Bild: dpa/EPA/Yahya Arhab

Gerechtigkeit

Hier entwickelt sich gerade die größte Hungerkatastrophe der Welt

09.11.2017, 15:40 · Aktualisiert: 09.11.2017, 20:35

Sie wird verursacht durch einen unserer engsten Verbündeten: Saudi-Arabien.

Im Jemen hungern Millionen von Menschen. Und kaum einer kann – oder will – etwas unternehmen.

In dem Land im Süden der Arabischen Halbinsel tobt seit Anfang 2015 ein Bürgerkrieg. Viele Menschen sind von der Außenwelt komplett abgeschnitten. Nun warnt die Uno: Dem Jemen droht die größte Hungerkatastrophe der Welt, schlimmer noch als wir es aus afrikanischen und asiatischen Ländern kennen.

Das sagte der Uno-Nothilfekoordinator Mark Lowcok in New York:

"Es wird nicht wie die Hungersnot im Südsudan in diesem Jahr sein, wo Zehntausende Menschen betroffen waren. Es wird nicht wie die Hungersnot 2011 in Somalia sein, wo 250-000 Menschen ums Leben gekommen sind. Es wird die größte Hungersnot sein, die die Welt seit vielen Jahrzehnten gesehen hat – mit Millionen von Opfern."

Dass eine Katastrophe bevorsteht, liegt vor allem an einer Blockade von Saudi-Arabien.

Gemeinsam mit anderen arabischen Ländern haben sie die Grenzen zum Jemen geschlossen, Schiffe sperren die Häfen. Saudi-Arabien nimmt so das ganze Land als Geisel.

Der jemenitische Bürgerkrieg

Der Jemen war einst zweigeteilt wie Deutschland. 1990 übernahm der Norden den sozialistischen Süden – ein Bürgerkrieg brach aus. Von der Spaltung hat sich das Land nie ganz erholt, im Arabischen Frühling 2011 kam es erneut zum Chaos.

Die neue Regierung wurde von schiitischen Huthi-Rebellen aus dem Norden des Landes vertrieben, im Osten macht sich die sunnitische Terrororganisation Al-Qaida breit. Seit März 2015 bombardiert zudem das Nachbarland Saudi-Arabien den Jemen. Laut Menschenrechtlern treffen die Bomben vor allem Zivilisten. Mehr zum Jemen auf bento.

Die Blockade betrifft auch Hilfsorganisationen und Ärzte.

  • "Ärzte ohne Grenzen" sagt, es wird seit drei Tagen an der Einreise gehindert:

Das ist besonders tragisch. Die Ärzte behandeln eine im Land ausgebrochene Cholera-Epidemie. Vor wenigen Wochen konnten sie erstmals einen Rückgang der Erkrankungen vermelden (bento).

  • Auch das Rote Kreuz wird an Helfen gehindert:

Es konnte nach eigenen Angaben Chlortabletten nicht einführen. Diese werden zur Trinkwasseraufbereitung genutzt und im Kampf gegen die Krankheit gebraucht.

  • Menschen im Jemen berichten, dass das Benzin knapp wird:

Die Preise für Benzin sind laut der Uno seit Verhängung der Blockade über Nacht um mehr als 60 Prozent gestiegen, für Kochgas um mehr als hundert Prozent.

Aber am Schlimmsten: Die Lebensmittel werden knapp. Nach Angaben der Uno sind nun sieben Millionen Menschen von Hunger bedroht.

Die Zivilisten im Land zahlen somit den Preis für einen Krieg, der über ihre Köpfe hinweg geführt wird. Denn hinter dem Bürgerkrieg stecken vor allem Saudi-Arabien und der Iran. Beide Staaten buhlen um die Vormacht im Nahen Osten, sei es in Konflikten in Syrien, im Irak, in Afghanistan – oder eben im Jemen.

Dort unterstützt der Iran Rebellen und sorgt so für Chaos, Saudi-Arabien bombardiert deshalb das Land und zermürbt die Menschen mit seiner Blockade. So schlimm steht es um die Zivilbevölkerung:

Hani Mohammed/dpa
Hani Al-Ansi/dpa
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Was geht uns das an?

Politiker sprechen oft davon, "Fluchtursachen" bekämpfen zu wollen – also Menschen in Not dort zu helfen, wo sie leben. Im Jemen geschieht nun eine der größten Tragödien unserer Zeit.

Die Menschen haben aber kaum die Möglichkeit, auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen: Wenige können wegen der Blockade fliehen, auch sonst ist der Jemen nur von Wüste und Wasser umgeben. Und im Netz gibt es auch kaum Aktivisten; das Land ist zu zerstört, um über Social Media oder andere Kampagnen für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Saudi-Arabien und Iran können diesen Krieg jeweils nicht gewinnen – wollen ihn aber auch nicht verlieren.

Europäische Länder, darunter Deutschland und Großbritannien, beliefern Saudi-Arabien mit Waffen. Der bettelarme Jemen leidet also weiter – dank unserer Hilfe.


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5 Gründe, jetzt "Mord im Orient-Express" im Kino zu gucken

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