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26.02.2018, 16:42 · Aktualisiert: 27.02.2018, 12:36

Was ist passiert?

"Die Pille danach ist kein Smartie." Dieser Satz stammt von Jens Spahn. Der CDU-Politiker wollte damit begründen, warum die Pille danach seiner Meinung nach nicht rezeptfrei erhältlich sein sollte.

Der Satz an sich stimmt natürlich, doch ganz glücklich ist der Vergleich vielleicht trotzdem nicht. Schon 2014 erntete er dafür viel Kritik – der Hashtag #wiesmarties entstand.

Jetzt macht der Satz und der entsprechende Tweet wieder die Runde. Denn Jens Spahn soll Deutschlands neuer Gesundheitsminister werden. Das verkündete Angela Merkel am Sonntagabend.

Und ziemlich viele Menschen sind nicht wirklich begeistert von dieser Idee:

Was steckt hinter Jens Spahns Äußerung?

Der Satz war kein Ausrutscher, Spahn hat ihn in einem Gastbeitrag für "Zeit Online" ganz bewusst an den Anfang seines Artikels gestellt. In dem Artikel rechtfertigte Spahn seine Meinung.

Seine Position: Eine Beratung mit dem Arzt sei unabdingbar. Spahn zitiert Studien zu Nebenwirkungen, erklärt, dass die Arztdichte in Deutschland recht hoch sei.

Sie ist und bleibt ein Medikament mit Nebenwirkungen, das nicht bedenkenlos eingenommen werden sollte.
Jens Spahn in einem Gastbeitrag über die Pille danach

Insofern ist der Satz mit den Smarties nur die Zuspitzung einer Position, die Spahn mit Argumenten unterfüttert. Er schrieb zu dem Thema, als der Bundestag darüber diskutierte. Mittlerweile ist die Frage entschieden:

Frauen können nun auch in Deutschland die Pille danach in Apotheken kaufen – ohne einen Arzt aufzusuchen.

Der Smartie-Vergleich ist typisch Spahn. Der 37-Jährige hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen damit gemacht, möglichst lautstark und provokant aufzutreten.

Spahn beschimpfte zum Beispiel vermeintliche Berliner Hipster, die ihm zufolge ständig nur Englisch sprechen. Das sei das "Symptom einer bedauerlichen kulturellen Gleichschaltung".

Mit dieser Methode ist Spahn zum größten und populärsten Merkel-Kritiker in seiner Partei aufgestiegen. Er vertritt diejenigen, die Merkel für zu sozialdemokratisch halten und sich nach einem echten Konservativen an der Unionsspitze sehnen. (bento)

Machte Spahn Lobbyarbeit für die Gesundheitsindustrie?

Ja. Als Bundestags-Abgeordneter verdiente Jens Spahn offenbar an Lobbyarbeit für die Gesundheitsindustrie – ohne die Nebenverdienste öffentlich zu machen. Das enthüllte der Focus 2006.

Spahn gründete Spahn laut dem Bericht mit befreundeten Lobbyisten eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Diese war im Besitz der Agentur "Politas", die Kunden aus dem Medizin- und Pharmasektor beriet. Die Agentur warb mit den guten Kontakten in den Bundestag:

Ganz gleich, ob es um eine Anhörung, ein Hintergrundgespräch oder um eine Plenardebatte geht. Wir sind für Sie dabei.

Spahn bestritt einen Interessenkonflikt. Er sei außerdem nicht in das Tagesgeschäft der Agentur eingebunden gewesen, sagt er. Nach seiner Wahl zum gesundheitspolitischen Sprecher habe er 2010 die Beteiligung beendet. (T-Online)

Trotzdem gilt Spahn als Experte in der Gesundheitspolitik. In seiner Zeit als zuständiger Sprecher der Union habe er sich tief in die Feinheiten des deutschen Gesundheitssystems eingearbeitet, heißt es. Sogar der politische Gegner lobt ihn. Jens Spahn sei "keine schlechte Wahl", sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach am Montag. ("Die Welt")

Allerdings scheint das nicht alle Spahn-Kritiker zu beruhigen.


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