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Gerechtigkeit

Wer bei der Steuer trickst, ist ein Arsch

07.11.2017, 17:25 · Aktualisiert: 07.11.2017, 18:15

Konzerne und Superreiche nutzen Tricks und Gesetzeslücken, um möglichst wenig Steuern zu zahlen. Wie dreist sie dabei vorgehen, zeigen die Paradise Papers: Die "Süddeutsche Zeitung" hat interne Daten von zwei Firmen und Firmenregistern zugespielt bekommen und macht die dreiste Taktik nun öffentlich.

Es geht zum Beispiel um Nike und Apple, die ihre Milliarden ins Ausland verschieben, um nur ja nicht den vollen Steuersatz zu zahlen. Es geht aber auch um Privatpersonen, die ihr Vermögen vor den Behörden verstecken. 

Was daran so unerträglich ist: Viele dieser Steuertricks sind legal.

Wir würden uns gerne aufregen über Konzerne, die ihre Milliarden im Ausland parken und nur wenig Steuern zahlen. Aber die komplizierten Konstrukte sind oft sogar legal, weil einige Länder das Einrichten von Briefkastenfirmen zur Steuervermeidung regelrecht unterstützten.

  • Sogenannte Steueroasen sind darunter, Kleinststaaten auf Inseln, die nichts zu verlieren, aber wenigsten ein bisschen zu gewinnen haben. 
  • Aber auch die Niederlande bietet Konzernen Modelle zum Steuersparen an. 
  • Den Nachteil haben die Länder, in denen das eigentliche Geschäft gemacht wird.
  • Steuerfahnder kommen oft nicht mehr hinterher. 

Bis Tricks auffliegen und Schlupflöcher geschlossen sind, vergeht oft viel Zeit. Bis dahin haben spezialisierte Anwaltsfirmen schon neue Methoden entwickelt. (Zeit)

Die Empörung bleibt aus

Das Geld, das dem Staat vorenthalten wird, fehlt der Gemeinschaft. Kaputte Straßen, überfüllte Kindergärten, schlecht ausgestattete Unis sind nur einige der Folgen. Das ist unmoralisch und asozial.

Am Ende müssen viele Menschen aus mittleren und unteren Einkommensklassen durch ihre Beiträge ausgleichen, was die wenigen Besserverdiener für sich selbst behalten. 

Einem Hilfskellner, einem Kassierer oder einer Pflegerin tun einige Hundert Euro Steuern deutlich mehr weh als einem Multimillionär einige Hunderttausend.

Trotzdem gibt es kaum Proteste gegen Steueroasen und ihre Nutzer. Wie praktisch!

Mächtige Länder wie die USA oder Deutschland könnten die Steueroasen unter Druck setzen. Schluss mit den Steuertricks

Machen sie aber nicht. Zu groß ist die Angst vor Konzernen, die mit dem Verlust von Arbeitsplätzen drohen können, vor dem Verlust selbst kleinster Steuerzahlungen.

Zu groß ist auch die Angst davor, dass wieder ein paar Länder nicht mitmachen bei einer entschlossenen Aktion – die dann als Gewinner dastehen. Es funktioniert ja nicht einmal innerhalb Europas: Irland bietet Konzernen Steuertricks an, die Niederlande bitten darum, andere Länder zu prellen.

Im Wahlkampf spielten die Steuerflüchtlinge keine große Rolle.

Ein anderer Grund für die laxe Politik ist oft, dass die Firmeninhaber mit den politischen Entscheidern befreundet oder gar verwandt sind, sie bei Gesetzesänderungen beraten oder ihnen regelmäßig etwas in die Wahlkampfkasse stecken. Oder – wie in den USA oder Russland – dass die Milliardäre einfach Präsident werden und selbst ihre liberalen Wirtschaftsgesetze erlassen. 

Fehlende Transparenz, die zum Beispiel von Lobbycontrol immer wieder angemahnt wird, erleichtert diese Kumpelei. 

Steuertricks sind genau das: Tricks, um nicht den Beitrag zu leisten, der eigentlich fällig wäre. Wer diese Tricks nutzt, hält sich vielleicht für besonders schlau – ist aber ein asoziales Arschloch.


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