Bild: Thomas Frey / dpa

Gerechtigkeit

Muslime demonstrieren nicht? Der Rock am Ring-Veranstalter sollte sich entschuldigen!

03.06.2017, 12:23 · Aktualisiert: 03.06.2017, 17:28

Das Festival wird fortgesetzt, aber Marek Lieberbergs absurde Wutrede bleibt hängen

Es war ein Abend der Sorge, ein Abend der Angst: Sollte Rock am Ring, das größte Musikfestival Deutschlands, Ziel eines terroristischen Anschlags werden? Am Freitag hielt die Polizei das für möglich. 

Sie unterbrach das Festival wegen Terrorgefahr, die 86.000 Besucher mussten das Gelände verlassen.

Das nahmen sie gelassen, liefen zurück zum Zeltplatz, sangen "Terror ist scheiße" und "You'll never walk alone" und verbrachten die Nacht friedlich.

Am Samstagmorgen dann die Entwarnung: Das Festival geht weiter.

Das ist die Nachricht, auf die alle Rock am Ring Fans warten. Nach intensiven Durchsuchungen des gesamten Festivalgelä...

Posted by Rock am Ring on Saturday, June 3, 2017

Die Polizei nahm zunächst drei Menschen vorläufig fest, die Zugang zum Gelände hatten – auch zu "sicherheitsrelevanten Bereichen", teilte die Koblenzer Polizei mit. Sie gehören laut Polizei zur hessischen Salafistenszene. Einer von ihnen soll einen Backstage-Pass auf einen falschen Namen gehabt haben. Inzwischen sind sie wieder frei: kein konkreter Tatverdacht.

Damit könnte die Geschichte vorbei sein – wenn da nicht die Wutrede des Veranstalters gewesen wäre, von Marek Lieberberg.

Am Freitagabend hatte Lieberberg den Abbruch seines Festivals erbost vor Journalisten kommentiert:

  • Obwohl die Ermittlungen der Polizei zu diesem Zeitpunkt noch andauerten, meckerte er über die Arbeit der Beamten. Die bräuchten zu lange, um das Festivalgelände wieder für sicher zu erklären.
  • Natürlich sei ihm die Unversehrtheit der Besucher am wichtigsten. Doch Lieberberg sagte, er habe das Gefühl, "dass wir die Prügelknaben für eine Situation sind, die wir nicht verschuldet haben".
  • Bereits jetzt vermutete er hinter den Bedrohungen Islamisten. "Wir zahlen den Preis für den Skandal um Amri", sagte er in Anspielung auf Behördenversäumnisse vor dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz.
  • Seine Wutrede gipfelte in einem Appell. Wörtlich sagte er:
"Ich bin der Meinung, es muss jetzt Schluss sein mit This is not my Islam and this is not my Shit and this is not my whatever. Jetzt ist der Moment, wo jeder sich dagegen artikulieren muss. Ich möchte endlich mal Demos sehen, die sich gegen diese Gewalttäter richten. Ich habe bisher noch keine Moslems gesehen, die zu Zehntausenden auf die Straße gegangen sind und gefragt haben: 'Was macht ihr da eigentlich?!'"

Okay, Lieberberg stand unter enormen Druck. 

So viele Festival-Besucher. Weltklasse-Musiker. Und dann das!

Aber der pauschale Angriff auf Muslime ist völliger Unsinn.

Seit es Terroranschläge gibt, demonstrieren Menschen weltweit dagegen – Menschen vieler verschiedener Religionen, auch Muslime.

Nach islamistischen Anschlägen gehen sie oft geschlossen und in eigens organisierten Protesten auf die Straße, um davor zu warnen, Muslime pauschal mit Attentätern in Verbindung zu bringen.

Lieberberg bei seinem Gespräch mit Journalisten

Lieberberg bei seinem Gespräch mit Journalisten (Bild: Thomas Frey / dpa)

Wo war Lieberberg, als Muslime nach dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz gegen Terrorismus und Missbrauch des Korans demonstrierten? Auf ihren Pappschildern stand: "Ich bin Muslim, kein Terrorist." (bento)

Wo war Lieberberg, als Muslime im vergangenen Jahr in Paris gegen den Hass demonstrierten und dem französischen Paar gedachten, das von einem Islamisten ermordet worden war? (Zeit Online

Wo war er, als Muslime gegen Brandanschläge auf Moscheen in Deutschland demonstrierten, gegen Hass und Gewalt in ihrer Religion, für einen friedlichen Umgang miteinander? (Welt)

Oder, als muslimische Verbände sich im Jahr 2014 bei einem Aktionstag gegen Extremismus richteten? (Bundesregierung)

Die Liste von Demonstrationen gegen Terror und Hass, an denen sich Muslime beteiligten oder die von Muslimen organisiert wurden, ist lang. 

Sogar, wenn es gar keinen Anschlag gab – oder keine Gefahr – setzen sie sich kritisch mit dem Thema Islamismus auseinander, zum Beispiel in diesem Anti-Islamisten-Video.

All das hat Marek Lieberberg bei seinem Ausraster vergessen. Dafür ist eine Entschuldigung fällig.


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Streaming

Warum wir "Sense8" jetzt schon vermissen

02.06.2017, 18:05 · Aktualisiert: 02.06.2017, 19:34

Netflix beendet unsere Lieblingsserie

Was hat sich Netflix dabei nur gedacht: Am 5. Mai erst ging die zweite Staffel von "Sense8" online. Und jetzt verkündet das Unternehmen überraschend: die Serie wird abgesetzt. (tvshowpatrol.com)

In "Sense8" finden acht Menschen aus verschiedenen Ländern und Schichten, mit unterschiedlichen Ethnien, sexuellen Identitäten und Orientierungen heraus, dass sie mental und emotional miteinander verbunden und sogenannte "Sensates" sind. Geschrieben wurde die Serie unter anderem von Lana und Lilly Wachowski, die mit "The Matrix" ihren Durchbruch hatten.

Cindy Holland, bei Netflix Vize-Chefin für die eigenen Produktionen, sagte: "Nach 23 Folgen, 16 Städten und 13 Ländern, kommt die Geschichte des Sense8-Clusters zum Ende." Mehr Begründung – Fehlanzeige. Sicherlich dürften aber die hohen Kosten eine Rolle bei der Entscheidung gespielt haben. (SPIEGEL ONLINE).

Wir finden das wirklich traurig. Warum wir Sense8 vermissen werden: