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11.06.2018, 10:46 · Aktualisiert: 11.06.2018, 16:26

Auslöser war ein übergriffiger Familienvater.

Erin Wade ist Chefin eines Restaurants im kalifornischen Oakland. Im "Homeroom" serviert sie Mac and Cheese und engagierte sich von Beginn an gemeinsam mit ihrem Team für eine "inklusive und vielfältige" Restaurantkultur. Ein Vorhaben, von dem sie dachte, es funktioniere auch mit den Gästen gut – bis vor drei Jahren, als sie Mails von ihren Mitarbeiterinnen erhielt. Darin ging es um Belästigung.

Auslöser war ein Mann, der einer Mitarbeiterin unter das Shirt griff, als sie seinen Tisch abräumte – während seine vier Kinder mit am Tisch saßen.

Wie Erin Wade in der Washington Post schrieb, sei die Kellnerin so fassungslos gewesen, dass sie ihr den Vorfall nicht mitteilte. Dafür meldeten sich jedoch viele ihrer Kolleginnen, die von ähnlichen Belästigungen berichteten.

Gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entwickelte die Restaurantchefin daraufhin ein Konzept, das Thema anzugehen und die Kellnerinnen besser zu schützen.

Sie einigten sich letztendlich auf ein Farbsystem, mit dem die Mitarbeiterinnen signalisieren können, dass Restaurantgäste sie belästigen – und in welchem Schweregrad:

  • Gelb bedeutet einen anstößigen Blick oder "unheimlichen" Vibe
  • Bei Orange gab es Kommentare mit sexuellen Untertönen
  • Rot bedeutet direkte sexuelle Bemerkungen oder Berührungen

"Wenn jemand aus dem Team ein Belästigungsproblem hat, wird die Farbe mitgeteilt", sagt Wade. So heiße es dann beispielsweise, an Tisch fünf gebe es ein Gelb.

Bei Gelb könne die Kellnerin selbst entscheiden, ob sie die betroffenen Gäste weiterhin bedienen möchte oder ob der Manager übernehmen solle. Im Fall Orange werde umgehend die Managerin oder der Manager den Tisch übernehmen. Und bei Rot werden betroffene Gäste aus dem Restaurant geworfen.

Das alle geschehe ohne weitere Fragen, so Wade – und die Restaurantchefin hatte damit Erfolg, wie sie selbst sagt: "Rot ist beinahe nicht mehr existent, die grenzwertigsten Gäste scheinen schon bei Gelb oder Orange ausgebremst zu werden."

Die meisten Kunden würden "das Wasser testen", bevor sie eine Kellnerin offen sexuell belästigten – und Frauen hätten einen sechsten Sinn, wenn es um ungewollte Aufmerksamkeit gehe.

Das System funktioniere auch, weil es elegant sei, glaubt Chefin Wade: "Es nimmt den Managern schwierige Entscheidungen ab über Situationen, welche für diese möglicherweise nicht bedrohend erscheinen." Das System erkenne die Verschiedenheiten in der Art, wie Männer und Frauen die Welt wahrnehmen an – während gleichzeitig ein sicherer Arbeitsplatz geschaffen werde.


Gerechtigkeit

In Essen sollen Kameras Verbrechen verringern. Funktioniert das?

11.06.2018, 10:33 · Aktualisiert: 11.06.2018, 10:46

Der Rheinische Platz in Essen: Ahornbäume, durch eine Brunnenanlage plätscherndes Wasser, Kirche mit Glockenturm. Graffitis an Mauern und Wänden erinnern an Ruhrpott. Der Platz ist zentral gelegen, Uni-nah, gut angebunden. Ein beliebter sozialer Treffpunkt ist dieser Ort trotzdem nicht. Im Gegenteil: Er ist das, was man im Polizeijargon einen "kriminogenen Ort" nennt. Ein Brennpunkt, an dem außergewöhnlich viele Straftaten begangen werden, vor allem Drogen- und Raubdelikte. 

"Aufgrund seiner Lage und Unübersichtlichkeit hat sich der Rheinische Platz zu einem Schauplatz der Straßenkriminalität entwickelt", sagt Detlev Köbbel, Leiter der Direktion "Gefahrenabwehr und Einsatz" der Polizei Essen. Das Problem ist seit Jahren bekannt, lange ließ es sich nicht eindämmen.