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Gerechtigkeit

11 Dinge, die du noch nicht über Martin Schulz wusstest

24.11.2016, 13:42 · Aktualisiert: 29.01.2017, 12:06

Fakten über Martin Schulz

Schulz soll Kanzlerkandidat für die SPD werden – Sigmar Gabriel will den Posten nicht (bento). Bevor die Entscheidung feststand, haben wir im November diesen Artikel mit Fakten über Martin Schulz veröffentlicht.

2017 könnte das Jahr von Martin Schulz werden. Der Chef des Europaparlaments will in den Bundestag wechseln – und könnte schon im Januar zum Außenminister oder SPD-Kanzlerkandidaten ernannt werden. Schulz ist zur Zeit der vielleicht größte Herausforderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und plötzlich ein gefragter Mann, dem viele vieles zutrauen.

Doch wie wird man eigentlich Chef des Europaparlaments? Vielleicht so: Schule abbrechen, Alkoholproblem überwinden, Buchhändler werden, fleißig Sprachen pauken, Politiker werden – denn genau so hat es (in Kurzform) Martin Schulz gemacht. Ja, wirklich.

Diese elf Dinge sollte man über Martin Schulz wissen:

1. Niemand war so lange EU-Parlamentschef

Seit 2012 ist Martin Schulz als Parlamentspräsident im Amt. Eigentlich nicht besonders lange. Doch in der Europapolitik ist das bereits ein Rekord. Kein Vorgänger blieb so lange im Amt wie er. Denn eigentlich wechseln sich die beiden großen Lager, Sozialdemokraten und Konservative, alle zweieinhalb Jahre mit dem Posten ab. Doch ursprünglich sollte Schulz sogar noch länger im Amt bleiben (Deutschlandfunk).

2. In der Schule blieb er zweimal sitzen und ging ohne Abi

Im Gegensatz zu vielen anderen Politikern hat Martin Schulz nie studiert. Er verließ die Schule vorzeitig, nachdem er zweimal in der elften Klasse sitzengeblieben war. Seine Lehrer hatten ihn wegen seiner Noten nicht fürs Abitur zugelassen. Später machte er eine Ausbildung und wurde Buchhändler. Im Rückblick sagte er über sich selbst:

"Ich war ein Sausack und kein besonders angenehmer Schüler"
Martin Schulz über sich selbst (n-tv)

3. Einer seiner Schulfreunde arbeitet heute für ihn

In seiner Jugend interessierte sich Martin Schulz wenig für die Schule und viel für Fußball. Er gewann mit seiner Mannschaft mehrere wichtige Turniere und wollte Profispieler bei Alemannia Aachen werden. Eine Verletzung beendete den Traum jedoch vorzeitig. Danach wurde Schulz zum Alkoholiker (siehe unten). Sein Schulfreund Herbert Hansen hielt jedoch zu ihm. Heute ist Hansen sein persönlicher Referent im EU-Parlament (RP).

4. Ein Streit mit Berlusconi machte ihn berühmt

2003 war Schulz bereits seit neun Jahren Europa-Abgeordneter, doch außerhalb der Politik praktisch unbekannt. Das änderte sich schlagartig, als er im Parlament Italiens Ministerpräsidenten Berlusconi für dessen Doppelrolle als Politiker und Medienunternehmer kritisierte. Berlusconi erwiderte die Kritik mit einem Nazivergleich: "In Italien wird gerade ein Film über die Nazi-Konzentrationslager gedreht, ich schlage Sie für die Rolle des Lagerchefs vor." Der Vergleich sorgte international für Kritik und machte Schulz schlagartig bekannt (SPIEGEL ONLINE).

5. Mit Anfang 20 war er jahrelang Alkoholiker

Im Gegensatz zu vielen anderen Politikern hat Schulz nie verheimlicht, dass er phasenweise ein Alkoholproblem hatte. Schon als Schüler trank er gerne. Nachdem er aber nicht fürs Abitur zugelassen wurde und das Gymnasium vorzeitig verlassen musste, wurde daraus eine Sucht.

In dieser Zeit war er ein Jahr arbeitslos und stand kurz vor der Zwangsräumung. Von 19 bis 24 sei er Alkoholiker gewesen, sagte Schulz später über sich selbst. Aus der Sucht half ihm schließlich sein Bruder. Seit 1980 ist Schulz abstinent. ("Die Welt")

6. Seine größten Konkurrenten sind auch seine Freunde

Bei der Europawahl 2014 war Martin Schulz Spitzenkandidat der europäischen Sozialdemokraten. Der Ex-Premierminister von Luxemburg, Jean-Claude Juncker, war sein Konkurrent. Beide wollten im Falle eines Wahlsieges Chef der EU-Kommission werden. Am Ende setzte sich Juncker durch und bekam den Posten, Schulz blieb Parlamentspräsident. Doch die beiden waren nicht nur politische Gegner, sondern auch Freunde. Beide duzen sich seit Jahren und telefonieren nach eigenen Angaben fast jeden Morgen miteinander (SPIEGEL ONLINE).

Ganz ähnlich ist es mit Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel. Er und Schulz kennen und schätzen sich seit langem. Jetzt soll einer von beiden Kanzlerkandidat werden (n-tv).

7. Dieser Nazi-Rauswurf wurde zum Facebook-Hit

"Bitte verlassen Sie diesen Saal!" – mit diesen Worten warf Schulz im März den griechischen Nazi-Abgeordneten Eleftherios Synadinos aus einer Parlamentssitzung. Synadinos hatte zuvor Türken beleidigt. Das Video des Rauswurfs sorgte im Internet für viel Wirbel. Allein bei Facebook sahen es mehrere Millionen Menschen.

8. Das Amt, mit dem er bekannt wurde, hat er selbst erfunden

Als Präsident des Europaparlaments hat Schulz den Papst begrüßt und die Regierungschefs der EU-Staaten regelmäßig auf offener Bühne zur Rechenschaft gezogen. Doch das Amt, das ihn bekannt gemacht hat, hat er sich im Prinzip erst selbst erfunden. Denn vor Schulz galten Parlamentspräsidenten vor allem als Versammlungsleiter.

Schulz betonte dagegen von Anfang an, dass er das EU-Parlament vor allem als Stimme des Volkes in Brüssel sieht. Denn im Gegensatz zu den sonstigen EU-Institutionen wird es von den Bürgern gewählt. Diese Strategie machte das Parlament bekannter – und Schulz gleich mit.

9. Er spricht sechs Sprachen fließend

Obwohl er nie eine Universität besucht hat und die Schule frühzeitig verließ, spricht Schulz heute fünf Fremdsprachen. Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Niederländisch. Alle fließend. Dazu kommen ausgeprägten Kenntnisse im rheinischen Dialekt. Die er gelegentlich auch bei EU-Verhandlungen auspackt und damit die Dolmetscher zur Verzweiflung treibt (SPIEGEL ONLINE).

10. Schulz hatte jahrelang nur ein Nokia 6210 – heute liebt er Whatsapp

Von der deutschen Bundeskanzlerin ist bekannt, dass sie mit ihrem Smartphone gerne SMS aus dem Bundestag verschickt. Auch Martin Schulz setzte bei der Kommunikation lange auf Dinosaurier-Technik. Bis Ende 2015 hatte er in seiner Anzugtasche nur ein altes Nokia 6210. Inzwischen nutzt der EU-Parlamentspräsident auch ein iPhone und Whatsapp. Und prahlt stolz mit jedem versendeten Emoji, wie einer seiner Mitarbeiter bento augenrollend erzählte.

11. Martin Schulz war "GQ Mann des Jahres"

Das Männermagazin wählte ihn 2012 zum Mann des Jahres im Bereich Politik. Die Halbglatze und den leichten Bauchansatz hatte er schon damals. Die Preise "Lachender Amtsschimmel" des Deutschen Beamtenbundes und "Goldenes Karussellpferd" der Arbeitsgemeinschaft der Schaustellervereine NRW (beide 2013 erhalten) dagegen noch nicht. Herzlichen Glückwunsch!

Was Martin Schulz über die AfD, Flüchtlinge und den Brexit denkt, steht hier – wir haben ihn in Berlin getroffen:


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EU-Parlament will Verhandlungen über Beitritt der Türkei stoppen

24.11.2016, 12:40 · Aktualisiert: 24.11.2016, 14:48

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