11.07.2018, 08:35 · Aktualisiert: 11.07.2018, 14:27

Eine Erinnerung.

Das Urteil im NSU-Prozess ist gefallen. Nach fünf Jahren Verhandlung wurden die Morde der Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" als rassistisch motivierte Taten eingestuft.

Zwei der mutmaßlichen Täter können dabei nicht mehr belangt werden: Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt haben Suizid begangenen. Die Rechtsterroristin Beate Zschäpe, das dritte NSU-Mitglied, wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. (bento)

Die Taten des NSU gelten als die größte rechte Mord- und Anschlagsserie der Bundesrepublik Deutschland – und die Opfer stehen dabei viel zu selten im Fokus.

Zwischen 2000 und 2007 sollen Mundlos und Böhnhardt acht türkisch- und einen griechischstämmigen Zuwanderer getötet haben. Als zehntes Opfer soll das Trio eine deutsche Polizistin getötet haben. Zschäpe soll ihnen dabei geholfen haben.

Hier erinnern wir an die 10 Toten.

(Bild: dpa)

ENVER ŞIMŞEK ist das erste Opfer des NSU. Der 38-Jährige wurde am 9. September 2000 vor seinem Blumenstand in Nürnberg mit acht Schüssen aus zwei verschiedenen Waffen niedergeschossen und starb zwei Tage später im Krankenhaus. Er war Vater von zwei Kindern.

Die Polizei vermutete zunächst eine Familientragödie und ermittelte gegen Şimşeks Frau. Erst elf Jahre später wurde klar, dass der NSU hinter der Tat steckt: Şimşeks Foto tauchte in einem Bekennervideo auf.

(Bild: dpa)

ABDURRAHIM ÖZÜDOĞRU wurde ebenfalls in Nürnberg getötet. Der 49-Jährige war im mittelfränkischen Röthenbach an der Pegnitz als Maschinenarbeiter tätig. Später arbeitete Özüdoğru in der Schneiderei seiner Frau in der Nürnberger Innenstadt.

Am 13. Juni 2001 schossen ihm die Täter in der Schneiderei zweimal in den Kopf. Dann fotografieren sie auch ihn für ihr späteres Bekennervideo. Özüdoğru hinterlässt eine Tochter.

(Bild: dpa)

SÜLEYMAN TAŞKÖPRÜ wurde nur 31 Jahre alt. Er war als Kind aus der Türkei nach Deutschland gekommen, ging in Hamburg zur Schule und jobbte im Lebensmittelladen seines Vaters. Am 27. Juni 2001 wurde er dort erschossen.

Die Polizei vermutete Verwicklungen in den Drogenhandel, verdächtigte Familienmitglieder. Später wurden die Tatwaffen der NSU-Morde mit den Schüssen in Verbindung gebracht.

(Bild: dpa)

HABIL KILIC ist das letzte Opfer der ersten Mordserie zwischen 2000 und 2001. Er wurde am 29. August 2001 in einem Obst- und Gemüseladen in München mit zwei Schüssen getötet. Der Laden gehört eigentlich seiner Frau, die aber gerade im Urlaub war.

Die Ermittler vermuteten dieses Mal einen Zusammenhang zur kurdischen Arbeiterpartei PKK oder zur organisierten Kriminalität. Kilic wurde 38 Jahre alt.

(Bild: dpa)

MEHMET TURGUT ist das fünfte NSU-Mordopfer. Er starb am 25. Februar 2004 durch drei Kopfschüsse vor einem Dönerimbiss in Rostock. Turgut, von Freunden und Familie "Memo" genannt, wohnte eigentlich in Hamburg und wollte am Tattag spontan als Aushilfe in dem Imbiss seines Freunds arbeiten.

Die Polizei ging jahrelang von einem Mord im "Milieu" aus, eine "Soko Bosporus" wurde eingerichtet. Die Familie berichtet, sie bekam keinerlei Unterstützung. "Memo" wurde 25 Jahre alt.

(Bild: dpa)

ISMAIL YAŞAR wurde am 9. Juni 2005 in seinem Nürnberger Dönerimbiss erschossen. Bis zu acht Schüsse wurden auf ihn abgefeuert. Er hinterließ einen Sohn und eine Tochter und wurde 50 Jahre alt.

Nach diesem sechsten Mordfall sprach die Polizei fälschlicherweise offen davon, die bisherigen sechs Opfer könnten "in Verbindung mit türkischen Drogenhändlern aus den Niederlanden" stehen. In den Medien kam der Begriff "Döner-Morde" auf. Zeugenaussagen zu zwei Männern an allen Tatorten wurden bislang ignoriert.

(Bild: dpa)

THEODOROS BOULGARIDES kam 1973 aus Griechenland mit seiner Familie nach München, wo er Abitur und eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann machte. Boulgarides arbeitete erst bei Siemens und der Deutschen Bahn, dann machte er sich mit einem Schlüsseldienst selbstständig.

Am 15. Juni 2005 wurde er in seinem Laden erschossen. Die Polizei ermittelte unter anderem in Richtung Drogendealer, Mafia und Prostitution. Boulgarides wurde 41 Jahre alt, er hinterließ Frau und zwei Kinder.

(Bild: dpa)

MEHMET KUBAŞİK floh mit seiner Frau und Tochter 1991 nach Deutschland, weil er als alevitischer Kurde in der Türkei politisch verfolgt wurde. Er erhielt politisches Asyl.

Kubaşık arbeitete zunächst als Hilfsarbeiter, machte sich dann mit einem Kiosk in Dortmund selbstständig. Dort wurde er am 4. April 2006 erschossen. Kubaşık wurde 39 Jahre alt, er hinterließ Frau und drei Kinder.

(Bild: dpa)

HALIT YOZGAT wurde nur zwei Tage nach Kubaşık mit zwei Kopfschüssen in einem von ihm betriebenen Internetcafé getötet. Yozgat war mit 21 Jahren das jüngste NSU-Opfer.

Yozgats Vater war aus der Türkei eingewandert, er selbst wurde in Kassel geboren. Zur Tatzeit befand sich ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes in dem Laden, der bis heute bestreitet, von der Tat etwas mitbekommen zu haben.

(Bild: dpa)

MICHÈLE KIESEWETTER ist das letzte bislang bekannte Opfer des NSU. Sie wuchs in Thüringen auf und arbeitete später in Heilbronn als Polizistin. Dort wurde sie am 25. April 2007 während eines Einsatzes auf einem Parkplatz getötet, ihr Kollege wurde mit einen Kopfschuss lebensgefährlich verletzt, überlebte aber.

Was auf dem Parkplatz passierte, ist bis heute ungeklärt. Die Dienstwaffen beider Polizisten wurden aber später bei Mundlos und Böhnhardt in Eisenach gefunden. Beide konnten nach dem Mord in Heilbronn mit Beate Zschäpe noch viereinhalb Jahre unerkannt im Untergrund leben.

Bis heute sind die Angehörigen der Opfer der Meinung, dass trotz der fünf Jahre NSU-Prozess noch viel unklar ist.

"Ich bin mir hundert Prozent sicher, dass es draußen noch Mittäter gibt", sagte Abdulkerim Simsek, Sohn des ersten NSU-Mordopfers Enver Şimşek, am Dienstag in München. Şimşek kritisierte scharf, dass noch immer Akten des Verfassungsschutzes geheim gehalten würden. "Da gibt es offenbar einige Sachen zu vertuschen."

Gamze Kubaşık, Tochter des Dortmunder NSU-Mordopfers Mehmet Kubaşık, nannte den am Mittwoch nach fünf Jahren zu Ende gehenden Prozess "eine Enttäuschung". Von einer lückenlosen Aufklärung sei der NSU-Prozess weit entfernt. Sie sagt:

Ich habe jahrelang auf Antworten gewartet und bin jetzt zutiefst enttäuscht.
Gamze Kubaşık

Mit Material von dpa und Tagesschau


Gerechtigkeit

Aus Protest gegen Trump-Besuch: Briten bringen "American Idiot" zurück in die Charts

10.07.2018, 19:41 · Aktualisiert: 10.07.2018, 19:44

Der Beginn einer erfolgreichen Kampagne? 3 Fragen, 3 Antworten.

Millionen Briten sind offen dagegen, nun kommt er trotzdem: Am 13. Juli wird Donald Trump das Vereinigte Königreich besuchen. Und pünktlich vor dem Besuch ist der Protestsong "American Idiot" von Green Day wieder in den Charts. Der Song stand am Dienstag auf dem 18. Platz der britischen Single-Charts, wie die Official Charts Company in Großbritannien mitteilte.