Bild: IS-Propagandavideo

08.02.2018, 18:12

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) setzt jetzt auf Frauen – allerdings geht es nicht etwa um Gleichberechtigung. In einem neuen Propagandavideo sind erstmals Frauen zu sehen, die aktiv kämpfen.

Das im Netz verbreitete Video zeigt fünf komplett verhüllte Frauen zu sehen, die sich auf einem Pick-up-Truck zu einem angeblichen Kampfeinsatz bringen lassen. Eine davon greift später zur Kalaschnikow und feuert an der Seite mehrere Dschihadisten Schüsse ab.

Bislang waren Islamistinnen in der IS-Propaganda vor allem Hausfrauen – nun kämpfen sie plötzlich. Hinter dem Video steckt pure Verzweiflung.

Längst ist der IS in Syrien und im Irak auf dem Rückzug. Viele einst von der Miliz eroberte Gebiete wurden wieder befreit, die meisten Führungsmitglieder sind tot oder untergetaucht. (bento)

Das neue Propagandavideo soll über diese Fakten hinwegtäuschen – und mit den IS-Frauen nun die letzten Kämpferinnen mobilisieren.

1/12

Das Video zeigt Szenen, die offenbar bei Gefechten in Syrien aufgenommen wurden. Es wird auf Englisch und Arabisch im Netz verbreitet. Die Terrorexpertin Rita Katz, die Propagandamaterial im Netz untersucht, hält es für authentisch.

Im Video sagt der Erzähler, die "Märtyrer-Frauen" würden den Männern in den Krieg nachfolgen, "um Rache für ihre Religion zu nehmen". Sie würden angeblich gegen die "abtrünnigen Kurden" kämpfen. Gemeint sind damit höchstwahrscheinlich die kurdische Miliz YPG und die von Kurden geführte Demokratischen Kräfte Syriens (SDF). Beide Gruppen haben den IS im Norden Syrien stark zurückgedrängt und unter anderem die IS-Hochburg Rakka befreit.

Noch vor wenigen Monaten waren Frauen in der IS-Propaganda vor allem Hausfrauen.

In Publikationen wurde ihre Rolle als unterstützend beschrieben, sie sollten dem Mann ein gutes Zuhause bereiten, wenn er vom Kampf zurückkommt. Einige Frauen durften sich auch in einer Art Geheimdienst beteiligen. Trotzdem, in den meisten IS-Magazinen waren Sätze wie diese zu lesen:

Die Frau ist die Schafhirtin im Haushalt ihres Ehemannes und trägt die Verantwortung für ihre Herde.

Im vergangenen Oktober tauchten dann erstmals Pamphlete auf, die von Frauen forderten, sich darauf vorzubereiten, zur "Mudschahidat" zu werden – zur heiligen Kriegerin. Kurz darauf gab es eine offizielle Direktive, die ihnen die Erlaubnis zum Kampf erteilte. (Washington Post)

Das ist eine grobe Änderung in der Propaganda der Islamisten. Lange Zeit versuchte es der IS vor allem mit "Pop-Dschihadismus", also einer lockeren, modernen Darstellung seines barbarischen Alltags. IS-Interessenten aus Europa sollten sogar mit Nutella angelockt werden:

Die neue Härte in den Videos ist eine brutale und zunehmend verzweifelte Handlung – denn dem einstigen "Kalifat" fehlt es an Kämpfern.

Viele Männer wurden bei Angriffen der kurdischen Milizen oder der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition getötet. Andere hat der IS selbst in den Tod geschickt – als Selbstmordattentäter. Wieder andere sind geflohen, zurück nach Europa. Allein aus Deutschland waren in den vergangenen Jahren knapp 1000 Männer und Frauen nach Syrien gereist, etwa ein Drittel ist nun wieder da. (SPIEGEL ONLINE)

Die meisten davon sind auf freiem Fuß, der Verfassungsschutz warnt vor allem vor heimgekehrten Frauen, die sich radikalisiert haben.

Die Botschaft des Propagandavideos strahlt damit auch an IS-Anhängerinnen in Europa: Greift zur Waffe, verübt Anschläge. Ob sie verfängt, ist eine andere Frage. Denn durch die plötzlich geänderte Meinung der IS-Führung, dass Frauen jetzt doch den Kochlöffel mit der Kalaschnikow tauschen können, zeigt die Terrormiliz vor allem eins:

Der IS stricht seine Horrorwelt nicht nach islamischen Regeln – sondern baut sie auf Willkür.

Mehr zum Thema:


Today

Martin Schulz als Außenminister? Warum das gut ist

08.02.2018, 18:11 · Aktualisiert: 12.02.2018, 11:33

Martin Schulz wird aller Voraussicht nach neuer deutscher Außenminister. Als sich am Mittwoch Union und SPD auf einen möglichen Koalitionsvertrag einigten, drangen auch erste Personalentscheidungen an die Öffentlichkeit.

Nun werden die Rufe laut, Schulz habe sein Wort gebrochen. Das stimmt. Aber:

Als Außenminister könnte sich Schulz endlich wieder um sein Herzensthema Europa kümmern. Nach Brexit, Rechtsruck und dem lauter werdenden Ruf nach starken Nationalstaaten ist so jemand wichtiger denn je. 

Warum Martin Schulz jetzt genau der richtige Außenminister ist, erklären wir im Video.

Und warum manch andere Personal-Entscheidung ziemlich daneben ist, hier: