Bild: dpa/Kay Nietfeld

Gerechtigkeit

Kleiner Putsch in Saudi-Arabien: Warum Dutzende Minister gefeuert wurden

05.11.2017, 14:58 · Aktualisiert: 05.11.2017, 16:57

Im erzkonservativen Königreich Saudi-Arabien hat in der Nacht zum Sonntag ein sanfter Putsch stattgefunden. König Salman ibn Abd al-Aziz hat per Dekret zahlreiche Minister, Prinzen und ranghohe Militärs gefeuert, darunter den Wirtschaftsminister und führende Kommandeure der Marine. Das berichtete die saudische Presseagentur SPA.

Seit längerem befindet sich Saudi-Arabien im Umbruch – vorangetrieben von Königssohn Mohammend bin Salman, kurz "MbS". Die Entlassungswelle ist nun sein bislang größter Coup.

  • Wie wurden die Entlassungen begründet?

In einer offiziellen Erklärung hieß es, "einige schwache Seelen" hätten ihre Interessen über die Interessen der Öffentlichkeit gestellt, "um illegal Gelder anzuhäufen". Es geht also darum, Korruption zu bekämpfen. Elf Prinzen, vier amtierende Minister sowie mehrere Dutzend ehemalige Minister sollen festgenommen worden seien (Al-Arabija, auf Arabisch).

König Salman hat zugleich ein Anti-Korruptions-Komitee gegründet. Geführt wird es von seinem Sohn Mohammed bin Salman.

  • Was steckt eigentlich dahinter?

In Saudi-Arabien tobt seit längerem ein Machtkampf um die Thronfolge. Bislang waren die Kinder des Staatsgründers Abd al-Aziz Al Saud an der Macht – heute alles selber Greise. Nun strebt der 32-jährige MbS aus der Enkel-Generation nach dem Thron.

Er ist ein knallharter Populist und will das Land nach seinen Vorstellungen modernisieren. Dafür legt er sich sowohl mit älteren Familienmitgliedern als auch mit den Religionswächtern des Landes an, den Wahhabiten. Sein Vater, der aktuelle König, unterstützt MbS.

  • Wie geht es weiter?

König Salman hat MbS umfangreiche Befugnisse eingeräumt. Der Kronprinz ist nun die rechte Hand des Königs – und im Gegensatz zu dem 81-Jährigen längst der heimliche Herrscher im Land.

Die Zukunft wird zeigen, was MbS mit dieser Macht anfängt. Offiziell verkündet der Millennial, Saudi-Arabien toleranter zu machen und dem Tourismus zu öffnen. Tatsächlich wurden in den vergangenen Monaten mehrere harsche Frauengesetze abgeschafft oder gelockert.


Today

Kataloniens Puigdemont stellt sich endlich der Polizei

05.11.2017, 14:49

Kataloniens Ex-Regierungschef Carles Puigdemont hat aufgegeben – und sich in Belgien der Polizei gestellt. Mit ihm stellten sich auch vier Ex-Minister, teilte die belgische Staatsanwaltschaft in Brüssel am Sonntag mit. (SPIEGEL ONLINE)

Alle fünf waren vergangene Woche aus Spanien abgereist, um einer Verhaftung durch spanische Behörden zu entgehen. Nun drohen ihnen lange Haftstrafen.