Gerechtigkeit

Wir brauchen menstruationsfrei für Frauen mit Regelschmerzen

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22.09.2017, 18:53 · Aktualisiert: 22.09.2017, 18:54

Frauen menstruieren. Der Zyklus ist Teil der Fortpflanzung und sichert damit nichts Geringeres, als den Erhalt der Menschheit. Aber – und das ist jetzt ziemlich banal: Menstruieren kann auch ganz schön schmerzhaft sein. 

Das Unwohlsein während der Periode kann von Frau zu Frau ganz anders aussehen. Der Rücken tut weh, die Brust spannt, im Unterbauch krampft es, bis hin zum Erbrechen. Manche merken gar nichts, andere können an diesen Tagen nicht aufstehen. 

In Italien haben darum im März dieses Jahres vier Politikerinnen einen Gesetzentwurf eingereicht: 

Unternehmen sollen Frauen bis zu drei bezahlte freie Tage pro Monat während ihrer Menstruation geben, wenn sie denn Beschwerden haben. 

Die Beschwerden müssen mit einem ärztlichen Jahresattest nachgewiesen werden. Damit wäre dann auch das Betrugsrisiko eingegrenzt: So würden auch nur die frei bekommen, die wirklich Schmerzen haben.  

Menstruationsfrei für Frauen, die während ihrer Periode Schmerzen haben. Ich finde, wir brauchen diese Regel auch in Deutschland. 

Nach der Meldung aus Italien wurden schnell kritische Stimmen laut – sowohl von Männern als auch von Frauen.

Warum lassen Frauen sich nicht einfach krankschreiben, wenn sie Schmerzen haben?

Menstruieren ist keine chronische Krankheit.

Krankschreibungen sind für den Krankheitsfall da. Menstruieren ist aber keine chronische Krankheit. (Auch wenn dieses schreckliche Wort danach klingen mag.) Darum sollten diese Tage auch nicht als Krankheitstage der Mitarbeiterinnen gezählt werden. 

Sie sollten auch nicht als Urlaub zählen, denn mit Urlaub hat krampfend im Bett an eine Wärmflasche geklammert liegen, nichts zu tun. Es braucht eine andere Lösung. 

Was ist mit der Emanzipation?

Was hat es mit Emanzipation zu tun, wenn Frauen mit Schmerzen zur Arbeit gehen, nur um nicht als schwach zu gelten? Sollen Frauen auch zwei Wochen nach der Entbindung wieder im Büro sitzen? Nur, um Sexisten weniger "Argumente" zu liefern?

Wir sollten anfangen, weibliche Merkmale, wie Schwangerschaft und Menstruation, nicht länger als Schwäche auszulegen. Oder als Mangel an feministischem Kampfgeist, wenn frau sich denn erlaubt, körperliche Schmerzen dabei zu haben. An dieser Einstellung wird sich nichts ändern, solange wir im stillen Kämmerchen vor uns hin menstruieren, solange Bluten noch ein Tabu ist. 

(Bild: Annika Eliane Krause)

Aber was, wenn Arbeitgeber dann weniger Frauen einstellen, aus Angst vor regelmäßigen Ausfällen? Oder sie schlechter bezahlen? 

Sollen wir auch keine Kinder mehr bekommen, damit die Personalabteilungen Frauen Anfang dreißig nicht mehr pauschal verdächtigen, bald schwanger zu werden und sie deshalb seltener einstellen als Männer? (Frankfurter Rundschau)

Menstruieren gehört zum Frau sein dazu, genauso wie die Möglichkeit, Kinder in die Welt zu setzen.

Das Problem ist nicht, dass Frauen Kinder bekommen und menstruieren. Das Problem ist, dass sie dafür von den Arbeitgebern bestraft werden: Mit weniger Gehalt, mit weniger Chancen auf Jobs und auf Führungspositionen. 

Menstruieren gehört zum Frau sein dazu, genauso wie die Möglichkeit, Kinder in die Welt zu setzen. Pauschale Diskriminierung aufgrund dieser Tatsachen sollten wir weder einkalkulieren noch vorbeugen. Oder uns darunter hinwegducken, indem wir so tun, als hätten wir keine Gebärmutter. Wir menstruieren. Das kann Schmerzen mit sich bringen, die manche am Arbeiten hindern können. Dafür brauchen wir eine Lösung.   

Klar ist aber auch: Keine Frau muss sich menstruationsfrei nehmen.

Es leiden längst nicht alle unter ihrer Periode. Viele wollen und können während dieser Zeit zur Arbeit gehen. Aber diejenigen, die es nicht können, sollten die Möglichkeit haben, zu Hause zu bleiben. 

Um die Unternehmen zu entlasten, muss das Gehalt für die menstruationsfreien Tage vom Staat gezahlt werden, wie auch das Elterngeld vom Staat gezahlt wird. Der Arbeitgeber würde dadurch keine finanzielle Belastung tragen. 

(Bild: Annika Eliane Krause)

Man könnte beispielsweise auch den betroffenen Frauen das Arbeiten von zu Hause ermöglichen. Dann können sie wenigstens auf der Couch mit Wärmflasche auf den Bauch statt auf dem Bürostuhl sitzen – vorausgesetzt natürlich, sie haben einen Job, in dem das möglich ist.

In einigen asiatischen Ländern gibt es eine solche Freistellung schon lange: In Japan und Indonesien seit den 1940er Jahren, in Taiwan wurde sie 2013 eingeführt. Italien wäre das erste europäische Land, das nachziehen würde. (Die Welt)

Studien haben allerdings gezeigt, dass in den genannten Ländern viele Frauen ihr Recht auf freie Tage nicht in Anspruch nehmen – weil sie befürchten, dass ihnen die Menstruation als Zeichen von Schwäche ausgelegt wird. Weil es ihnen unangenehm ist, ihren Kollegen zu erklären, dass sie gerade bluten. Weil sie Angst vor sexueller Belästigung haben. (The Guardian)

Eine Japanerin sagte dem "Guardian":

Wenn man sich in einer Männerwelt behaupten will, dann nimmt man sich nicht menstruationsfrei, weil einem das als Schwäche auslegt werden könnte.

Doch das Problem ist nicht, dass die Periode einen schwach macht. Das Problem ist, dass wir immer noch in einer Männerwelt leben. Das muss sich ändern. Nicht, dass wir bluten, oder dabei Schmerzen haben. Und wie kann man das ändern? In dem man die Belange von Frauen mehr in den Fokus rückt und zum Thema macht. 

Weißt du eigentlich, was bei der Menstruation im Körper der Frau genau passiert? Mit diesem Quiz kannst du dein Wissen testen. 


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Unser Tipp zum Wochenende: der neue Film von Heinz Strunk

22.09.2017, 18:29 · Aktualisiert: 22.09.2017, 18:29

"Jürgen – heute wird gelebt"

Heinz Strunk hat einen neuen Film: "Jürgen – heute wird gelebt" ist eine Komödie über eine außergewöhnliche Männerfreundschaft.

Mit Herz und Humor erzählt Strunk die Geschichte von Jürgen Dose (Strunk himself) und seinem Freund Bernd Würmer (Charly Hübner) – zwei Männer, die bisher nicht so viel Glück im Leben hatten. Jürgen hat einen öden Job als Parkhaus-Pförtner, Bernd sitzt im Rollstuhl und mit den Ladies läuft's auch nicht gerade cremig.