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Gerechtigkeit

Warum es eine gute Idee ist, politisch korrekt zu sein

15.11.2016, 14:44 · Aktualisiert: 15.11.2016, 15:38

Politisch korrekt zu sein ist aktuell ungefähr so beliebt wie Fußpilz. Donald Trump ist zum Präsidenten gewählt worden, weil er eben genau das nicht war – und Frauen, Behinderte, Mexikaner beleidigt hat. Die AfD will schon lange, dass endlich Schluss mit politischer Korrektheit ist. Jetzt warnt auch noch der Grünen-Politiker Winfried Kretschmann vor zu viel politischer Korrektheit.

Wir dürfen es mit der Political Correctness nicht übertreiben​.
Winfried Kretschmann, Ministerpräsident in Baden-Württemberg

Was ist politische Korrektheit?

Ursprünglich kommt der Begriff aus den USA und wurde dort in den neunziger Jahren als Kampfbegriff von der politischen Rechten verwendet. Zunächst ging es ihnen um zu viel Rücksichtnahme an Universitäten. Mittlerweile nutzen immer mehr Rechte und Rechtspopulisten den Begriff, um angebliche Denk- und Redeverbote zu kritisieren.

Auf diesen Trick dürfen wir nicht reinfallen: Wer wie die AfD-Politiker Björn Höcke Afrikaner nach Rassentheorien aus der Nazi-Zeit einordnet (bento) oder wie Alexander Gauland den Fußballer Jérôme Boateng nicht neben sich als Nachbar haben will (bento), der hetzt offen und in voller Absicht.

Denn politisch korrekt zu sein, bedeutet auch: Chinesische Menschen nicht als Schlitzaugen zu bezeichnen, wie EU-Kommissar Günther Oettinger es getan hat. Weil das ein Schimpfwort ist, von dem sich Chinesen herabgewürdigt fühlen.

Eine Zensur gibt es übrigens auch nicht: Sie dürfen das ja sagen und müssen es nicht vorher bei einer staatlichen Stelle zur Genehmigung vorlegen. Sie müssen nur anschließend mit den Konsequenzen leben – dass man sie für ihre Aussagen kritisiert zum Beispiel.

Wer bestimmt, was politisch korrekt ist?

Wir alle entscheiden, wie wir miteinander reden wollen. Niemand legt allein fest, was verboten ist und was nicht. Wer aber Schlitzauge sagt, muss mit Kritik rechnen. Wer diese Kritik dann als überzogene politische Korrektheit abtut, will nur ablenken und sich nicht damit auseinandersetzen, dass er ein Schimpfwort benutzt hat.

Im Miteinander muss klar sein: Nicht jeder, der das "Wir schaffen das" von Angela Merkel für einen missglückten Satz hält, hat was gegen Ausländer. Und nicht jedem, der gerne Fleisch isst, ist Tierschutz egal.

Sorgen äußern: Ja! Beleidigen: Nein! Dieser Konsens scheint bei vielen in Vergessenheit zu geraten. Das können wir stoppen – in Gesprächen in der Bahn, beim Abendessen, auf der nächsten Party.

Nehmen wir den Kampfbegriff der Rechten und sagen: Ja, wir sind politisch korrekt. Weil wir uns nicht gegenseitig mit Vorurteilen und Beleidigungen begegnen wollen, sondern das Gespräch suchen.

Bestimmen nicht Politiker und Medien, was gesagt werden darf?

Politiker und Medien sind Teil der Gesellschaft, also ja, auch sie entscheiden mit. Aber "die Politiker" gibt es nicht: Politiker werden schließlich gewählt. Auch extreme Meinungen stehen zur Wahl, auch Politiker mit extremen Meinungen werden gewählt.

"Die Medien" gibt es auch nicht. Stattdessen gibt es ganz unterschiedliche Medien in Deutschland – von und für Rechtspopulisten, für Konservative, Liberale, für die bürgerliche Mitte, für Alternative, für Arbeiter, für Linke und ganz Linke und so weiter. Die Menschen bestimmen selbst, was sie davon lesen und unterstützen wollen.

Was haben ausgerechnet die Grünen gegen politische Korrektheit?

Zunehmend stellen sich auch Vertreter etablierter Parteien gegen politische Korrektheit. Das zeigt Kretschmanns Äußerung. Vor allem die konservativen Parteien fallen durch populistische Parolen auf. Ihre Taktik: Weiter nach Rechts rücken, um nicht so viele Wähler an die AfD zu verlieren.

Dabei sollten gerade die großen Parteien den Kampfbegriff der politischen Rechten nicht unreflektiert übernehmen. Denn "Das wird man ja noch sagen dürfen" ist in den meisten Fällen kein Hochhalten der Meinungsfreiheit, sondern nur eine Einleitung für dumpfe Vorurteile.


Gerechtigkeit

Warum die Ukraine den Tatort-Film von Til Schweiger verbietet

15.11.2016, 12:16 · Aktualisiert: 16.11.2016, 10:44

Nuscheln impossible.

Es gibt viele gute Gründe, auf Filme von Til Schweiger zu verzichten. Vorhersehbare Geschichten, vernuschelte Dialoge und jedes Mal ein verheulter Song von One Republic. In der Ukraine gibt es aber noch einen anderen: Der neueste Tatort-Film von Schweiger wurde dort nämlich einfach verboten. Mit einer Begründung, die noch schlechter ist als der Film selbst. Doch von vorn.