Gerechtigkeit

Sexuelle Belästigung in Clubs: So rüttelt eine Frau aus Jena die Szene auf

12.01.2017, 08:36 · Aktualisiert: 12.01.2017, 10:06

In einem offenen Brief schreibt Alina von ihren Erlebnissen

Auf der Party im Club in Jena ist dieser Typ. Tanzfläche. Sie ist erst 16. Er wird aufdringlich, kommt näher. Plötzlich küsst er sie einfach – ohne, dass sie es will.

So erzählt Alina Sonnefeld, heute 19 Jahre alt, es später. "Das war mein erstes Club-Erlebnis", sagt sie. Doch auch auf den kommenden Partys, die sie besucht, auf denen sie feiert, sei es wieder und wieder passiert: Typen seien übergriffig geworden, hätten sie belästigt.

Beim Tanzen habe ihr mal jemand einfach an den Po gegriffen, ein anderer an die Brüste. Auf der nächsten Party habe einer ohne jeden Zusammenhang versucht, seine Lippen auf ihre zu drücken.

Lange habe sie gedacht, das sei normal, sagt Alina. Sie habe selten auf die Belästigungen reagiert, habe sich meist einfach umgedreht und sei weggegangen.

Belästigungen auf Partys: Alina will, dass das aufhört (Bild: Flickr / Matsukin/cc by)

Schon bald geht sie nicht mehr ohne eine männliche Begleitung aus, so erzählt sie es. Doch erst im Laufe der Jahre realisiert sie, wie extrem die wiederkehrenden Erlebnisse sind. Mit Freundinnen spricht sie darüber – und die sagen ihr, dass sie das Gleiche erleben.

Auch junge Frauen – und so mancher Mann – aus anderen Teilen Deutschlands werden diese Situationen kennen, in denen sie plötzlich, im Gedränge, auf der Tanzfläche eine Hand am Hintern haben. Oft wissen sie nicht mal, zu wem sie gehört. Wen sollten sie anschreien im lauten Club – sofern sie sich das überhaupt trauen? Über wen sollten sie sich beschweren? Wie sollten sie es beweisen?

Alina will, dass das aufhört.

Zu Beginn dieses Jahres schreibt die Abiturientin einen Brief, adressiert an zehn Clubs in Jena, darunter der "Rosenkeller" und das "Kassablanca" ("Ostthüringer Zeitung"). "Die Clubs, in die ich immer gern gegangen bin und in denen es immer wieder solche Vorfälle gab" sagt Alina.

In dem Brief findet Alina klare Worte:

"Es darf nicht sein, dass 16-jährige Mädchen, die das erste Mal mit Muttizettel ausgehen, von hinten angetanzt, angefasst und ohne ihr Zutun geküsst werden und denken, dass das normal ist", steht darin. Und weiter: "Ist es nämlich nicht. Das ist scheiße", schreibt Alina.

Sie wolle Männer nicht über einen Kamm scheren oder die Clubs angreifen. Sie wolle eine Diskussion. "Ich habe gedacht, dass nur ich belästigt werde, dass das ein individuelles Problem ist", sagt Alina zu bento.

Mit ihr unterzeichnen auch andere Frauen den Brief, zuvor hatte sie mit ihnen über das Problem gesprochen. Insgesamt sind es sechs weitere, alle sind Alinas Freundinnen.

Kurze Zeit später zeigen die Worte der Frauen Wirkung.

Belästigungen auf Partys: Muss ich die Tanzfläche immer im Blick haben? (Bild: Flickr / Derek Tam/cc by-sa)

Zuerst meldet sich der Club "Kassablanca" bei Alina. Das Problem sei bekannt, man wolle daran arbeiten, habe man ihr in einem persönlichen Treffen mitgeteilt, sagt Alina. Auch von den meisten anderen Clubs bekommt sie eine Rückmeldung.

"Die Initiatorinnen sind bei uns auf ein offenes Ohr gestoßen", sagt Andreas Münkwitz vom "Rosenkeller" zu bento. "Das geschilderte Problem besteht in unserer Gesellschaft und somit leider auch bei uns im Club und wird immer wieder von uns thematisiert."

Später habe sich auch ein Vertreter der Stadt Jena bei ihr gemeldet, sagt Alina. Dieser habe angekündigt, eine Arbeitsgruppe einrichten zu wollen, die sich um das Problem kümmern soll.

Und du? Was denkst du?

"Es kommt gut an, dass ich auch mit meinem Gesicht für den Brief stehe – und nicht anonym bleibe", sagt Alina. Trotzdem: Ihre Erlebnisse, ihr Brief – all das wirft Fragen auf.

Können junge Frauen nicht mehr in Clubs feiern, ohne begrapscht zu werden? Muss man ständig aufpassen, die Leute auf der Tanzfläche im Blick haben?

Wenn Frauen sich aufreizend kleiden, seien sie selbst Schuld, wenn Männer aufdringlich werden, das schreiben Kommentatoren unter Artikel, in denen es um Alinas Brief geht.

"Genau das sind die Reaktionen, vor denen ich vor der Veröffentlichung des Briefes Angst hatte", sagt Alina. Deswegen habe sie in den Clubs auch nie den Sicherheitsdienst gerufen, wenn jemand ihr zu nah kam: Aus Angst, dass man ihr nicht glauben würde, sagt Alina.

"Eine große Hilfe ist es, wenn sich Gäste bei Problemen direkt an uns wenden und uns auf Störenfriede aufmerksam machen", sagt Andreas Münkwitz vom "Rosenkeller". "Wir greifen ein. Und wir verhängen für entsprechende Gäste auch ein Hausverbot."

Belästigungen auf Partys: "Das ist scheiße", sagt Alina

Belästigungen auf Partys: "Das ist scheiße", sagt Alina (Bild: Flickr / Matsukin/cc by)

Und wie geht es weiter?

Alina habe bereits konkrete Schritte im Kopf: In ihrem Brief schlägt sie vor, Plakate aufzuhängen, die "das Bewusstsein für sexuelle Gewalt schärfen". Und sie wünscht sich, dass es "Awareness Teams" in Jena gibt, direkte Ansprechpartner in Clubs, die auch schon in anderen Städten aktiv sind.

Das "Kassablanca" will das aufgreifen – und ebenso der "Rosenkeller", sagt Andreas Münkwitz: "Ziel ist es, ein Klima zu schaffen, in dem sich alle sicher fühlen."


Gerechtigkeit

Wir haben Donald Trumps Pressekonferenz geschaut, damit du es nicht musst

11.01.2017, 19:25 · Aktualisiert: 12.01.2017, 14:12

"That's something that Nazi Germany would have done."

Donald Trump hat seine erste Pressekonferenz seit Juli gehalten. Es war keine normale Pressekonferenz.

Der künftige US-Präsident maßregelte einen Reporter, beleidigte Medienorganisationen und verglich die amerikanischen Geheimdienste mit Nazis.

Manchmal musste man auch ganz genau hinhören, um aus Trumps Sätzen so etwas wie einen Sinn herauszuhören.

Hier sind die sieben wichtigsten Szenen und Aussagen: