Bild: dpa/Michael Kappeler

10.06.2018, 19:11 · Aktualisiert: 10.06.2018, 21:05

"Als ich angekündigt habe, Andrea Nahles zu wählen, ging es richtig ab."

Kevin Kühnert bekommt regelmäßig Hasskommentare auf Facebook und Twitter. Und jetzt hat er genug davon: Er habe sich vorgenommen, "häufiger in Kommentarspalten einzuschalten und zu widersprechen", schreibt er in einem Facebook-Post. "Nicht nur auf meiner Seite, sondern vor allem bei anderen." Wir haben mit ihm über seinen Plan gesprochen.

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Der Auslöser

Kühnert greift sich einen öffentlichen Hasskommentar heraus. Darin wird ihm der Tod gewünscht:

"Als ich ihn las, hat es mir einige Augenblicke die Sprache verschlagen", schreibt Kühnert. Ihn würden häufiger solche Nachrichten erreichen, das Beispiel sei aber ein besonders krasses.

Jemand anderem völlig ungerührt den Tod zu wünschen, ihn gar herbeizusehnen, ist eine Grenzüberschreitung und ein Zivilisationsbruch sonders gleichen.
Kevin Kühnert
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Der Hass gegen ihn

Kühnert bekommt regelmäßig Hass in sein Postfach gespült, das meiste lese er. Nicht immer werde ihm der Tod gewünscht. "Aber der Ton wird schon rauer", sagt er zu bento. "Insbesondere als ich in einem Interview angekündigt habe, dass ich Andrea Nahles als Parteivorsitzende wählen würde, ging es richtig ab."

Er wundere sich bei einer solch streitbaren Entscheidung nicht über Kritik.

"Aber zwischen sachlicher Kritik oder Enttäuschung einerseits und blankem Hass andererseits gibt es halt einen himmelweiten Unterschied."
Üble Pöbeleien muss sich – auch in der Politik – wirklich niemand bieten lassen.​
Kevin Kühnert zu bento
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Der Hass der Anderen

Erst kürzlich hatte Claudia Roth erzählt, wie viel Beleidigungen, Hass und Beschimpfungen sie tagtäglich ertragen muss. Von anonymen Nutzern und auch von AfD-Politikern. Ihre Schlussfolgerung: Bei Frauen werde der Hass schnell sexualisiert – und sei noch mal heftiger.

Bei bento schilderte auch Ricarda Lang, Bundessprecherin der Grünen Jugend, wie ihr Körper immer wieder thematisiert wurde – obwohl es ihr nur um ihre politischen Anliegen geht. Sie sagt:

"Viele meinen, dass die Trolle gewinnen, wenn man auf sie reagiert. Aber ganz ehrlich: Wenn wir solche Kommentare ignorieren, dann akzeptieren wir sie."

(Bild: Ricarda Lang)

Kühnert sieht das ähnlich. Auch er wisse, dass Frauen besonders im Fokus stünden. Seine Vorgängerin auf dem Juso-Chefposten, Johanna Uekermann, habe "noch viel krassere Sachen im Postfach" gehabt, sagt er.

"Insbesondere viele Typen scheinen gegenüber Frauen eine noch niedrigere Hemmschwelle zu haben und beschreiben beispielsweise Vergewaltigungsfantasien der übelsten Sorte. Widerlich."

(Bild: dpa/Kay Nietfeld)

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Sein Plan

Kühnert will nun zu solchen Posts und Nachrichten nicht mehr schweigen – und er fordert andere Internet-Nutzerinnen und -Nutzer auf, es ihm gleichzutun. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass solche Posts der übliche Umgangston seien.

Allein Kühnerts Vorhaben wird das Hass-Problem im Internet mit Sicherheit nicht lösen. Als koordinierte Initiative wie Jan Böhmermanns Reconquista Internet sei seine Idee auch nicht gedacht, sagt er zu bento. Trotzdem wolle er künftig mehr Zeit aufwenden, um in den Kommentaren bei sich und seinen Freunden Stellung zu beziehen.

Das wird nicht immer Spaß machen, aber wir müssen uns häufiger dazu überwinden.
Kevin Kühnert

Food

Roster, Rote, Ahle: Weißt du, woher diese Würste kommen?

10.06.2018, 19:00 · Aktualisiert: 10.06.2018, 11:55

Es gibt wohl wenige Nationen auf der Welt, die so stolz auf ihre Würste sind, wie die Deutschen. In Darm gepresstes Fleisch ist hier Kult. Und jede Region hat ihre eigene ganz originale Wurstspezialität.

Vom Allgäu bis an die Nordsee werden Würste geräuchert, gebraten oder gebrüht – und es gibt so manchen Streit, wer sie erfunden hat.