1. Startseite
  2. Gerechtigkeit
  3. Poetry Slammerin Ninia LaGrande: Das Schimpfwort "behindert" verletzt mich

Gerechtigkeit

Time to rant: "Behindert" regt mich auf

15.12.2015, 18:20 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:24

In der ersten Staffel unserer Videoserie "Time to rant" regen sich Poetry Slammer über ein Thema auf. Dieses Mal: Ninia LaGrande über das Schimpfwort "behindert".
Video-Player wird geladen...

Ninia LaGrande lebt und arbeitet in Hannover. Sie ist Moderatorin, Autorin und Poetry Slammerin. Seit 2015 moderiert sie auch ihre eigenen Fernsehformate. Im August 2014 ist ihr Erzählband "Und ganz, ganz viele Doofe!" im Blaulicht-Verlag erschienen. Ninia ist 32 Jahre alt und 1,40 Meter lang. Kleinwuchs, sagen die Ärzte. Was auch immer, sagt Ninia.

Text:

Ey, bist du behindert?
Ja, Mann. Bin ich.
Ich wünsche mir, dass behindert ein ganz normales Wort wird.
Keines, das deine dummen Sprüche ausschmückt und nur mit irgendwelchen Nachteilen assoziiert wird.
Und denk mal darüber nach: Genau das passiert doch, wenn du das in diese Kacksprüche einbaust.

Eine Behinderung zu haben ist nichts Schlimmes – also mach es nicht dazu. In Deutschland leben über neun Millionen Menschen mit einer Behinderung. Und nur, weil du vielleicht ein paar davon kennst, die dir sagen, dass sie persönlich kein Problem damit haben, wenn du behindert als Schimpfwort benutzt, heißt das nicht, dass du andere nicht vielleicht damit verletzt.

Mich zum Beispiel.

Mir kommt da nämlich immer so ein bisschen Kotze hoch, wenn jemand behindert, Mongo oder Spasti als Schimpfwort benutzt. Achso, du meinst das nur ironisch. Ja. Das wissen vielleicht du und die drei Leute, die sehr eng mit dir befreundet sind. Aber ironisch Kacke labern heißt immer noch Kacke labern.

Achso, du hast es nicht so gemeint.
Hm.
Dann sag doch beim nächsten Mal vielleicht das, was du gemeint hast.
Dann verstehen wir dich alle ein bisschen besser.

Achso, du hast mal in „so einer Einrichtung“ gearbeitet und darfst deshalb so reden?
Oh bitte.
Freunde und Freundinnen sagen manchmal zu mir, dass ich für sie eigentlich gar nicht behindert bin.
Das ist nett gemeint, aber ich bin es trotzdem. Und ich lege großen Wert darauf.
Denn nur weil meine Freundinnen und Freunde meine Barriere nicht sehen, heißt das nicht, dass sie nicht da ist.

Und ja, das bin dann ich, die mit dem Zeigefinger auf dich zeigt und dich bittet dieses Wörtchen „behindert“ gegen ein anderes auszutauschen. Denn dann können wir beim nächsten Mal vielleicht gemeinsam schimpfen.
Und das nennen wir dann Inklusion.

Weitere Rants