Bild: dpa/Tobias Hase

11.07.2018, 12:24

Nach 437 Tagen ist im NSU-Prozess ein Urteil gefallen. Die Rechtsterroristin Beate Zschäpe wurde des Mordes für schuldig befunden und muss lebenslänglich in Haft. Mehrere Mittäter des "Nationalsozialistischen Untergrunds" bekommen ebenfalls längere Haftstrafen. (bento)

Der Weg bis zum Urteil – die Verhandlung des NSU-Prozesses – dauerte ganze fünf Jahre. Warum so lange?

Hier sind 4 Gründe für die Dauer des Gerichtsverfahrens:

1.

Es gab keine eindeutigen Beweise für die Schuld von Beate Zschäpe.

Die heute 43-Jährige gehörte der Neonazi-Szene an. Und hat mit den anderen bekannten NSU-Mitgliedern Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund gelebt. Aber hatte sie mitbekommen, dass diese mehrere Menschen aus rassistischem Hass ermordet haben? War sie dabei, hat sie selbst Schüsse abgefeuert?

Für diese Fragen gibt es keine Beweise. Entsprechend lange dauerte die Suche nach Antworten. Die Richter mussten mithilfe von Zeugenaussagen und Indizien das Leben von Zschäpe und des NSU-Trios rekonstruieren. Das machte den Prozess lange und mühsam.

2.

Es ging um mehr als um die Mordfälle.

Der NSU gilt als größte rechtsextremistische Terrorzelle der deutschen Nachkriegszeit – entsprechend wurden auch die Verhandlungen in München zu einem der größten Indizienprozesse der Bundesrepublik.

Verhandelt wurden die neun rassistisch motivierten Morde und der Mord an einer deutschen Polizistin. Außerdem zwei Bombenanschläge und mehr als ein Dutzend Raubüberfälle. 480 Seiten dick ist die Anklageschrift gegen Zschäpe.

3.

Die Rechte der Rechtsterroristen mussten gewahrt werden.

Deutschland ist ein Rechtsstaat, eine Schuld ist erst erwiesen, wenn das Urteil fällt. Auch wenn der NSU ein Bekennervideo veröffentlicht hatte – die Richter mussten die mutmaßlichen Täter neutral bewerten. Und die Angeklagten hatten das Recht auf Verteidiger.

Vor allem Beate Zschäpe hatte im Laufe des Prozesses mehrere Verteidiger. Deren Job ist es, Anträge zu stellen und Beweismittel anzuzweifeln. Auch Befangenheitsgesuche wurden gestellt – also die Vermutung, dass Richter oder gar der gesamte Senat in dem Fall nicht neutral urteilen können.

All das musste das Gericht immer wieder ernstnehmen. Das hat das Verfahren zusätzlich verlängert.

4.

Schließlich: Der Prozess war gigantisch.

Es wurde nicht nur verhandelt, ob Zschäpe des zehnfachen Mordes schuldig ist. Und es gab nicht nur ihre Verteidiger auf der einen und die Staatsanwaltschaft auf der anderen Seite:

  • Insgesamt gab es fünf Angeklagte mit insgesamt 14 Verteidigern.
  • Weiterhin gab es 86 Nebenkläger und ihre Anwälte. Bei den Nebenklägern handelte es sich um Familienmitglieder der Getöteten und Menschen, die bei den Anschlägen verletzt wurden.
  • Vor Gericht erschienen in den fünf Jahren 800 Zeugen.

All das bedeutete für die Richter: Es gab viele Zeugen zu hören, viele Indizien auszuwerten, viele Seiten abzuwägen. Der Umgang mit Deutschlands größter rechter Terrorzelle war kein leichter – das Urteil brauchte diese Zeit.


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