Bild: Marc Röhlig

Gerechtigkeit

Warum streiten sich alle um Jerusalem?

07.12.2017, 14:19

US-Präsident Donald Trump hat Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt. Die US-Botschaft soll von Tel Aviv dorthin verlegt werden – die Jahrtausende alte Stadt soll dadurch als einzig echte Hauptstadt Israels geadelt werden (bento).

Trump hat damit in einem Jahrzehnte andauernden Streit eine Basta-Entscheidung getroffen – mit noch unbekannten Auswirkungen auf die Region.

Die israelische Regierung jubelte, arabische Regierungen der Nachbarländer kritisierten Trumps Schritt hingegen. Bereits am Donnerstag rief die palästinensische Terrororganisation Hamas zu einer neuen Intifada auf, so werden die arabischen Aufstände in Israel genannt (SPIEGEL ONLINE).

  • Was macht Jerusalem für Juden und Muslime so wichtig? Was bedeutet Trumps Entscheidung für den Konflikt? Hier sind die wichtigsten Antworten.

Worum geht es im Nahostkonflikt?

Lokaler
Lokaler
1/12

Wem gehört Jerusalem?

Religiös gesehen gehört es allen drei Weltreligionen gemeinsam. In der Altstadt Jerusalems stehen die Zeugnisse ihre Geschichte:

  • Juden verehren die Stadt, weil sie Heimat ihrer Tempel war. Der jüdische König David machte die Stadt um 1000 vor Christus zur Hauptstadt, der erste Tempel wurde errichtet. Später wurde der Tempel zerstört und wieder aufgebaut. 70 Jahre nach Christus ließen die Römer diesen Tempel zerstören – die Klagemauer gilt heute als der letzte erhaltene Teil des Tempels.
  • Christen verehren die Stadt, weil Jesus hier gepredigt hat. Er soll in Jerusalem gekreuzigt und bestattet worden – und schließlich auch dort auferstanden sein. Am Ort der Kreuzigung und des Grabes steht heute die Grabeskirche in der Altstadt. Der Leidensweg Jesu führt entlang der Via Dolorosa quer durch die Altstadt.
  • Muslime verehren die Stadt, weil sie die Al-Aqsa-Moschee und den Felsendom beherbergt. Vom Ort des Felsendoms soll der Prophet Muhammad mit seinem geflügelten Pferd in den Himmel gereist sein. Das Gebäude mit der Goldkuppel steht auf dem Tempelberg – also dem Ort, wo früher der jüdische Tempel stand.

Politisch gesehen ist Jerusalem zwischen Israelis und Palästinensern aufgeteilt.

  • Der Westen der Stadt gehört Israel, der Osten faktisch den Palästinensern – letztere sehen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen Palästinenserstaates an.
  • Tatsächlich hatte Israel jedoch 1967 den Ostteil der Stadt besetzt und 1980 annektiert. Diese Annexion wird von der Internationalen Staatengemeinschaft allerdings nicht anerkannt.
  • Heute leben mehr als 200.000 Israelis in illegalen Siedlungen unter den rund 370.000 Palästinensern in Ost-Jerusalem. (SPIEGEL ONLINE)

Das heißt: Jerusalem ist für alle Seiten eine emotionale Angelegenheit. Die Stadt nur einer Gruppe zuzusprechen, entspannt die Lage im Nahen Osten also nicht.

1/17

Wie ist die Lage in Jerusalem heute?

Vor allem das Leben in der Altstadt sorgt immer wieder für Spannungen – hier leben Juden, Christen und Muslime auf engstem Raum. Außerdem stehen hier ihre Heiligtümer.

Mehrere christliche Konfessionen streiten sich um die Nutzung der Grabeskirche. Die israelische Polizei hindert immer wieder muslimische Gläubige am Zugang zum Tempelberg – und dem dortigen Felsendom. Palästinensische Jugendliche attackieren immer wieder Juden, erst im Sommer war es zuletzt zu Ausschreitungen gekommen (bento).

Viele Palästinenser werden von Israel als Bürger zweiter Klasse behandelt. In Jerusalem dürfen sie nur als "Wohnberechtigte" leben, selbst wenn sie seit Generationen in der Stadt wohnen. Die Erlaubnis muss regelmäßig erneuert werden, vielen Palästinensern wird sie aberkannt.

  • Die Folge: Israel "entledigt" sich Stück für Stück der Palästinenser, siedelt eigene Bürger um und schafft Fakten. Obwohl genau das von der Uno nicht anerkannt und kritisiert wird.

Trump legitimiert nun mit seiner Entscheidung diese völkerrechtswidrigen Handlungen.

Wie geht es weiter?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es zu größeren Ausschreitungen kommen. Die Terrorgruppe Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, hat bereits zu einem neuen Aufstand gegen Israel aufgerufen – in der Stadt Betlehem gerieten am Donnerstag Demonstranten und israelische Soldaten aneinander:

Wie besonnen die Mehrheit der Israelis und Palästinenser jetzt mit der Lage umgehen, wird zeigen, ob sich die Straßenkämpfe zu einer neuen Intifada oder gar einem Krieg auswachsen.

Oder ob die Ernennung Jerusalems zur jüdischen Hauptstadt durch die USA nur ein symbolischer Akt bleibt – und die Menschen im Land den Scharfmachern widerstehen können.


Musik

Dein Spotify-Jahresrückblick ist Mist? Kein Problem, meiner auch!

07.12.2017, 14:08 · Aktualisiert: 07.12.2017, 16:10

Spotify liefert eine echte Enttäuschung.

2017 war für mich ein verdammt aufregendes Jahr: Erst eine Weltreise, dann ein traumhafter Sommer in Frankreich, danach eine Trennung und schließlich ein neuer Job. Alles war mit dabei.  

Und die richtige Musik lieferte mir den Soundtrack zu jeder dieser Situationen: Egal wo ich bin, die Kopfhörer sind immer mit dabei. Ob Hoch oder Tief, es gibt immer den passenden Song dazu.  

Seit einigen Tagen bietet mir der Streamingdienst Spotify netterweise eine Sammlung zu dem Chaos in meinem Leben an. "Deine Top-Tracks aus 2017" nennt sich diese Playlist. Enthalten sind die Tracks, die jeder Nutzer am meisten gestreamt hat. Was ich also am häufigsten dieses Jahr gehört habe, landet dann in dieser Liste. Ich bin gespannt.

Für mich kann es dieses Jahr nur einen Hit geben.