Bild: ZDF

Gerechtigkeit

Wenn Männer über das Äußere von Angela Merkel diskutieren

15.02.2017, 14:47 · Aktualisiert: 15.02.2017, 16:45

Dienstagabend 23.15 – die beste Zeit, um vor dem Fernseher einzuschlafen. Doch dieser Dialog im ZDF-Talk von Markus Lanz ließ einen vom Sofa aufschrecken. Zu Gast: vier Männer, alle über 50:

v.l. Gastgeber Markus Lanz, Moderator Hugo Egon Balder, Produzent Jacky Dreksler, Missbrauchsopfer Alexander Probst und Journalist Michael Spreng

v.l. Gastgeber Markus Lanz, Moderator Hugo Egon Balder, Produzent Jacky Dreksler, Missbrauchsopfer Alexander Probst und Journalist Michael Spreng (Bild: ZDF)

Und das war ihr Gesprächsthema:

Ist Angela Merkel überhaupt noch eine Frau?

Ja, ganz richtig gehört. Während der Rest bedachtsam schwieg, diskutierte der Journalist und Politikberater Michael Spreng mit Lanz über die Frage, wie sehr sich Merkel vor SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz fürchten muss (Die Sendung in der Mediathek). Zunächst ging es um das Verhältnis zwischen CDU und CSU, den großen Zulauf für die SPD und den Bart von Schulz, der angeblich seine Authentizität symbolisiere. Nun wollte Lanz auch das Auftreten von Merkel analysieren. Doch die Frage, die er dazu stellte, klingt bizarr.

Sein Ansatz:

Lanz: Und was würden Sie Angela Merkel jetzt optisch raten? Mir fällt immer auf, also Frauen, Frauen verändern sich ja so optisch in der Politik, dass du sie irgendwann ja gar nicht mehr als Frauen wahrnimmst.

Spreng: Also das kann ich jetzt nicht bestätigen.

Lanz: Das sagen auch Frauen in der Politik.

Spreng: Ich will da auch nicht drüber diskutieren. Entschuldigung, also über diesen speziellen Aspekt, dass ich sie nicht mehr als Frau wahrnehme. Natürlich ist sie eine Frau und viele Frauen fühlen sich von ihr repräsentiert.
Michael Spreng

Michael Spreng (Bild: ZDF)

Beinahe hätte Spreng die absurde Frage von Lanz abgewehrt. Doch dann passierte das:

Lanz: Das ist nicht mein Punkt. Es geht um die Wahrnehmung. Es geht um die Frage: Wie weit musst du dich zurücknehmen, um in diesem Männerbetrieb irgendwie dich da durchzusetzen. Das ist der Punkt.

Spreng: Ja, aber sie war ja nie die klassische Frau, sagen wir mal wie Frau Schwesig von der SPD, sondern sie war immer eine sehr kühle, rationale Frau, die sehr kühl und zurückgenommen Politik gemacht hat und diese angeblich weibliche Emotionalität gab es ja bei ihr nie, die man sonst vielen Frauen zuspricht. Insofern hat sie sich in dieser Beziehung, glaub ich, nicht verändert.

Lanz: Wobei ich oft denke, da gibt es auch noch eine andere Seite. Sie soll privat einen tollen Humor haben. Die Kanzlerin soll jemand sein, der sehr warmherzig ist. All das sind ja Dinge, die sich so vordergründig erst einmal nicht transportieren.

Hier noch einmal zum Vergleich. Sie ist für den Politikexperten eine typische Frau:

Familienministerin Manuela Schwesig

Familienministerin Manuela Schwesig (Bild: dpa/ Bernd von Jutrczenka)

Sie nicht:

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel (Bild: dpa/ Kay Nietfeld)

Eine Frau hat also nach Ansicht von Lanz und Spreng Emotionen zu zeigen und immer zu lächeln, sonst agiert sie nicht klassisch weiblich? Man kann ja über die Frage diskutieren, wie von Männern geprägte Berufsfelder funktionieren und wie Frauen sich darin fühlen.

Aber: Wie wäre es, mit ihnen selbst darüber zu diskutieren?

Ganz abgesehen davon: Wie die äußere Erscheinung einer Frau hier zum Thema gemacht wird, ist erschreckend. Der einzige Mehrwert aus dieser Runde: Es zeigt, mit was für Absurditäten sich Frauen im Job immer noch auseinandersetzen – und welche Diskussionen sie sich gefallen lassen müssen.

Ob es um Angela Merkel geht oder irgendeine unbekannte andere Frau – Verhaltensweisen von Menschen sind unterschiedlich. Die Weiblichkeit einer Frau in Frage zu stellen, weil sie bei Pressekonferenzen nicht in Tränen ausbricht, ist weltfremd und erklärt wohl auch, warum überhaupt so wenige Frauen Lust haben, sich im Politikbetrieb zu engagieren.

Und wie haben sich eigentlich die anderen Männer in der Runde verhalten? Der irritierte Blick von Hugo Egon Balder fasst unsere Gefühle zusammen, gebremst hat er die Diskussion aber leider nicht:

Hugo Egon Balder

Hugo Egon Balder (Bild: ZDF)

Was denkst du?


Style

So mutig zeigen sich Brustkrebsüberlebende auf der New York Fashion Week

15.02.2017, 11:14 · Aktualisiert: 15.02.2017, 11:14

Diese Frauen haben Brustkrebs überlebt und sind stolz darauf. Manche von ihnen ließen sich die Brust komplett abnehmen, andere haben Wiederherstellungs-OPs hinter sich. Auf der New York Fashion Week finden sie die Kraft, in Unterwäsche über den Laufsteg zu gehen und machen damit Frauen auf der ganzen Welt Mut.