frage stellen. Siri ist nur ein Beispiel, wie intelligent Bots bereits heute sind. Selbst technisch ist gut getarnten Social Bots nur schwer nachzuweisen, dass sie keine echten Menschen sind. Sie werden immer etwas besser sein als die Programme, mit denen wir sie enttarnen können.

Dabei brauchen wir Social Bots, die unsere Demokratie verteidigen. Warum nicht zum Beispiel Roboter programmieren, die auf volksverhetzende, rassistische oder zu Gewalt aufrufende Beiträge antworten?

Was darf so ein Social Bot, rechtlich, moralisch und ethisch? Wie werden sie das Internet verändern? Es wird nicht leicht, diese Fragen zu diskutieren. Aber wir müssen die Debatte führen.


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