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06.02.2018, 16:27

Die Malediven sind vor allem: ein Urlaubsparadies. Taucher aus aller Welt kommen hierher, um Walhaie und Mantarochen zu sehen. Luxustouristen träumen von weißen Sandstränden und Cocktails unter Palmen.

Nun hat das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausgesprochen. Touristen sollen einen Bogen um Malé machen, die Hauptstadt der Malediven. So steht es in einer am Dienstag aktualisierten Warnung. Wer steckt hinter den Unruhen auf den Malediven? Die wichtigsten Antworten:

1. Was ist passiert?

Auf den Malediven gilt seit Montag der Ausnahmezustand. Staatschef Abdulla Yameen hatte ihn ausgerufen, um gegen Demonstranten in Malé vorzugehen. Sicherheitskräfte dürfen nun willkürlich gegen Verdächtige vorgehen. (SPIEGEL ONLINE)

Yameen regiert die Malediven werden seit 2013 autokratisch. In den vergangenen Tagen waren immer mehr Menschen auf die Straße gegangen, um gehen ihn zu demonstrieren.

  • Der Grund: Der Oberste Gerichtshofs der Malediven hatte vergangene Woche die Freilassung mehrerer inhaftierter Oppositionspolitiker angeordnet. Yameen ignorierte aber das Urteil – und provozierte so die Unruhen.

So ist die Stimmung vor Ort:

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2. Was sagt das Auswärtige Amt?

In der Reisewarnung heißt es, die weitere Entwicklung im Land sei unvorhersehbar. Urlauber sollten daher aufmerksam Nachrichten lesen und die Hauptstadt Malé nicht besuchen. Sie sollen sich stattdessen gleich in die Urlaubsresorts auf den einzelnen Inseln bringen lassen.

Die Malediven

Das Inselreich der Malediven ist eine Art doppelter Staat: Die Einheimischen leben vor allem auf der überfüllten und zugebauten Hauptstadtinsel Malé. Vielen ist verboten, andere Inseln zu besuchen, es gelten strenge islamische Gesetze.

Touristen, die auf Malé landen, werden mit Schiffen und Wasserflugzeugen auf die Ferieninseln gebracht. Dort können sie sorgenfrei Urlaub machen, es gelten lockere Bekleidungsvorschriften und es gibt Alkohol.

3. Wie ist die Lage für die Einheimischen?

Auf den Malediven leben nur knapp 428.000 Menschen. Viele von ihnen sind sehr jung, viele haben keinen Job, obwohl Luxustouristen ins Land kommen. Der Grund: Jeder zweite Angestellte im Land ist Gastarbeiter, sie kommen zum Beispiel aus Bangladesch oder Indien. Die sind für die Resorts oft (noch) billiger als Malediver. (Minivan News)

Die Bevölkerung lebt daher vor allem auf der Hauptinsel Malé, die von Sicherheitskräften der Regierung kontrolliert wird. Eine Perspektive haben nnur wenige von ihnen. So sieht die Hauptstadtinsel Malé aus:

Und so zum Vergleich eine der Ferieninseln für Touristen:

(Bild: Imago)

Auch deswegen wenden sich viele junge Malediver Islamisten zu, die bieten gute Gehälter. Hunderte haben sich in den vergangenen Jahren dem "Islamischen Staat" angeschlossen. (The Independent)

Die Regierung tut nichts gegen die Entwicklung, tatsächlich befeuert Präsident Yameen sie sogar.

4. Wer ist Präsident Yameen?

Staatspräsident Abdulla Gayoom Yameen regiert die Malediven seit Ende 2013 – er entstammt einer Diktatorenfamilie. Sein Halbbruder Maumoon Abdul Gayoom herrschte drei Jahrzehnte lang autokratisch über das Inselreich. Gayoom hatte die Opposition unterdrückt und die Medien zensiert, Yameen tut es ihm heute gleich.

Die Malediven erlebten nur eine kurze demokratische Phase. 2008 wurde der Demokrat Mohamed Nasheed gewählt. Er war durch ein Foto bekannt geworden, das ihn bei einer Regierungssitzung unter Wasser zeigt. Nasheed wollte damit auf den drohenden Anstieg des Meeresspiegels und den Klimawandel hinweisen:

(Bild: EPA/Maldives Presidency)

2012 putschte die Diktatorenfamilie Gayoom gegen Nasheed, nach mehreren Unruhen wurde Yameen schließlich Präsident und die Malediven wieder zur Diktatur. (The Guardian)

  • Yameen hat die Todesstrafe (auch gegen Minderjährige) eingeführt, lässt seine Bürger flächendeckend überwachen, viele Oppositionspolitiker sind im Gefängnis.
  • Kritik an der Regierung ist per Gesetz verboten, unabhängige Medien wurden gesperrt.
  • Ex-Präsident Nasheed wurde in einem umstrittenen Verfahren wegen Terrorismus verurteilt, er floh daraufhin ins Exil nach London. (Mehr dazu findest du auch bei Amnesty International.)

Eigentlich hatte das Oberste Gericht nun dieses Urteil gegen Nasheed aufgehoben. Doch Diktator Yameen will es nicht anerkennen – seitdem ist neues Chaos ausgebrochen

5. Wer steckt wirklich hinter den Unruhen?

Indirekt Saudi-Arabien. Das arabische Königreich lebt eine sehr strenge Auslegung des Islam, den Wahhabismus. Frauen werden in Saudi-Arabien in ihren Rechten beschränkt, Minderheiten nicht toleriert. Experten sagen, der Wahhabismus fördert islamistische Ideen. (Mehr zu Saudi-Arabien findest du auch hier.)

Seit Jahren exportiert das saudische Königreich seine radikalen Ideen – in andere arabische Länder, nach Europa, nach Asien. Saudi-Arabien finanziert Moscheen, schickt Prediger, verteilt Geld (Al-Monitor). So umgarnen die Saudis auch die Malediven.

Im vergangenen Jahr versprach Saudi-Arabien Investitionen in Höhe von zehn Milliarden Dollar (New York Times). Der Diktator Yameen und der saudische König Salman haben sich bereits mehrmals besucht (Arab News).

Das bedeutet: Diktator Yameen nimmt das saudische Geld und akzeptiert im Gegenzug, dass sich Jugendliche in Moscheen radikalisieren. Die entstehenden Spannungen versucht er mit Gewalt zu ersticken. So steuert er das Inselparadies der Malediven noch weiter ins Chaos.

Auch im Jemen mischt Saudi-Arabien mit:


Tech

3D-Zebrastreifen sollen deutsche Autofahrer zum Bremsen bringen

06.02.2018, 15:56

Schon bald könnten sie in Hamburg und Braunschweig getestet werden.

Hamburg und Braunschweig könnte schon bald 3D-Zebrastreifen testen lassen. Sie sollen Autofahrer dazu bringen, langsamer zu fahren – und so Unfälle verhindern. Der Gedanke: Die Fahrer könnten annehmen, dass es sich um ein tatsächliches Hindernis handelt und deshalb abbremsen.

Am Mittwoch entscheidet der Bezirksstadtrat des Braunschweiger Stadtteils Lehndorf, ob dort ein solcher Zebrastreifen eingesetzt wird. An der betroffenen Stelle gibt es bereits einen Zebrastreifen und es gilt Tempo 30.