Gerechtigkeit

Warum ein Verbot von sexualisierter Werbung Unsinn ist

11.04.2016, 18:49 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:30

Freiheit der Werbung!

Bundesjustizminister Heiko Maas will geschlechterdiskriminierende Werbung verbieten. Das berichtet der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe. Keine durchtrainierten und verschwitzten Bauarbeiter mehr, die Cola trinken? Oder großbusige Frauen an der Litfaßsäule mit einem Spruch?

Männer und Frauen als Sexobjekte sollen der Vergangenheit angehören. Ein Entwurf zur Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb soll bald von der Regierung beraten werden. Das Vorhaben ist eine Reaktion auf die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln. Ziel ist ein "modernes Geschlechterbild" in Deutschland.

Ja, Stereotype sollten der Vergangenheit angehören. Auch ein Mann gehört auf Staubsaugerwerbung und Frauen mit Bohrmaschinen auf Baumarkt-Plakate. Aber Äußerlichkeiten, also ob die Frau figurbetont angezogen ist oder der Mann besonders durchtrainiert ist, hat im Grunde nichts mit unserer Vorstellung von Gleichberechtigung zu tun. Wo fangen Stereotype an und wo hören sie auf? Diese Frage wird sich nie eindeutig beantworten lassen – erst recht nicht in einem Gesetzestext.

Ein Werbeverbot ist bestimmt nicht der richtige Weg, um verstaubten Geschlechterbildern beizukommen. Diese herrschen vielleicht noch bei älteren Herren in Werbeagenturen und Marketingabteilungen vor, aber sicherlich nicht mehr bei Schülern, Azubis und Studenten. Die Werbetreibenden merken auch selbst, dass sie junge, moderne Menschen nicht mehr mit Busenbildern für ein Produkt begeistern können.

Ebenso wie die Presse muss auch die Werbung frei sein. Einen Werberat gibt es schließlich, der selbst reguliert, was geht und was nicht. Die Justiz sollte sich dabei nicht einmischen. Es braucht fortschrittliche Werbung und kein Gesetz.

Für die Überfälle auf Frauen in der Silvesternacht ist bestimmt keine sexistische Werbung verantwortlich. Das frauenverachtende Bild der mutmaßlichen Täter wird durch ihre Erziehung geprägt, nicht durch Werbung. Wenn Eltern, Freunde und Lehrer sich stark machen, haben sexistische Vorstellungen in unseren Köpfen keine Chance. Natürlich prägt Werbung uns auch unbewusst. Aber dass Frauen angegrabscht und belästigt werden dürfen, vermittelt sie sicherlich nicht.

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11.04.2016, 18:21 · Aktualisiert: 18.05.2016, 18:57

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