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Gerechtigkeit

Wie ein Potsdamer Professor endlich Frauen in die Informatik bringt

10.11.2017, 14:37 · Aktualisiert: 11.11.2017, 10:41

Technik- und Informatikstudiengänge sind noch immer von Männern dominiert. An deutschen Unis sind Frauen noch immer unterrepräsentiert.

Die Uni Potsdam – und besonders Key Pousttchi, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik und Digitalisierung – zeigen, dass es auch anders geht. Ab diesem Semester wird dort ein neuer Master-Studiengang angeboten: "Wirtschaftsinformatik und Digitale Transformation". In den Vorlesungen werden aber nicht nur technik- und informatik-affine Männer sitzen.

Für das Wintersemester haben sich 41 Prozent Frauen beworben.

"Die niedrige Frauenquote in Technik- und Informatikstudiengängen ist verschenktes Potenzial", sagt Pousttchi. "Oft sind Frauen die besseren Studenten. Sie arbeiten ernsthafter und disziplinierter."

Worum geht es in dem Studiengang?

  • Ziel ist es, Inhalte der Wirtschaftsinformatik und Inhalte der Verwaltungswissenschaft und der Betriebswirtschaftslehre zu verbinden. 
  • Die Studenten fragen sich: Welche Auswirkungen hat Technik auf Wirtschaft und Gesellschaft?
  • Im ersten halben Masterjahr geht es um Grundlagen, in den Folgesemestern haben die Studenten die Freiheit, sich zu spezialisieren und einen Forschungsschwerpunkt zu wählen. 

Aber wie hat es das Potsdamer Lehrstuhl-Team geschafft, so viele Frauen zu begeistern?

"Das ist eine Leidensgeschichte, die mich an den Rand der Frustration getrieben hat", sagt Pousttchi.

Man habe Journalisten und Politiker kontaktiert. Die wenigsten hätten geantwortet. Man habe bei verschiedenen Bundesministerien angefragt, ob diese den Studiengang in den sozialen Netzwerken teilen könnten – keine Rückmeldung.

"Alle reden davon, mehr Frauen in die Informatik zu bringen. Wenn sie dann die Chance dazu bekommen, nutzen sie sie nicht", sagt Pousttchi.

Key Pousttchi in seinem Büro an der Potsdamer Uni

Key Pousttchi in seinem Büro an der Potsdamer Uni (Bild: Karla Fritze, Uni Potsdam)

Stattdessen habe man Studienbeschreibungen formuliert, sie in Studenten-Gruppen sozialer Netzwerke veröffentlicht und weiter versucht, Unterstützer zu finden. Der hohe Frauenanteil, den es nun gibt, war es wert.

Wir haben mit zwei Bewerberinnen gesprochen: Vanessa Weber und Clementine Bertheau. Warum wollen sie in diesen Studiengang?

Vanessa Weber (l.) und Clementine Bertheau

Vanessa Weber (l.) und Clementine Bertheau

Beide sagen, sie wollten verstehen, wie Menschen und Maschinen künftig zusammenwirken.

"Dass ich mich nach meinem Bachelor ausgerechnet für Wirtschaftsinformatik und Digitale Transformation im Master entschieden habe, hat besonders meine Eltern überrascht", sagt Vanessa. Ihre weiblichen Bachelor-Kommilitoninnen hätten sie unterstützt – doch: "Ich habe auch erlebt, dass ich für meine Entscheidung belächelt wurde. Wenn ein männlicher Freund sagt, dass er Wirtschaftsinformatik studiert, würde das nicht in der Form hinterfragt werden."

Ich wurde für meine Entscheidung belächelt
Vanessa Weber

Clementine kann von solchen Erfahrungen hingegen nichts berichten. "Mein Freundeskreis ist mit meiner Entscheidung sehr offen umgegangen. Da hat mich keiner komisch angeschaut."

Doch beide finden: Die Hemmschwelle, sich als Frau in einen Informatik-Studiengang einzuschreiben, sei enorm hoch. Viele hätten Angst, die Anforderungen des Studiums nicht zu erfüllen, Männer seien da schon selbstbewusster.

"Da hilft es nicht gerade, wenn bei vielen IT-Studiengängen gesagt wird, dass die Mehrheit der Frauen früher oder später aufgibt", sagt Vanessa.

Es sei schade, dass in der Schule und in den Hochschulen noch immer nicht genug um Frauen in MINT-Fächern geworben wird, meint Clementine. "Die Informatikstunden waren lange Zeit den Nerds vorbehalten. Hier sehe ich auf jeden Fall noch Potenzial!"

"Frauen, die diesen Weg einschlagen, brauchen Mut", sagt Vanessa. "Aber es lohnt sich. Die beruflichen Perspektiven sind in diesem Bereich ausgezeichnet."

Die Informatikstunden waren lange Zeit den Nerds vorbehalten
Clementine

Generell sei die Hemmschwelle, sich bei Studiengängen einzuschreiben, die zum ersten Mal angeboten werden, wesentlich niedriger als bei etablierten, männerdominierten Studiengängen, sagt Ursula Köhler, Sprecherin der Fachgruppe "Frauen und Informatik" der Gesellschaft für Informatik.

Oft strahlen diese eine für Frauen wenig attraktive Kultur aus. Bei neuen Studiengängen dagegen würden die Lehrstühle noch mehr Zeit in Öffentlichkeitsarbeit investieren, um Frauen zu gewinnen.

Dringend müsse deutlich gemacht werden, dass die Informatik wesentlich mehr als das Schreiben von Programmen umfasse. Vielleicht hätten dann mehr Frauen den Mut, auch männerdominierte Studiengänge zu belegen. Denn laut Statistischem Bundesamt studieren in der reinen Informatik immer noch nur etwa 18 Prozent Frauen.

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Grün

Italien und Irland verbieten Wildtiere im Zirkus

10.11.2017, 13:29 · Aktualisiert: 16.11.2017, 10:41

In Deutschland wollen vor allem Politiker von CDU und CSU ein Verbot verhindern.

Es ist ein großer Erfolg für Tierschützer: Die italienische Regierung hat am Mittwoch ein Gesetz verabschiedet, das ein Verbot von Wildtieren in Zirkussen einleiten soll. Das Parlament votierte mit einer Mehrheit von 265 zu 13 Stimmen für die Regelung, sie tritt allerdings nicht sofort in Kraft.  

Das Gesetz sehe die "schrittweise Überwindung der Auftritte in Liveshows vor", erklärte der italienische Kulturminister Franceschini. Wie genau diese Schritte aussehen, ist nicht klar definiert. (BR)

Auch in Irland dürfen Wildtiere in Zirkussen bald nicht mehr auftreten, im Januar 2018 tritt eine entsprechende Regelung in Kraft. Landwirtschaftsminister Michael Creed sieht darin eine Chance für die Zirkusse: "Nun werden sich wieder mehr Menschen dabei wohl fühlen, einen Zirkus zu besuchen." (Independent)