Bild: Michael Kappeler/dpa

Gerechtigkeit

CDU-Politiker fürchtet sich vor "Hipster"-Eliten in Berlin

23.08.2017, 16:00 · Aktualisiert: 23.08.2017, 17:31

Plump, plumper, Jens Spahn.

Jens Spahn ist wieder da. Der CDU-Politiker will gerade im Wahlkampf auf sich aufmerksam machen, vor Kurzem hatte er sich über englischsprachige Kellner in Berlin beschwert (bento).

Jetzt legt er in der "Zeit" nochmal nach: 

Jens Spahn lästert über "elitäre Hipster", die sich von der deutschen Gesellschaft abschotten würden. Weil sie untereinander Englisch reden.

Die allgegenwärtige Verwendung des Englischen in deutschen und europäischen Großstädten sei als "das augenfällige Symptom einer bedauerlichen kulturellen Gleichschaltung" zu werten, sagte Spahn im "Zeit"-Interview.

Kulturelle Gleichschaltung, echt jetzt? 

Wovor hat Jens Spahn Angst? Dass in ein paar Jahren alle nur noch Englisch sprechen? So ein Unsinn, der CDU-Politiker verzerrt die Realität. Und hinter allem steckt nicht mehr als Wahlkampftaktik

Spahn ist in der eigenen Partei isoliert, bei Merkel in Ungnade Gefallen. Schon seit Monaten versucht er, möglichst stark zu polarisieren. Erst beschwerte er sich über angebliche "arabische Muskelmachos", dann kam die Sache mit den Kellnern, jetzt sind die Hipster das nächste große Problem. 

Das ist Kalkül. Spahns Ziel: Aufmerksamkeit um jeden Preis. Die "Hipster" würden sich "hipsterhaft" aufs Englische verlegen und so abschotten.

Klar, es gibt in Berlin Hipster, die Hipster-Cafés eröffnen, um anderen Hipstern Hipster-Kaffee zu servieren. Aber das ausgerechnet am Englischen aufhängen?

Da liegt Spahn inhaltlich daneben. Die Verwendung der englischen Sprache sei "provinziell", junge Menschen blieben unter sich.

  • Warum sollte es provinziell sein, wenn so viele Menschen aus verschiedenen Ländern in einer Stadt leben, dass man sich bisweilen auch auf Englisch unterhält?
  • Inwiefern ist es provinziell, wenn ein Grieche oder ein Spanier vor der Wirtschaftskrise flieht, sich einen Job als Kellner in Berlin sucht – und nebenbei Deutsch lernt?
  • Und was ist provinziell daran, wenn sich Deutsche mit Nicht-Deutschen auch auf Englisch unterhalten?

Man muss sich das mal vorstellen: Menschen ziehen nach Berlin und wollen mit uns Deutschen reden. Und wir mit ihnen. Das ist ein ziemlich europäischer Gedanke. 

Jens Spahn ist auch ein Europäer. Glaubt er zumindest: Im Februar 2015 schrieb er: "Ich bin Teil einer Generation, die Europa wirklich lebt. Für uns ist es normal, in Helsinki, Barcelona, London, Paris, Warschau oder Bukarest zu leben, zu studieren, zu arbeiten." 

Vielleicht sollte er sich diese Sätze noch mal durchlesen. Die Menschen, die Jens Spahn beschimpft, sind nicht provinziell. Er ist es.


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