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Gerechtigkeit

Olja Alvir über Hass-Kommentare: "Ausweichen und Ausblenden steigert meine Lebensqualität"

31.01.2016, 12:46 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:26

Olja Alvir ist Journalistin und Autorin. Sie bezeichnet sich selbst als Jugoslawienerin: Sie ist in Jugoslawien geboren, kam während des Krieges nach Österreich und lebt in Wien, wo sie auch studiert hat. @oljaalvir auf Twitter.

Olja: Ich denke es war 2012, als ich komplett aufhörte, Kommentare im Internet zu lesen. Ich war gerade als Journalistin durchgestartet und meine Artikel bei einer großen österreichischen Tageszeitung wurden online hundert-, manchmal tausendfach von Usern und Userinnen kommentiert.

Leider bestanden diese Postings größtenteils aus sexistischen und rassistischen Ressentiments und bezogen sich fast nie auf den Inhalt meiner Artikel – wie das halt so ist im aktuellen Webdiskurs. Ich entschied, dass meine Zeit anderswo besser aufgehoben war.

Schade, denn meines Erachtens ist das Diskutieren ein wichtiger Teil der journalistischen Arbeit. Manche Postings enthielten sicherlich wichtige Punkte und spannende weiterführende Infos. Aber es zahlt sich leider in der Summe einfach nicht aus, die Dutzenden "Wenn’s dir hier nicht passt, dann geh doch dorthin, wo du hergekommen bist"-Meldungen durchzukämmen.

Die beste Strategie?

Auf Twitter war ich in zwei, drei sexistischen Shitstorms verwickelt. Danach habe ich eingestellt, keine Notifications mehr von Leuten zu bekommen, denen ich nicht folge. Hass-Kommentare kommen mir heute also wenn, dann selten und beiläufig unter. Das hat meine Lebensqualität definitiv gesteigert. Mir ist klar, dass meine Strategie des Ausweichens und Ausblendens vielleicht nicht der beste Weg ist, um Hate Speech im Internet zu bekämpfen. Aber sie schafft Zeit und innere Ruhe und erlaubt es mir, meine Energien für mir wichtige Dinge aufzuheben.

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