Bild: dpa/Martin Schutt

Gerechtigkeit

So kämpfen Flüchtlinge in Deutschland für ihr Image

08.01.2016, 14:41 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:25

"Wir sind hier, weil wir etwas verwirklichen wollen!"

Serge Menga Nsibu lebt in Deutschland, weil seine Eltern einst die Demokratische Republik Kongo verließen. Er fühlt sich hier wohl. Aber nach den Übergriffen in Köln muss er was loswerden – und hat auf seinem Facebook-Kanal ein Video hochgeladen. Darin erzählt er, dass er gern in Deutschland lebt, denn in der Heimat seiner Eltern schere sich niemand um die Zukunft der Bürger. Serge fordert alle in Deutschland lebenden Ausländer auf: Benehmt Euch!

Warum sind wir Ausländer in die BRDgekommen???!!

Posted by Serge Nathan Dash Menga on Donnerstag, 7. Januar 2016

Seit Serge sein Video am Donnerstag auf Facebook veröffentlicht hat, wurde es schon mehr als 100.000-mal geteilt und mehr als zwei Millionen mal geklickt. Er hat einen Nerv getroffen. Und spricht dabei vielen Ausländern aus der Seele.

"Mit welchem Recht nehmen sich manche Menschen Sachen raus, die im Grunde genommen das Ansehen aller in Deutschland lebenden Ausländer besudeln?"
Serge Menga Nsibu

So wie Serge kämpfen viele für ihr Image im Land und setzen ein Zeichen, dass sie Teil ihrer neuen Heimat werden wollen. Sie verteilen Blumen in Berlin und jetzt in Köln. Sie räumen Silvesterknaller von der Straße. Sie kochen für Passanten in Kreuzberg:

THATS ALEX! A big shoutout to him this morning, Dieser Mann beeindruckt mich zu tiefst! Seine Geschichte ist nicht...

Posted by Tabea Bü on Samstag, 21. November 2015

Wie ist die Situation der Flüchtlinge aktuell?

Die wenigsten Flüchtlinge, die im vergangenen Jahr nach Deutschland kamen, dürften auf die Beschreibung passen, die Serge in seinem Rant anbringt. Viele träumen von einem Neubeginn, hoffen auf Akzeptanz und Sicherheit. Sie büffeln in Deutschkursen und engagieren sich in Begegnungsstätten. Zugezogene schrauben dein Auto, backen dir morgens dein Brötchen, sitzen für dich im Bundestag. Oder schummeln sich in deine Playlist.

Für die wenigsten ist dabei der Start in Deutschland leicht: Fast 1,1 Millionen Flüchtlinge kamen 2015 nach Deutschland, die meisten aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Noch nicht mal die Hälfte konnte bislang einen Asylantrag stellen. Denn beim zuständigen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) dauert die Bearbeitung eines Antrages derzeit rund fünf Monate. (tagesschau)

Überfüllte Flüchtlingsheime

Das lange Warten in überfüllten Heimen und das Nichtstun zermürben viele. In einigen Einrichtungen kam es in der Vergangenheit zu Schlägereien, angespannte Flüchtlinge gerieten aneinander. Rund 40 Prozent der Asylsuchenden leiden nach Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) unter den extrem belastenden Erlebnisse in ihren Heimatländern. Doch an psychologischer Betreuung fehlt es fast überall. (SPIEGEL ONLINE)

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