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02.02.2018, 19:19 · Aktualisiert: 02.02.2018, 20:10

Sogar ihre eigenen Stipendiaten kritisieren die Konrad-Adenauer-Stiftung.

Was ist passiert?

Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) hat für Samstag zu einer Anti-Gender-Veranstaltung nach Mainz eingeladen. Unter dem Titel "Gender, Instrument der Umerziehung?" dürfen Gender-Gegner ihre radikalen Thesen verbreiten. Gegenrede? Im Programm nicht vorgesehen.

Vorgetragen wird, warum Mann und Frau "zum Glück verschieden" sind, warum feministische Sprache nichts bringe und sich "die Gender-Debatte" gegen die Familie richte.

(Bild: Screenshot der Einladung)

Worum soll es genau gehen?

Der Einladungstext wirkt, als hätte ein AfD-naher Gender-Gegner seinen Hass in eine Veranstaltung gegossen. Tatsächlich wurde er von Karl-Heinz B. van Lier verfasst, Leiter des Politischen Bildungsforums der KAS in Rheinland-Pfalz.

  • Er schreibt: "Wer heute Mann ist, kann sich morgen als Frau definieren. Dass diese auf Selbstoptimierung ausgerichtete Ideologie, die in ihrer verkürzten Logik die Familie negiert, mit dem christlichen Menschenbild nichts zu tun hat, ist offenkundig."
  • Das will er mit einem Zitat von Papst Franziskus belegen, der die Gender-Theorie als "Feind der Ehe" bezeichnet hat. "Es gibt heute einen Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören."
  • Der KAS-Mann schließt mit dem Verweis auf den Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera, der behauptet, die Gendertheorie halte keiner wissenschaftlichen Prüfung stand.

Wer sind die Redner?

Unter anderem sollen sprechen:

  • Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Sprach- und Politikwissenschaftlerin: Sie trat bereits auf dem Symposium der "Demo für alle" auf. Das ist eine fundamentalchristliche Bewegung, die sich unter anderem gegen die vermeintliche "Gender-Ideologie" ausspricht. (Queer)
  • Josef Kraus, bis 2017 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes: Bei einem Fernsehauftritt erklärte er, dass die gleichberechtigte Förderung von Nicht-Heterosexuellen für ihn lediglich eine "Ideologie" sei. Außerdem hält er Unterricht für verfassungswidrig, der Schülern Akzeptanz und Befürwortung von Hetero-, Bi-, Homo- und Transsexualität lehre. (Blogbeitrag)
  • Tomas Kubelik, Buchautor und Gymnasiallehrer: Der Titel seines Buches lautet "Genug gegendert! Eine Kritik der feministischen Sprache". Er meint, "emanzipierte Frauen haben das nicht nötig." (Blogbeitrag)

Diese erzkonservativen Thesen haben ganz offensichtlich nichts mit einer ergebnisoffenen Diskussion zu tun. Warum sind keine Menschen eingeladen, die tatsächlich zu Gender-Studies an Unis forschen und wirklich Ahnung vom Thema haben?

Was genau ist Gender denn – und wo liegt das Problem?

Gender ist das englische Wort für soziales Geschlecht – im Unterschied zum biologischen. Gender Studies beschäftigen sich mit der Rolle dieses sozialen Geschlechts in der Gesellschaft. Zum Beispiel wird erforscht, wie Frauen in Filmen dargestellt werden und was das für Konsequenzen für unser aller Verhalten hat. Eine typische Annahme: Ob jemand eine Gebärmutter hat oder nicht, sagt wenig über seine Vorlieben und Talente aus (SPIEGEL DAILY). Dabei bemühen sich die Forscher um wissenschaftliche Unvoreingenommenheit, soweit das möglich ist. (Zeit Online)

Sprachlich knüpft die KAS-Einladung an die Kritik der AfD an der Gender-Forschung an. Es ist von "Gender-Ideologie" die Rede. Der Vorwurf lautet in der Regel, dass Gender-Theoretiker versuchen würden, Frau und Mann gleich zu machen, obwohl sie doch von Natur angeblich so unterschiedlich seien. Die Unterscheidung zwischen biologischem Geschlecht und dem, was uns durch unsere Umwelt, unsere Erziehung angewöhnt wird, ignorieren viele Kritiker dabei.

In Facebook-Gruppen der KAS stieß die Einladung deshalb auf heftige Kritik.

  • Aktuelle und ehemalige Stipendiaten der Stiftung haben sich über die Veranstaltung beschwert. Einige schreiben auf Facebook, die Veranstaltung habe nichts mehr mit Meinungsfreiheit zu tun, sie sei Hetze.
  • Andere wiederum freuen sich, dass auch ihre Meinung mal auf einem Podium vertreten wird: "Die Gender-Ideologie stellt eine Bedrohung für unserer Gesellschaft dar."

Wie reagiert die KAS?

Bei der Stiftung zeigt man sich entspannt: "Das Thema ist kontrovers, entsprechend kontrovers sind die Reaktionen. Das kann ich verstehen", sagt KAS-Sprecher Tobias Bott zu bento. Das Thema verdiene es "von beiden Seiten diskutiert zu werden".

Eine weitere Veranstaltung sei für den Herbst geplant. Dort solle dann auch anderen Sichtweisen Raum gegeben werden. "Wir haben Gegner und Befürworter nicht auf ein Podium bekommen. Deshalb haben wir zwei Veranstaltungen gemacht."

Die Zusammenstellung der Redner und den Text der Einladung könne man für unglücklich halten. "Ich gebe zu, dass die Einladung sich einseitig liest", sagt Bott. "Ich hoffe aber, dass die Veranstaltung am Samstag nicht so einseitig sein wird."

Die KAS hält die Einladung trotzdem für eine Grundlage für eine "sachbezogene Diskussion". Eine einhellige Meinung zu Gender-Studies liege dort nicht vor.

Am Ende bleibt nur diese ebenso flapsige wie falsche Erkenntnis der KAS:

"Bislang wurde schon vor der Veranstaltung viel über das Thema gesprochen – eigentlich ist das doch ganz gut."

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