Bild: dpa/Peter Kneffel

19.07.2017, 18:13 · Aktualisiert: 19.07.2017, 18:17

Im NSU-Prozess in München sollen kommende Woche überraschend die Schlussplädoyers beginnen – am Ende wird ein Urteil über die größte rechte Mord- und Anschlagsserie der Bundesrepublik gefällt.

Es geht um die Taten der Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU). Ihr gehörten die mutmaßlichen Rechtsterroristen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt an. Die drei hatten mehrere Jahre unerkannt im Untergrund gelebt, ständig auf der Flucht vor der Polizei und den Geheimdiensten.

Die Verfassungsschutzbehörden verschiedener Bundesländer konnten dem NSU-Trio nicht auf die Spur kommen – und leisteten sich danach bei der Aufklärung mehrere Pannen.

Worum genau ging es im NSU-Prozess? Das sind die wichtigsten Zahlen zum Fall:

10

Morde

Zwischen 2000 und 2007 sollen Mundlos und Böhnhardt acht türkisch- und einen griechischstämmigen Zuwanderer getötet haben. Als zehntes Opfer soll das Trio eine deutsche Polizistin getötet haben. Zschäpe soll ihnen dabei geholfen haben. (WAZ)

Als sie die erste Tat verübt haben sollen, sollen sie gerade einmal zwischen 23 und 27 Jahren alt gewesen sein.

13

Jahre im Untergrund

1998 tauchten die drei Neonazis ab – erst 2011 flog der NSU auf. Neben der Mordserie werden dem Trio mehrere Anschläge zur Last gelegt, darunter ein Sprengstoffanschlag in Nürnberg 1999 und ein Nagelbomben-Attentat in Köln 2004. In den 13 Jahren sollen Böhnhardt und Mundlos auch insgesamt 15 Raubüberfälle begangen haben – auch hierbei soll Zschäpe sie unterstützt haben.

Als der NSU im November 2011 aufflog, nahmen sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt das Leben. Sie sollen sich in einem Wohnwagen selbst getötet haben. (Hier rekonstruiert die "Thüringer Allgemeine" die letzten Tage des Trios.)

2013

begann der NSU-Prozess

Verhandelt wird seit dem 6. Mai vor dem Oberlandesgericht in München – der Prozess dauert also bereits mehr als vier Jahre. Angeklagt ist Beate Zschäpe, die einzige Überlebende des Trios, sowie vier mutmaßliche Helfer und Unterstützer.

Zschäpe selbst ist wegen Mittäterschaft bei den Morden und den Anschlägen sowie Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Den Unterstützern, darunter ein NPD-Funktionär, wird Beihilfe vorgeworfen.

22

Stunden

So lange soll das Schlussplädoyer dauern, schätzt Bundesanwalt Herbert Diemer. Weil ein Ende der Beweisaufnahme schon abzusehen war, hat die Staatsanwaltschaft dafür schon alles vorbereitet und kann sofort loslegen.

Aber danach ist noch lange nicht Schluss: Auch die Nebenkläger und Verteidiger kommen noch zu Wort. Voraussichtlich dann aber erst nach der Sommerpause im September. Und erst danach wird es das Urteil geben.

Was das Plädoyer zu einer Herausforderung macht? Der NSU-Prozess ist ein reiner Indizienprozess, das heißt: Eindeutige Beweise gibt es nicht. Zschäpe beteuert, dass sie erst später von Morden und Bombenanschlägen erfahren hat. Im Prozess ging es zuletzt allein um die Frage, wie glaubwürdig Zschäpes Aussagen sind. (tagesschau)

480

Seiten

So umfangreich ist die Anklageschrift mit allen Vorwürfen gegen Zschäpe und die Helfer.

Die Ermittlungsergebnisse der Bundesanwaltschaft, die vor Gericht präsentiert wurden, passen in 650 Aktenordner in insgesamt 56 Kisten. Außerdem wurden 800 Zeugen geladen. (SPIEGEL ONLINE)

86

Nebenkläger

Im NSU-Prozess klagt die Bundesanwaltschaft – also Staatsanwälte im Namen des deutschen Staates. Sie bleiben allerdings nicht allein: Insgesamt 86 Nebenkläger beteiligen sich am Prozess. Dabei handelt es sich vor allem um Familienmitglieder der Getöteten.

5

Verteidiger

So viele stehen Zschäpe zur Verfügung: Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl, Anja Sturm, Mathias Grasel und Hermann Borchert. Im Juli 2014 fordert Zschäpe Ersatz für ihre damals drei Pflichtverteidiger Heer, Stahl und Sturm. Sie habe kein Vertrauen mehr. Doch das Gericht lehnte ihren Wunsch ab.

Doch das Gezanke war damit nicht beendet – zeitweise zog der Streit mehr Aufmerksamkeit auf sich als die mutmaßlichen Straftaten. Die drei scheiterten mit dem Versuch, von ihrem Mandat entbunden zu werden. Grasel kam als Verteidiger hinzu, später auch Borchert. (Augsburger Allgemeine)


Gerechtigkeit

Gut so: Großbritannien verbietet sexistische Werbung

19.07.2017, 18:10

Eine der wichtigsten Regeln im Werbegeschäft lautet: Sex sells. Mit viel nackter Haut oder erotischer Andeutung wird angeblich jedes Produkt besser – oder zumindest besser wahrgenommen.

Das Resultat: In vielen Innenstädten kleben meterhohe Plakate von halbnackten Frauen. Die dann Werbung für Jeans, Bausparverträge und Urlaubsreisen machen. Oder für Kaffee.

In Großbritannien soll es solche Werbung künftig nicht mehr geben.