Bild: Günter Pfannmüller

Gerechtigkeit

Wie ein Paar es geschafft hat, dass Hunderte Menschen für die EU demonstrieren

07.02.2017, 17:48 · Aktualisiert: 01.03.2017, 17:12

Auf dem Sofa sitzen und einfach nur die Nachrichten verfolgen – das wollten Daniel Röder und seine Frau Sabine nicht mehr. Den Brexit und die Wahl von Donald Trump hatten die beiden eigentlich für unmöglich gehalten. Als es dann doch passierte, entschieden sie sich dazu, sich zu engagieren. Für Europa, für Toleranz, für Respekt. Mittlerweile kommen in ganz Europa Hunderte Menschen zu ihren Demos.

Wie sie das geschafft haben?

Sie schrieben Mails an ihre Bekannten, organisierten vor Weihnachten eine erste kleine Kundgebung in Frankfurt. Mittlerweile sind daraus regelmäßige Demonstrationen in der Frankfurter Innenstadt geworden, auch in Köln, Freiburg und Amsterdam gab es schon Ableger mit hunderten Teilnehmern. Hamburg und Paris werden folgen.

"Pulse of Europe" nennen die Röders ihre Bewegung.

Wir haben mit Daniel gesprochen und ihn gefragt: Was treibt Menschen an, für Europa zu demonstrieren?

Bei euren Kundgebungen können Menschen ans Mikrofon treten und ihren Ärger loswerden. Was sagen sie dann?

Bezeichnend fand ich einen Auftritt einer etwa 15- oder 16-Jährigen in Frankfurt. Sie erzählte, dass sie eigentlich recht unpolitisch sei, aber sich ein Leben ohne ein vereintes Europa nicht vorstellen könne. Die EU müsse man doch wie eine Freundschaft sehen. Man streitet sich mal, aber man trennt sich nie.

Bei uns werden viele Gefühle zum Ausdruck gebracht. Mir erzählen junge Teilnehmer, dass sie Krieg nur aus den Erzählungen ihrer Großeltern kennen. Aber nun hätten sie zum ersten Mal Angst, dass es wieder einen Krieg geben könnte.

Wir haben junge Menschen zur Brexit-Entscheidung befragt – Klick dich durch den Slider:

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Vergreift sich da manchmal jemand im Ton?

Mit Emotionen muss man umgehen, das ist ganz natürlich. Wir sind eine Bürgerbewegung, das halten wir aus. Bei uns gibt es keinen Hass oder spalterische Rhetorik. Wir sind für etwas und nicht gegen etwas – für Einheit in Europa und starke Demokratien.

Wer ist bei euren Demos dabei?

Erst kamen natürlich Freunde und Menschen aus unserem Bekanntenkreis. Ich arbeite als Anwalt und Mediator, meine Frau ist auch Mediatorin. Wir wollen aber Menschen mit ganz unterschiedlichen Berufen und jeden Alters ansprechen. An "Pulse of Europe" nehmen Alt-68er, linke Friedensaktivisten, junge Familien, Schüler teil – viele waren noch nie auf einer Demonstration.

Wir wollen parteiübergreifend arbeiten, ich bin auch nicht Mitglied in einer Partei. Wir müssen auch mit Menschen ins Gespräch kommen, die Europa kritisch sehen. Wir sind keine EU-Romantiker, wir sehen die Defizite.

Wie viel können eure Demonstrationen mit einigen Hundert Teilnehmern überhaupt erreichen?

Erst einmal finde ich es gut, dass sich viele politisch engagieren, die es sich sonst in ihrem Wohnzimmer gemütlich gemacht haben. Wir tun einfach das, was in unserer Macht steht und setzen öffentlich ein Zeichen.

In Großbritannien und den USA gingen Menschen erst nach der Brexit-Entscheidung und der Trump-Wahl auf die Straße. Wir tun das, bevor wichtige Entscheidungen anstehen. Wir wollen nicht, dass Rechtspopulisten wie Geert Wilders in den Niederlanden oder Marine Le Pen in Frankreich Erfolg haben. Beide haben ein Referendum zum Austritt aus der EU angekündigt. Auch die Bundestagswahl im Herbst kann richtungsweisend für die EU sein.

Wie geht es jetzt weiter?

Bis zum 12. März werden unsere Demonstrationen erst einmal regelmäßig stattfinden, dann sind die Wahlen in den Niederlanden. Es haben sich schon Mitglieder aus dem Europaparlament bei mir gemeldet, Gespräche mit ihnen muss ich noch führen, Medien berichten über uns. Wir werden also gesehen und gehört.

Wie kann man sich bei euch engagieren?

Es kann sich natürlich jeder Pro-Europäer melden, der in seiner Stadt eine Demonstration organisieren möchte. Bei Veranstaltungen kann man beim Bühnenaufbau helfen, Plakate verteilen oder Gadgets wie unsere blauen Armbänder verkaufen. Wir arbeiten gerade neben unserem Beruf sieben Tage die Woche für "Pulse of Europe", unser Verein wird bald eingetragen.


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Fleabag ist zynisch, unsympathisch und direkt – und trotzdem lieben wir sie

07.02.2017, 16:33

"Ich bin moralisch bankrott"

Läuft nicht so für Fleabag. Der Sex mit dem Freund ist mittelmäßig, lieber masturbiert sie zu Reden von Barack Obama oder sucht sich Seitensprünge. Ihr kleines Café in London macht Miese, weil ihre wenigen Kunden W-Lan wollen und keine teuren Kuchen. Und der Tod ihrer allerbesten Freundin macht alles noch viel schlimmer. Aber: Sie hat ein Meerschweinchen.

Die riesengroße Zynikerin, Anti-Heldin der Serie "Fleabag" auf Amazon Prime, verliert ihre einzige Vertraute und muss sich alleine durchschlagen. Verzweifelt sucht sie nach Ablenkung. Der Konflikt mit ihrer Patentante, der neuen Frau ihres verwitweten Vaters ist so eine Ablenkung. Und zufällige Bekanntschaften im Bus. Nur ihre Beziehung zum Meerschweinchen scheint einigermaßen unkompliziert.

Dass Fleabag immer sofort alles ungefiltert raushaut, was ihr in den Kopf kommt, macht sie nicht gerade sympathischer. Noch dazu spricht sie mit uns. Selbst beim Analsex kommentiert sie direkt in die Kamera.

Hier ist der Trailer: