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Gerechtigkeit

Was wir von "The Keepers" über den Umgang mit Missbrauch lernen können

11.07.2017, 11:59 · Aktualisiert: 11.07.2017, 15:22

"Warum hast du nicht schon früher etwas gesagt?"

"Was hast du denn auch zu der Zeit an diesem Ort gemacht?"

"Hast du dich auch gewehrt?"

Missbrauch ist immer ein schreckliches Thema. Und auf das erste Trauma, den Missbrauch selbst, folgt oft ein zweites: Wenn dem Opfer niemand glaubt. Wenn die Fragen, die gestellt werden, immer nur um das Opfer kreisen und wenig um den Täter.

Trauen sich die Opfer trotzdem, vor Gericht zu ziehen, ist die erste Frage meist: Sind sie glaubwürdig?

Weshalb viele ihre Geschichte für sich behalten - oder aufgeben, nachdem sie vergeblich angerannt sind, gegen die Institutionen und den Unglauben ihrer Umgebung, es gibt viele, die fürchten, das schreiende Unrecht mit ins Grab nehmen zu müssen.

Um solche Menschen geht es auch in der True-Crime-Serie "The Keepers" von Netflix:


Eine 26-jährige Nonne wird umgebracht, ihr Mord wird nie aufgeklärt. Jahre später fangen zwei ihrer ehemaligen Schülerinnen an, zu ermitteln – und stoßen schnell auf einen grauenvollen, institutionellen Missbrauchsskandal.

Zwei der Protagonisten, Jean und Teresa, hatten bereits 1992 Anzeige gegen das Erzbistum Baltimore erstattet. Im Zuge dessen meldeten sich über 30 weitere Frauen, die behaupteten, von Joseph Maskell missbraucht geworden zu sein. Was passierte?

Der Fall wurde abgewiesen.


Angeblich war die Beweislage zu dünn. Es stand Aussage gegen Aussage – und die übermächtige Kirche bemühte sich, die Frauen als Lügnerinnen abzustempeln.

Die schaurigen Details und die bereits belegten Missbrauchsfälle machen es leicht, an den Missbrauch zu glauben. Umso erschreckender ist, dass die Frauen bis heute keine juristische Gerechtigkeit erfahren haben.


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Und der Umgang mit Missbrauchsopfern hat sich in den letzten 40 Jahren nur wenig verbessert

Die Verurteilungsquote von Vergewaltigungen lag in Deutschland im Jahr 2014 bei 8,4 Prozent ( Zeit Online). Ganz zu schweigen von all den Fällen, die gar nicht erst angezeigt werden - bis heute gehen Experten von einer hohen Dunkelziffer aus (SZ). Viele Opfer schämen sich, dass ihnen so etwas passiert ist, sehen es als Zeichen von Schwäche oder denken, dass sie den Übergriff selbst provoziert haben.


Trotz all dem Grauen spendet The Keepers aber Hoffnung

Denn die Frauen treten hier nicht in der klassischen Opferrolle auf. Sondern als mutige Kämpferinnen für Gerechtigkeit. Sie machen ihre Geschichte öffentlich, weil die Institutionen, die sie eigentlich beschützen sollten, sie im Stich gelassen haben.

Von offizieller Seite hat ihnen niemand aufrichtig zugehört, in "The Keepers" bekommen Jean und Teresa endlich Zeit, ihre Geschichte zu erzählen. Diesen Protokollen zuzuhören, macht einen zwar so fassungslos, dass man immer wieder den Bildschirm anschreit:

Aber trotz all der Ohnmacht und Wut, die "The Keepers" beim Zuschauer auslöst, ist es eine Überlebensgeschichte. Eine, von der wir etwas mit dem Umgang miteinander lernen können.

Hier sind zwei Frauen, die ein unfassbares Maß an Gewalt und Demütigung erfahren haben – und die trotzdem nicht aufgeben. Zwei Frauen, die Unterstützung finden von anderen starken Frauen. Die ihnen glauben.


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