Bild: Karpov/SOS Méditerranée

13.06.2018, 12:55 · Aktualisiert: 13.06.2018, 14:34

Jetzt will Spanien helfen.

Seit Sonntag treibt das Rettungsboot "Aquarius" mit ursprünglich 629 Flüchtlingen an Bord im Mittelmeer. Sowohl Italien als auch Malta haben ihre Häfen gesperrt, wollen die Flüchtlinge nicht aufnehmen.

Spanien hat sich schließlich dazu bereit erklärt, die Flüchtlinge bei sich aufzunehmen. Die "Aquarius" ist jetzt zusammen mit zwei italienischen Schiffen auf dem Weg nach Valencia – vier Tage lang die italienische und französische Küste entlang.

Update Mittwoch, 13. Juni 2018:

Inzwischen sind noch 106 Menschen an Bord der "Aquarius". Das Schiff hat – vermittelt durch die italienische Seenotrettungsleitstelle – am Dienstagabend insgesamt 523 Menschen an je ein Schiff der italienischen Küstenwache und eines der italienischen Marine übergeben, wie Ärzte ohne Grenzen berichtet. Die drei Schiffe sind derzeit gemeinsam auf dem Weg nach Spanien.

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hat derweil Italiens Regierung wegen ihrer Weigerung, die Flüchtlinge vom Rettungsschiff "Aquarius" aufzunehmen, "Zynismus und Verantwortungslosigkeit" vorgeworfen.

Er erinnert an das internationale Seefahrtsrecht, das vorschreibt "dass im Notfall die nahegelegenste Küstenregion eine Pflicht zur Aufnahme" von Flüchtlingen habe, sagte Regierungssprecher Benjamin Griveaux. (SPIEGEL ONLINE)

  • Die Antwort kam prompt: Rom hat Frankreichs Botschafter einbestellt und ihm klar gemacht, dass man "keine heuchlerischen Lektionen" brauche.

Am Freitag ist der Antrittsbesuch des neuen italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte in Paris geplant. Er und Macron werden sicherlich einiges zu bereden haben.

Montag, 11. Juni 2018:

629 Flüchtlinge treiben gerade auf dem Mittelmeer – weil Italien seine Häfen sperrt.

Italien hat eine neue Regierung – und die will mit aller Härte gegen Flüchtlinge vorgehen. Um sie gar nicht erst ins Land zu lassen, droht der neue Innenminister damit, Häfen für Rettungsboote zu sperren. Flüchtlinge und ihre Helfer müssten dann abdrehen und bleiben sich selbst überlassen.

Am Sonntag kam es bereits zu einem ersten Zwischenfall, bei dem das Rettungsboot "Aquarius" mit 629 Migranten an Bord weggeschickt wurde. Es harrt seither auf hoher See aus.

In Italien gibt es nun jedoch Widerstand. Der Bürgermeister von Palermo hat angekündigt, den Regierungskurs nicht zu unterstützten – er will seinen Hafen weiter für Flüchtlingsboote öffnen.

Was ist passiert?

Seit Anfang Juni hat Italien eine neue Regierung – gebildet aus der rechtsextremen Lega und der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung. (bento) Vor allem der Lega-Chef Matteo Salvini möchte sich nun als neuer Innenminister beweisen. Sein wichtigstes Wahlversprechen lautete, Migranten "wieder nach Hause zu schicken". (bento)

Mehrmals hatte Salvini bereits davon gesprochen, italienische Häfen für Rettungsboote schließen zu wollen. Am Sonntag machte er erstmals ernst.

Das Rettungsschiff "Aquarius" hatte am Wochenende insgesamt 629 Menschen aufgenommen, die in Seenot geraten waren. Salvini forderte die Crew auf, nach Malta zu fahren – in Italien werde ihr kein sicherer Hafen zugewiesen. Doch auch Malta sperrte seine Häfen. Man fühle sich nicht zuständig, war die Antwort.

Seither wurde dem Flüchtlingsboot "Aquarius" kein sicherer Hafen zugewiesen, Crew und Flüchtlinge harren auf offener See aus.

Die "Aquarius" wird von "SOS Méditerranée" und "Ärzte ohne Grenzen" betrieben. Nach ihren Angaben sind mehr als 100 unbegleitete Minderjährige an Bord, außerdem elf Kinder und sieben schwangere Frauen.

So ist die Lage an Bord:

Wie geht es weiter?

Italien bleibt hart. Am Sonntag erklärte Salvini:

"Wenn irgendeiner denkt, dass ich keinen Finger rühren werde, während wir einen weiteren Sommer mit Anlandungen, Anlandungen und weiteren Anlandungen erleben, dann ist das nicht das, was ich tun werde."

Auf Facebook schrieb er: "Von heute an wird auch Italien 'Nein' sagen zu Menschenhandel und zum Geschäft der illegalen Einwanderung." Salvini spielt damit auf die von Rechten verbreitete Verschwörungstheorie, dass Seenotretter bewusst mit Schmugglern zusammenarbeiten würden.

Allerdings hat Salvini keine Befehlsgewalt über die Häfen. Palermos Bürgermeister Leoluca Orlando hat bereits angekündigt, sich zu widersetzen. Er gilt bereits seit längerem als Macher, der Palermo von seinem Mafia-Image befreit hat und in eine weltoffene Stadt verwandelt hat. (Deutschlandfunk/The Guardian)

Nun twitterte er, Palermo werde seinen Hafen für Flüchtlingsboote öffnen.

Update: Spanien will helfen

Spanien erklärte sich am Montagnachmittag, die Menschen aufzunehmen. Das kündigte Spaniens neuer, sozialistischer Regierungschef Pedro Sánchez am Montag an. (Die Welt)

Von der "Aquarius" gab es am Montagmorgen noch kein Update, ob sie Palermo ansteuern wird. Von "Ärzte ohne Grenzen" hieß es, man wolle eine offizielle Entscheidung, und ein Ende des "diplomatischen Duells" zwischen Italien und Malta.

Mit Material von dpa


Today

Hunderte Küken schlüpfen auf einer Müllhalde in Georgien

13.06.2018, 10:57

Die Eier wurden einfach auf den Müll gekippt.

Piepsen auf einer Müllhalde, hunderte Küken irren über den steinigen Boden. Im georgischen Marneuli suchen die frisch geschlüpften Hühner nach ihren Müttern und Unterschlupf. 

An der traurigen Szenerie auf der Mülldeponie in Georgien sind Menschen Schuld. 

Eine Geflügelfarm hatte die Eier auf der Halde entsorgt. Die Mitarbeiter dachten, die Eier seien verdorben. Dank des warmen Wetters in Georgien wurden die Küken weiter ausgebrütet und schlüpften zu Hunderten. (Treehugger