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14.07.2018, 16:22

Rund 1500 Menschen demonstrieren in Hamburg – wir waren dabei.

Freitagabend in Hamburg, kurz vor St. Pauli: Bass zerreißt die Stille. Tausende Menschen laufen hinter einem Lautsprecherwagen. In die Luft halten die Menschen Schilder. "Seebrücke statt Seehofer" steht auf einem. "Wenn wir anfangen, uns vor Rettern zu schützen, gibt es nichts mehr zu schützen", auf einem anderen. Einige tragen orange Rettungswesten.

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1442 Menschen sind in diesem Jahr im Mittelmeer ertrunken (IOM). Währenddessen liegen die Schiffe der privaten Seenotretter weiter in den europäischen Häfen, sie dürfen nicht auslaufen. Die Wochenzeitung "Die Zeit" diskutiert, ob die privaten Retter das Retten nicht lieber sein lassen sollten. Innenminister Horst Seehofer (CSU) nennt sie einen "Shuttle-Service".

Dagegen demonstrieren an diesem Freitag in Hamburg die Protestler. Aufgerufen zu der Demo hatte das Bündnis Seebrücke. Die Initiative entstand spontan, als das Flüchtlingshilfsschiff "Lifeline" mit 234 Menschen an Bord am Einlaufen in einen Hafen gehindert worden war (mehr dazu bei bento).

Wir haben die Demonstrierenden gefragt, wie sie Debatte der letzten Tage erlebt haben – und was sie Horst Seehofer gerne sagen würden. Ihre Antworten siehst du oben im Video.

Carlotta und Mattea sind selbst auf Rettungsbooten mitgefahren. Was sie erlebt haben, liest du hier:

Mattea, 26

(Bild: bento/Steffen Lüdke)

Ich bin im Mai für Sea Watch als eine Art Übersetzerin mitgefahren, war dort für die Kommunikation zwischen dem Boot in Not und unserem Schiff zuständig. Über die Debatte in den letzten Tagen bin ich schockiert.

Irgendwann habe ich gemerkt – Moment mal – die reden ja über Leute wie mich.

Ich kann da kaum Worte für finden, es ist einfach unmenschlich und unmöglich.

Ich freue mich, dass so viele Menschen hier sind und ihren Mund aufmachen. Das ist super wichtig. Aber das größte Problem ist, dass wir nicht draußen auf dem Wasser sind. Dafür sind wir trainiert. Dieses Kernproblem müssen wir lösen.

An einen Moment auf dem Schiff muss ich immer wieder zurückdenken. Wir waren mit 462 Menschen an Bord des Rettungsschiffes. Irgendwann habe ich auf meine Füße geguckt, ich hatte Schuhe an. Alle anderen waren barfuß. Das war für mich ein schreckliches Bild und etwas Unmenschliches.

Carlotta, 24

(Bild: bento/Steffen Lüdke)

Ich war gerade selber auf einem Rettungsschiff, der "Seefuchs" von Sea Watch. Nach nur einer Woche mussten wir unsere Mission abbrechen, weil wir ein Problem mit der Registrierung unserer Flagge hatten. Gleichzeitig hatten wir aber erfahren, dass viele Flüchtlingsboote rausgefahren sind. Dieser Moment der Entscheidung, trotzdem zurückfahren zu müssen, war einer der härtesten, er beschäftigt mich jetzt noch.

Ich war auch dabei, als der Kapitän der "Lifeline" auf Malta vor Gericht gestellt wurde, um ihn zu unterstützen. Die italienischen Behörden hatten uns angedroht, dass unsere Boote festgesetzt wird, sobald wir einlaufen. Von daher waren wir zumindest darauf vorbereitet. Dass es jetzt tatsächlich so weit gekommen ist, war trotzdem skurril.

Wir wollten eigentlich draußen sein, Menschen retten. Stattdessen standen wir plötzlich in einem Gerichtssaal.
Carlotta

Horst Seehofer sollte selbst mal auf einem Boot mitfahren, den Kindern in die Augen gucken, die dort gerade mit dem Leben davonkommen oder eben auch nicht. Und dann soll er ihnen sagen, dass sie kein Recht aufs Überleben haben, dass sie dort ertrinken sollen.

Die letzten Monate auf Malta haben wir in einer Art kleinen Blase gekämpft. Hier sehe ich, dass viele Menschen hinter uns stehen. Das gibt mir Hoffnung. Sobald ich Zeit habe, würde ich sofort wieder rausfahren. Aufgeben kommt nicht in Frage.


Sport

Warum es nicht gegen Sexismus im Fußball helfen wird, Nahaufnahmen von Fans zu verbieten

14.07.2018, 16:08

Das ist Augenwischerei.

An diesem Wochenende finden die zwei letzten Spiele der Fußball-WM 2018 statt. Fans auf der ganzen Welt fiebern dann mit – vor Ort sein können jedoch die wenigsten. Zum Glück gibt es ja Fernsehübertragungen. Bei denen fühlt es sich zumindest fast so an, als wäre man live dabei.

Dafür sorgen nicht nur Aufnahmen des Feldes und der Spieler, sondern auch Aufnahmen aus der Fankurve: Zuschauer und Zuschauerinnen mit verrückten Kostümen, die die Hände über dem Kopf zusammenschlagen oder tanzen vor Freude.