Gerechtigkeit

Die Revolution der Menstruation

04.05.2016, 19:09 · Aktualisiert: 04.05.2016, 19:11

Früher ein Tabu, heute sogar Kunst

Erst in den späten 50er Jahren bewies ein Arzt, dass Menstruationsblut nicht giftig ist. Heute wird daraus Kunst gemacht.

Spätestens seit "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche reden wir offener über die weibliche Hygiene. Trotzdem löst das Thema Menstruation immer noch Unbehagen aus, die blutende Frau ist befremdlich und unangenehm. Das soll sich ändern. Im Netz verbreiten AktivistInnen Posts von blutverschmierten Binden und vollgesaugten Tampons. Es geht nicht darum, diesen Anblick zur Gewohnheit zu machen. Die Bilder sind eine Provokation, um mit dem Tabu der Periode zu brechen.

Wie reden wir heute über die Blutung? Wie stellen wir sie im Netz dar? Darüber sprach die Feministin und Bloggerin Theresa Lehmann auf der Internetkonferenz re:publica. Hier ein paar Eindrücke, was im Netz so los ist:

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Was ist auf den Fotos zu sehen? Die Künstlerin Sarah Levy malt mit ihrem Menstruationsblut ein Bild von "Bloody Trump", eine andere fotografiert ihr blutverschmiertes Gesicht, ihre blutgetränkte Unterhose. Eine Schülerin aus Karlsruhe hängt aus Protest in der ganzen Stadt Binden mit feministischen Botschaften darauf auf.

Bis zu dieser Offenheit, die noch immer nicht hundertprozentig existiert, war es ein langer Weg.

Eine kurze Chronologie der Menstruation:

  • Aristoteles sprach in Zusammenhang mit der Menstruation noch von einem Defizit in der Physik des weiblichen Körpers. Die Menstruation wurde als etwas Schmutziges und Unreines angesehen und oftmals sogar sanktioniert.
  • Lange durfte bei den Hindus Frauen religiösen Zeremonien nicht beiwohnen, wenn sie bluteten. Auch heute noch werden Frauen in Indien während ihrer Periode oft wie Ausgestoßene behandelt.
  • Im Judentum sollte der Mann die Frau nicht einmal berühren, während sie blutete, da sonst auch er unrein werden würde. In orthodoxen oder konservativen Kreisen gelten diese Regeln noch bis heute.
  • Auf Fragen wie: "Was bedeuten Stärke und Dauer der Blutung?" oder "Sind Frauen, die ihre Tage seltener bekommen, benachteiligt?" gab es sogar noch in den Achtzigerjahren keine klaren Antworten. Darüber schrieb der Gynäkologe Fritz K. Beller in einem Artikel der ZEIT aus dem Jahr 1985. Man wusste nicht einmal genau, was während der Menstruation eigentlich im Körper der Frau passiert.

Eine OB-Werbung aus dem Jahr 1994 zeigt, dass die Periode "sauber und diskret" zu sein hatte.

Als "eines der am besten gehüteten Tabus unserer Gesellschaft" wurde die Menstruation 1985 in einem "ZEIT"-Artikel von Annette Bopp beschrieben. Bento hat mit der Journalistin gesprochen und nachgefragt: Was hat sich seit damals getan?

"Über die Sache selbst hatte man seinerzeit kein Wort zu verlieren. Gar Sex zu haben, während die Frau ihre Tage hatte – undenkbar!"

Als Annette Bopp als junge Frau zum ersten Mal ihre Periode bekam, schämte sie sich noch in Grund und Boden. "Heute ist der Umgang damit viel selbstverständlicher als früher, es gibt ein anderes Bewusstsein für das Thema", sagt die 64-Jährige. "Mütter organisieren für ihre Töchter bei deren erster Menstruation ein Festessen oder schenken Schmuck mit roten Steinen. Damit wird das Ereignis von vornherein positiv besetzt."

Und dass es seit ein paar Wochen nun auch die Menstruationstasse in Drogeriemärkten gibt, erfüllt sie mit Genugtuung: "Na bitte, geht doch!"


Haha

Wie ostwestfälisch bist du wirklich?

04.05.2016, 16:32 · Aktualisiert: 06.05.2016, 18:46

Ein Schlürschluck muss sein.

Für alle, die nicht aus Ostwestfalen-Lippe kommen, besteht die Region aus Käffern und einer Stadt, die es eigentlich gar nicht gibt. Allein über die widersprüchliche Bezeichnung der Region lachen viele. Dabei haben die Menschen nördlich des Rheinlands so viel Spott gar nicht verdient. Ostwestfalen sind entspannte, liebenswerte Zeitgenossen. Sie mögen die ländliche Idylle, Rassegeflügelzuchtausstellungen, Schützenfeste und trotzen dem Veggie-Boom.