Gerechtigkeit

Millionen Muslime feiern gerade dieses Anti-Islamisten-Video

30.05.2017, 12:23 · Aktualisiert: 30.05.2017, 12:41

Gucktipp für alle, die fordern, Muslime müssten sich endlich mal vom Terror distanzieren.

Unter jungen Menschen im Nahen Osten hat sich ein makabrer Spruch etabliert. Er drückt eine traurige Gewissheit aus: "Ramadanzeit heißt Anschlagszeit."

Zum Ramadan, dem heiligen Fastenmonat im Islam, dürfen Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen und trinken. Sie feiern die Zeit als innere Einkehr. Jeden Abend kommen sie mit Familie und Freunden zum Fastenbrechen zusammen – ganz oft teilen sie ihre Speisen mit Armen in der örtlichen Moschee (hier erfährst du mehr über Ramadan).

Terroristen passt dieses Miteinander nicht in ihre Ideologie – zu Ramadan mehren sich in vielen arabischen Ländern die Anschläge.

Vor allem, seit die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) seit 2013 in Syrien und im Irak Gebiete erobert hat, ist die Zahl der Anschläge gestiegen. Bei blutigen Angriffen sterben fast täglich Dutzende Menschen. Muslime gehören zu den häufigsten Opfern islamistischer Angriffe weltweit (Global Terrorism Database).

Vielleicht ist das der Grund, warum der Ramadan in diesem Jahr sehr politisch ist.

Im Nahen Osten geht derzeit ein Musikvideo viral, das gegen Extremisten und Attentätern ein Zeichen setzt. Im Video singen Schauspieler gegen einen Islamisten an, der sich in die Luft sprengen will. Dazwischen tauchen aber auch Menschen auf, die echte Anschläge überlebt haben – zum Beispiel die jordanische Braut, die ein Attentat auf ihre Hochzeit überlebt hat.

Dem Hass der Terroristen setzen sie im Video eine einfache Botschaft entgegen:

"Lasst uns Wahnvorstellungen mit der Wahrheit sprengen. Lasst uns Hass mit Liebe sprengen."

Das Musikvideo wurde vor Beginn des Fastenmonats am vergangenen Freitag veröffentlicht. Bis jetzt hat es bereits mehr als 2,7 Millionen Views gesammelt. Normalerweise sind Gruppen wie der IS im Netz sehr erfolgreich damit, junge Menschen zu ködern, mit aufwendig inszenierten Videos gaukeln sie Zuschauern ein "schönes" Leben im Krieg vor (bento).

Das Anti-Terror-Video setzt den Propagandabildern nun ein starkes Zeichen des Zusammenhalts und der Liebe entgegen.

Hinter dem Clip steckt ein Mobilfunkanbieter aus Kuwait, das Lied wird vom emiratischen Popstar Hussein al-Jasmi gesungen. Er erinnert den Attentäter im Video unter anderem daran, dass Mord und Selbstmord vor Gott verboten sind: "Du kommt im Namen des Todes, aber Er (gemeint ist Gott) ist der Schöpfer des Lebens."

Hier ist das Video – inklusive englischer Untertitel:

In den Kommentaren und auf Social-Media-Kanälen erfährt das Video viel Lob. Doch es gibt auch Kritik – vor allem aus Syrien. Im Video wird unter anderem der junge Omran Daqneesh von einem Schauspieler gemimt. Omrans Foto wurde im vergangenen Jahr zu einer Ikone des Syrienkrieges (bento).

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Kritiker beklagen, dass er im Video als Opfer von Islamisten dargestellt wird – obwohl er bei einem Angriff des syrischen Regimes verletzt wurde. Die Ursachen von Extremismus lägen oft auch in den arabischen Regimen, warnt die syrische Menschenrechtsaktivistin Tamara al-Rifai. "Jeder schreit gerne 'Extremismus' und 'Isis', aber keiner wagt es, die wirklichen politischen Gründe dahinter anzusprechen", sagt sie dem britischen "Guardian".

Das Video dürfe also nicht nur die muslimische Gesellschaft in die Pflicht nehmen – sondern müsse auch bei den Regierungen nachhaken, die Extremismus fördern.

Auch eine arabische Fernsehserie versucht, während des Ramadan das Thema Islamismus anzusprechen. Das Thema ist gewagt:


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