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Gerechtigkeit

Mächtig und Mutter: Neuseelands Premierministerin zeigt, dass beides geht

19.01.2018, 15:16 · Aktualisiert: 22.01.2018, 07:08

Beruf und Privatleben sind nicht immer leicht zu vereinbaren. Schon gar nicht, wenn man eine Gebärmutter hat.

Es kann dazu führen, dass Arbeitgeber jungen Frauen unterstellen, bald Kinder zu wollen und sie deswegen nicht einstellen. Ganz zu schweigen von dem sozialen Druck und der immer noch verbreiteten Annahme, die Frau müsse zuhause bleiben und sich um das Kind kümmern und nicht der Mann.

2017 hat Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern bei diesem Thema für Aufsehen gesorgt. Die 37-Jährige erklärte einem Journalisten, der sie nur ein paar Stunden nach ihrer Wahl zur Chefin der neuseeländischen Labour Party gefragt hatte, wie es um ihren Kinderwunsch stehe, dass diese Frage Frauen am Arbeitsplatz nicht gestellt werden dürfe. Das sei inakzeptabel.

Hier kannst du alles zu dem Fall nachlesen:

Seit Oktober ist Ardern die Regierungschefin von Neuseeland. Am Donnerstag hat sie bekannt gegeben, dass sie schwanger ist und mit Baby regieren wird.

"Dieses Jahr werden wir uns zu all den Eltern gesellen, die zwei Aufgaben haben: Ich werde Premierministerin und Mutter sein, während Clark zu Hause bei unserem Kind bleibt und der 'Erste Mann des Fischens' sein wird." – Clarke Gayford, Arderns Partner, moderiert eine Fernsehshow übers Angeln.

So reagiert das Internet auf die Schwangerschaft der neuseeländischen Premierministern:

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Eine Premierministerin bekommt ein Baby – und alle sind entzückt. Warum es so wichtig ist, dass diese Frau und ihr Partner jetzt ein Kind bekommen?

Ardern wäre die erste Regierungschefin seit sehr vielen Jahren, die während ihrer Amtszeit ein Baby bekommt. 1990 bekam Benazir Bhutto, Pakistans damalige Premierministerin, ihre Tochter im Amt. Dass dieses Beispiel 28 Jahre zurück liegt, sagt einiges. (SPIEGEL ONLINE)

Ardern und ihr Mann können der Öffentlichkeit zeigen, dass Frauen und Männer Optionen haben. Dass es verschiedene Familienmodelle geben kann. Sogar für Regierungschefinnen.

Ardern plant, bis kurz vor der Geburt ihres Babys im Juni zu arbeiten und sich dann sechs Wochen Elternzeit zu nehmen. Während dieser Zeit würde der stellvertretende Premierminister Winston Peters ihre Aufgaben übernehmen. Nach den sechs Wochen will Ardern wieder Vollzeit die Premierministerin von Neuseeland sein und ihr Partner soll eine berufliche Auszeit nehmen und sich zuhause um das gemeinsame Kind kümmern. So oft es möglich sei, würden er und das Kind Ardern auf ihren Reisen begleiten, sagt die Premierministern. (The New York Times)

Das alles zeigt: Ja, die Frau ist diejenige mit der Gebärmutter. Aber damit ist noch nicht entschieden, wie ihre Karriere verlaufen wird, dass sie im Job kürzer treten muss, oder besser geeignet ist, um sich zuhause um das Kind zu kümmern.

Sie kann aber natürlich, wenn sie das möchte.

Es geht nicht darum, dass jede Frau sich dem, was als "traditionelles Modell" bezeichnet wird, verweigern und das, was "moderne" Variante genannt wird, wählen muss.

Auch dieser Anspruch wird oft an Frauen gestellt, vor allem an Politikerinnen. Das hat auch Kristina Schröder, ehemalige Familienministerin, kritisiert. Schröder war Bundesministerin, Bundestagsabgeordnete, hat ihr Kind in dieser Zeit bekommen – und hat ihrer eigenen Einschätzung zufolge Nachteile daraus gezogen:

Diese mangelnde mediale und tatsächliche Präsenz hat mir natürlich geschadet. Noch weniger Präsenz bei meiner Tochter hätte mich allerdings totunglücklich gemacht, und so war für mich die Entscheidung glasklar, lieber auf ein paar Fernsehauftritte zu verzichten. (Tagesspiegel Causa)

Schröder hat bei der Bundestagswahl 2017 nicht mehr kandidiert, und begründet diesen Schritt unter anderem in einer Erklärung so: "Nachdem meine Familie und ich in den letzten Jahren zwischen drei Wohnorten hin- und hergependelt sind, haben wir nun unseren Lebensmittelpunkt nach Wiesbaden verlegt."

Auch das ist ein Modell, das man für sich und seine Familie wählen kann. Modern ist die, die selbst entscheidet.

Jacinda Ardern hat entschieden, dass sie beides möchte: Karriere und Kind. Ein Modell, das vor allem in der Politik noch keinen großen Einzug gefunden hat. Umso wichtiger ist es, dass es endlich jemand vorlebt.

Noch mehr starke Frauen in der Politik:


Gerechtigkeit

Beim Karneval wird es erstmals einen jüdischen Mottowagen geben

19.01.2018, 14:07

Was ist neu?

Dieses Jahr wird es auf dem Rosenmontagszug in Düsseldorf zum ersten Mal einen Mottowagen der jüdischen Gemeinde geben. Damit will sie ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Die Juden seien Teil der Stadtgesellschaft, sagt Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor bei der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf. "Wir gehören dazu, und Antisemitismus hat hier nichts zu suchen." (Deutschlandfunk)