Bild: Ritz Carlton

Gerechtigkeit

Saudi-Arabien macht ein 5-Sterne-Hotel zum Gefängnis

08.11.2017, 14:18 · Aktualisiert: 08.11.2017, 14:19

Die halbe Ex-Regierung ist bereits Gast.

Das Ritz-Carlton im saudischen Riad sorgt sich um seine Gäste. Es gibt ein "Herren-Spa", ein "prunkvolles" Hallenbad, königliche Suiten – kurzum: "puren Luxus". Auf der Homepage schreibt das Hotel:

In unserem 5-Sterne-Hotel finden Sie die ersehnte Ruhe.
Ritz-Carlton-Hotel Riad

Tatsächlich dürften die Hotelgäste derzeit alles andere als ruhig sein – denn das Hotel in der Hauptstadt von Saudi-Arabien ist seit Kurzem ein Gefängnis.

Der saudische König hat am Wochenende Dutzende Minister und Prinzen seiner Regierung verhaften lassen, jetzt werden sie im Luxushotel eingesperrt.

Binnen weniger Stunden wurde das Hotel zweckentfremdet (New York Times).

  • Die bisherigen Hotelgäste mussten bis Samstag 23 Uhr ihre Zimmer "wegen unvorhergesehener Umstände" räumen.
  • Jetzt ist es bis weit in den Dezember hinein "ausgebucht".
  • Die Rezeption ist telefonisch nicht mehr erreichbar, die Leitung ins "Ritz Carlton" tot.

Aus dem Inneren wurde ein Video geleakt. Es zeigt mehrere Verhaftete, die auf Decken im Ballsaal liegen. Wachen haben Kalaschnikows dabei:

Warum wurden die Regierungsmitglieder festgenommen?

Offiziell geht es um Korruption. "Einige schwache Seelen" hätten ihre Interessen über die Interessen der Öffentlichkeit gestellt, "um illegal Gelder anzuhäufen", heißt es in einer offiziellen Erklärung des Königshauses. Insgesamt wurden elf Prinzen, vier amtierende Minister und Dutzende frühere Regierungsmitglieder festgenommen.

Tatsächlich sind die Verhaftungen ein heimlicher Putsch: Der 81-jährige König Salman arbeitet mit seinem 32-jährigen Sohn Mohammed bin Salman zusammen. Dieser hat längst die wichtigsten Geschäfte in Saudi-Arabien übernommen, gilt als neuer starker Mann.

Mit der Säuberungswelle haben die beiden Gegner aus ihrer eigenen Familie kalt gestellt.

Nun wird sich zeigen, in welche Richtung sich das erzkonservative Königreich entwickelt.

  • Der ehrgeizige Mohammed bin Salman hat die strengen Frauengesetze gelockert und verspricht eine Öffnung des Landes.
  • Gleichzeitig führt er im Jemen Krieg und hetzt mit populistischen Parolen gegen den saudischen Erzfeind Iran.
  • Dem Iran wirft er vor, Rebellen im Jemen mit Raketen auszurüsten. Das sunnitische Saudi-Arabien und der schiitische Iran kämpfen indirekt in mehreren Konflikten in der Region gegeneinander – unter anderem im Jemen, im Irak, in Syrien und in Afghanistan.

Erst am Wochenende war aus dem Jemen eine Rakete ins benachbarte Saudi-Arabien abgefeuert worden. Am Dienstag warf das saudische Königshaus dann Iran erstmals einen "kriegerischen Akt" vor. Durch solche Rhetorik kann sich Mohammed bin Salman in Saudi-Arabien beliebt machen; gleichzeitig heizt er damit die Konflikte in der Region an.

Hier erfährst du mehr über ihn:


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Endlich: Berlin baut geschützte und gut sichtbare Radwege

08.11.2017, 14:05

Man kann sich über die zugeparkten, versperrten und teilweise unbefahrbaren Radwege in Berlin einfach lustig machen – wenn man davon nicht selbst betroffen ist. In der Hauptstadt gibt es genug Twitter-affine Radler, die nur zu gerne Bilder von den dreisten Autofahrern und Fußgängern auf ihren Wegen machen. 

Gar nicht mehr witzig ist das aber, wenn man erfährt, dass jedes Jahr viele Fahrradfahrer im Berliner Straßenverkehr ihr Leben verlieren.