Gerechtigkeit

Saudi-Arabien hat jetzt einen Mädchenrat. Warum zeigt das Foto dazu nur bärtige Männer?

15.03.2017, 12:46 · Aktualisiert: 15.03.2017, 15:45

Saudi-Arabien ist nun wirklich kein allzu frauenfreundliches Land. Frauen müssen sich komplett bedecken, dürfen nicht Auto fahren und nicht ohne Erlaubnis eines Mannes verreisen (bento). Die Regierung gründet all diese Gesetze auf islamischen Regeln – auch wenn sich im Koran solch explizite Verbote gar nicht finden lassen.

Nun hat Saudi-Arabien erstmals einen regionalen Mädchenrat ins Leben gerufen. Das Gremium soll dabei helfen, dass "die Stimme" der Mädchen im Land gehört wird – allerdings "im Einklang mit islamischem Recht". Das gab die saudische Nachrichtenagentur SPA bereits am Sonntag bekannt. Dazu gab es ein offizielles Foto der feierlichen Eröffnung, das nun im Netz heftig diskutiert wird.

Denn im Mädchenrat sitzen 13 bärtige Männer – und 0 Mädchen:

(Bild: Twitter)

Die Männer tragen die Dschalabija, ein traditionelles saudisches Gewand. Auf der Tafel hinter ihnen steht "Erstes Treffen für den Mädchenrat".

Auf Twitter belächeln viele dieses Bild. Das sind die Reaktionen:

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Allerdings stimmt nicht ganz, was behauptet wird – das Bild ist in der Form ein Fake.

  • Es zeigt nicht den Mädchenrat – sondern Abgesandte, die zur Eröffnung geladen waren, darunter der saudische Prinz Faisal bin Mishaal bin Saud bin Abdulaziz.
  • Es ist auch kein Rat, der für ganz Saudi-Arabien gilt, sondern nur für die Provinz Qassim.
  • Der eigentliche Rat besteht aus 39 Mitgliedern – alle Frauen. Vorsitzende ist Prinzessin Abir bint Salman ("Al-Riyadh", auf Arabisch).

Das steckt wirklich dahinter:

Auf Twitter wurde die Botschaft des vermeintlichen Altmänner-Mädchenrates vor allem von Anhängern des syrischen Regimes verbreitet.

In Syrien tobt seit sechs Jahren ein schrecklicher Bürgerkrieg – und Saudi-Arabien liefert Waffen. Beobachter werfen dem Königreich auch vor, islamistische Terroristen im Kampf gegen die syrische Regierung zu unterstützen.

Der Tenor der Unterstützer Syriens ist daher: Von einem Land, dass so mit Frauenrechten umgeht, muss Syrien nicht "befreit" werden. Die Aussage stimmt vollkommen. Nur ist es dabei fehl am Platz, sich über den Mädchenrat lustig zu machen.

Wie Niqab und Burka im Islam bewertet werden

Im Islam gilt es als gotteswürdig, sich nicht zu sehr zu entblößen, das gilt für Männer und Frauen. Tatsächlich empfiehlt der Koran aber Frauen nur eine einfache Kopfbedeckung – nicht, wie viel sie verhüllen sollen. Über die Jahrhunderte haben sich in muslimisch geprägten Ländern so sehr unterschiedliche Kleidervorschriften entwickelt.

Die konservativsten Formen sind die Burka in Pakistan und Afghanistan sowie der Niqab in Saudi-Arabien und im Jemen. Beide sind eher moderne Erscheinungen. In früheren Jahrhunderten waren sie kaum verbreitet, viele muslimisch geprägte Länder verbieten heute sogar Vollverschleierung in öffentlichen Einrichtungen.

Auch wenn sich Muslima aus freien Stücken für die Vollverschleierung entscheiden – viele tragen sie auch unter gesellschaftlichem Zwang. Besonders in Saudi-Arabien gilt eine konservative bis extremistische Auslegung des Koran. Viele Gläubige begreifen daher die Vollverschleierung als Gottesgebot.

Wie will Saudi-Arabien die Situation von Frauen verbessern?

Der Rat der Mädchen ist eine neue Institution, die im Rahmen eines gesellschaftlichen Reformversuches der Regierung ins Leben gerufen wurde. Im vergangenen Jahr präsentierte der Vize-Kronprinz Mohammad Bin Salman die "Vision 2030", die das Königreich modernisieren soll (BBC).

Zu der Vision gehört, Unternehmen ins Land zu holen und die Start-up-Szene zu fördern. Bisher verlässt sich Saudi-Arabien fast komplett auf Einnahmen aus Ölverkäufen. Doch das Zeitalter des Öls ist bald vorbei.

Außerdem sollen mehr Frauen Arbeitsplätze finden – bisher bleiben viele als Hausfrau zu Hause. Allein in den kommenden drei Jahren sollen mehr als 140.000 Jobs für Frauen geschaffen werden ("Arab News").

Dass sich im Land was tut, merkt man schon jetzt. Im saudischen Netz machen Frauen immer wieder mit witzigen und provokanten Aktionen auf sich aufmerksam, fordern ein Ende des Fahrverbotes oder politische Teilhabe. Zum Beispiel auch mit diesem viralen Video:

Prinz Faisal, der zur Eröffnung des neuen Mädchenrates anwesend war, betonte, Frauen seien "das Fundament unserer Gesellschaft". Und da sie immerhin die Hälfte der Bevölkerung stellen, sollen sie nun auch in dem neuen Rat gehört werden ("Al-Riyadh", auf Arabisch).

Also ist alles gut?

Nein, noch lange nicht. Die Pläne sind nur ein Versprechen und der Rat nur ein erster kleiner Schritt. Und auch wenn das Bild nicht den Mädchenrat zeigt – trotzdem spiegelt es wider, was in Saudi-Arabien schief läuft.

Denn in der Öffentlichkeit werden Frauen und Männer streng getrennt. Und auch die Medien bilden entsprechend nur die "männliche" Wirklichkeit ab. Die Frauen, die also bei der Eröffnung anwesend waren, saßen in einem extra Zimmer und führten ihre eigenen Diskussionen. Prinz Faisals Worte hörten sie über eine Videoleinwand.

Bis zum tatsächlichen Dialog – und einer wirklichen Gleichberechtigung von Frauen in Saudi-Arabien – ist es noch ein weiter Weg.

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