Gerechtigkeit

Warum wir den Generationenvertrag kündigen müssen

02.10.2017, 13:29 · Aktualisiert: 03.10.2017, 12:56

Ich glaube nicht, dass ich noch eine Rente bekomme. Soweit ich weiß, glaubt das eh niemand unter 35.

Im Moment ist es so: Zu wenige Junge zahlen für zu viele Alte. Denn die Arbeitenden finanzieren die Rentner. Das ist der Deal. Ein Deal, der bei einer schrumpfenden Gesellschaft nicht funktionieren kann. 

Deshalb müssen wir den Generationenvertrag kündigen.

Wenn wir jetzt nichts ändern, fahren wir den Sozialstaat an die Wand. 

Ich hab da keine Lust drauf. Meine Generation soll auch noch eine gesetzliche Rente erhalten. Wir brauchen ein gerechteres System. 

Eine Idee: Der Bundesfonds. Darin wird Geld aus Pflichtbeiträgen und freiwilligen Einzahlungen der Bürger angelegt. Außerdem könnte Deutschland Staatsanleihen verkaufen – also Schulden machen – und das Geld ebenfalls in den Fonds stecken.

So könnte unser Rentensystem trotz schrumpfender Bevölkerung wieder funktionieren.

Seit Jahren drehen die deutschen Regierungen nur an kleinen Schrauben im Getriebe: Mal wird das Rentenalter angehoben, mal ein "Demographischer Faktor" einberechnet, der in der nächsten Legislaturperiode wieder zurückgenommen wird.

Gänzlich falsch mögen diese Ideen nicht gewesen sein, nur langfristig wirken sie dem demographischen Wandel nicht entgegen. Sie machen das System nicht zukunftsfähig.

Was die Parteien zur Rente in ihren Wahlprogrammen sagen, haben wir zusammengefasst:


Norwegen hat bereits einen Staatsfonds, der die Rentenversicherung trägt. Er ist der größte staatliche Fonds der Welt und erfreut sich in der Bevölkerung und der Politik großen Vertrauens. Er wird durch Beitragszahlungen und sämtliche Erlöse aus der Öl-Industrie finanziert.

Klar, Deutschland ist kein Land mit so wertvollen Ressourcen wie Öl. 

Dafür sind deutsche Staatsanleihen verdammt viel wert. Der Staat könnte sich deshalb am Finanzmarkt zu günstigen Konditionen Geld leihen, um einen solchen Fonds aufzubauen.

Dieses geliehene Geld würde stückweise aus den Renditen abbezahlt. Das könnte einen schrittweisen Übergang vom aktuellen Umlagesystem hin zum Bundesfonds ermöglichen. 

Der Bundesfonds würde die gesetzliche Rente und die private Altersvorsorge in einer neuen Form vereinen. 

In ihn flössen sowohl Zahlungen der Bürger und Arbeitgeber, als auch das Geld aus dem Verkauf von Staatsanleihen ein.

Managen könnte das Ganze die Bundesbank. Sie handelt unabhängig von der Politik. Die Bundesregierung hätte keinen Zugriff auf den Fonds, sodass er nicht im Notfall für den Staatshaushalt genutzt werden könnte.

Der Bundesfonds gehört den Bürgern.

Das empfiehlt auch Giacomo Corneo, Wirtschaftswissenschaftler an der Freien Universität Berlin. Er ist der Meinung, dass die aktuellen Nullzinsen genug Stabilität bieten, um einen solchen Fonds aufzubauen ("Die Welt"). Dass auch die Zeit der Nullzinsen ein Ende haben wird, ist klar. Gerade deshalb muss man jetzt anfangen, den Fonds zu günstigen Konditionen aufzubauen.

Der eine Teil des Fonds ist der Topf für die gesetzlichen Rentenauszahlungen. Die Rendite, die aus der Anlage des Geldes abfällt, wird zu einem Teil benutzt, um die Staatsanleihen zurückzukaufen, also die zuvor gemachten Schulden abzubauen – und zum anderen, um das Bürgervermögen zu mehren. Sobald die Schulden abbezahlt sind, wächst das für Renten verfügbare Budget stetig.

Und wenn man eh schon reformiert, könnte man auch anfangen, die Rentenauszahlung sozialer zu machen. 

Zum Beispiel: Jeder erhält grundsätzlich eine Mindestrente. Zusätzliches Geld könnte es für die Länge der Arbeitszeit, für Kindererziehung oder ehrenamtliches Engagement geben. Aber: Wie viel man eingezahlt hat, wird nicht als Faktor berechnet.

Stattdessen kann man zusätzlich Geld in den privaten Topf des Bundesfonds einzahlen. Der Markt für private Altersvorsorge ist unübersichtlich und so nur für eine gebildete Schicht zugänglich. Die wenigsten haben genug Wissen und Muße, um sich mit den vielen Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Beim Bundesfonds wäre das einfacher: Professionelle Manager nähmen den Bürgern die Anlage-Entscheidung ab.

Mit einem halb-privaten Bundesfonds wird private Altersvorsorge für alle zugänglich.

Durch einen Fonds lässt sich die Rente langfristig besser finanzieren als über ein Umlagesystem. Das alte Rentensystem kann schrittweise in den Bundesfonds transformiert werden. Zum Übergang taugen die Erlöse aus dem Staatsanleihen-Verkauf. Die Beiträge könnte man bereits in fünf Jahren erheben und nach und nach damit beginnen, die Beiträge derer, die in zwanzig Jahren in Rente gehen, in den Fonds zu übertragen.

Es bleibt das Risiko, dass die Aktien weniger abwerfen, als die Rückzahlung der Anleihen beansprucht. Natürlich ist dieses System vom Finanzmarkt abhängig. Durch eine intelligente Streuung der Aktien, kann man solche Probleme aber zumindest abfedern. Und ein Problem haben wir ja mit dem bisherigen Modell auch!

Ist das realistisch?

Trotz Vorbildern wie Norwegen und Empfehlungen aus der Wissenschaft wird es einen Bundesfonds in der kommenden Legislatur wohl nicht geben. Die Grünen wollen lediglich einen staatlichen Fonds für die private Vorsorge anbieten. Es ist auch eher eine Randidee im Wahlprogramm. Ab 2021 ist und sollte dann wieder alles möglich sein. Jedes Jahr, das ohne Reformierung der Rente verschenkt wird, wird auf dem Rücken der jungen und noch kommenden Generationen ausgetragen.

Was nun?

Ich will nicht, dass meine Eltern im Alter arm sind – so, wie es ist, wird meine Generation sie kaum finanzieren können. Mir ist bewusst, dass wir den Älteren damit etwas wegnehmen.

Doch ist es nicht besser, die Idee der Rente überhaupt am Leben zu halten?

Ich möchte auch noch eine gesetzliche Rente erhalten, genau wie meine Eltern. Dafür brauchen wir aber die Möglichkeit, überhaupt etwas zu ändern – mit den Älteren an unserer Seite. 

Denn sie sind die Mehrheit in diesem Land.

Wenn sie nicht verzichten, wird es meine Generation eben nicht nur nicht besser haben als sie - sondern schlechter. Wir werden in weitaus prekäreren Lebensverhältnissen unseren Lebensabend verbringen.

Die jetzigen älteren Generationen müssen zugunsten aller mutiger sein. 

Wenn unsere Eltern wirklich wollen, dass wir ein gutes Leben haben, müssen sie sich auf etwas Neues einlassen.


Haha

Du hast keine Lust zu arbeiten? Diese Katze liefert die perfekte Ausrede

02.10.2017, 12:36 · Aktualisiert: 02.10.2017, 13:34

Nein heißt nein.

Eine ganz unerwartete "Sommergrippe", ein nervtötender "Verkehrsstau" oder ein "Wasserrohrbruch" – wenn es ums Blaumachen geht, werden viele kreativ. Aber diese Entschuldigung übertrifft sie alle: "Black cat said no". Übersetzt also: "Schwarze Katze sagt nein."

Worum geht es?

Um einen Fall in den USA. Dort wollten nämlich Wartungsarbeiter in das Haus von Twitter-Userin Ellie. Doch ihre Arbeiten konnten sie nicht durchführen – und zwar wegen einer Katze. Ihr Blick und die Krallen machten den Arbeitern wohl Angst, oder sie hatten einfach keine Lust zu arbeiten. Sie verließen die "Gefahrenzone" – ohne die Dienstleistung zu vollenden. (indy100)