Bild: IS-Propagandaseite/Montage: bento

Gerechtigkeit

Islamisten posen gerne mit Nutella. Warum machen die das?

08.06.2017, 18:48 · Aktualisiert: 10.06.2017, 12:33

Wenn Islamisten ihr Verständnis von Religion predigen, bleibt meist wenig Platz für Frohsinn: Frauen wie Männer sollen sich züchtig kleiden, Musik und Filme sind verboten, Sport und andere westliche Freuden auch. Das einzige, was ein guter Dschihadist nach Sicht des "Islamischen Staates" (IS) macht ist: kämpfen und beten.

Und Nutella löffeln.

So wirkt es auf jeden Fall, wenn man Anhängern des IS im Netz folgt. Viele von ihnen posten Bilder mit Nutella-Gläsern, oder auch mit anderen Süßigkeiten und Fast Food. Eine neue Studie aus Schweden hat jetzt untersucht, was das soll. Sie heißt "Das digitale Kalifat: Einblick in die Propaganda des Islamischen Staates". 

Die Kernaussage: Den IS-Kämpfern geht es nicht um Religion, sondern um eine Kultur, die die Forscher "Jihadi Cool" nennen.

Die Forscher untersuchen IS-Propaganda im Netz von März 2015 bis 2019, jetzt wurde ein erstes Zwischenergebnis veröffentlicht. Wie jede Jugendkultur habe "Jihadi Cool" eigene Erkennungsmerkmale, von der eigenen Musik über Baggypants bis hin zu speziellen Handzeichen, sagt Lisa Kaati, die Herausgeberin der Studie, der schwedischen Zeitung "The Local". Und eben Nutella. 

Viele von Dschihadisten verbreiteten Fotos und Videos wirken auf den ersten Blick normal – wäre da nicht ein Maschinengewehr oder ein Messer mit im Bild. 

Nutella, Gewehr und süße Weintrauben – so inszenieren sich IS-Kämpfer im Netz:

IS-Propagandaseite
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Die Fotos sollen möglichst westlich wirken – und möglichst subtil den IS als einen normalen Staat darstellen. Das sei genau das Kalkül, sagt Forscherin Kaati. "Erst siehst du eine Person im Supermarkt, die ein Nutella-Glas in die Höhe hält, dann bemerkst du, dass er ein Maschinengewehr geschultert hat." 

Viele dieser Fotos kamen bereits 2014 auf, als der IS in Teilen Syriens und des Irak sein "Kalifat" ausgerufen hat. Bei der Führungsriege des IS handelt es sich nicht um gottesfürchtige Muslime, sie ist eher ein mafiöser Clan von Kriminellen und Übriggebliebenen der Armee des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein. 

Der Islam ist für den IS nur Mittel zum Zweck. 

Muslime sollen mit dem Versprechen gelockt werden, für die gute Sache zu kämpfen. Tatsächlich folgen viele arabische Kämpfer dem IS, weil er gute Gehälter zahlen kann. Muslime aus dem Westen musste der IS jedoch eher ideell anlocken. 

Da kommt "Jihadi Cool" ins Spiel, sagt die Studie. Vor allem junge Migranten in Europa, die zwischen zwei Kulturen aufwuchsen, sollen durch die Propaganda verführt werden – mit einem "echten" Islam kombiniert mit den Vorzügen des Westens. 

"Die Ideologie steht dabei nach dem Lifestyle nur an zweiter Stelle", sagt Kaati. "Viele lassen sich durch die Coolness verführen, wie bei Grand Theft Auto." Es gehe um Gangsterkultur und nicht um ein frommes Leben.

So gelang der Aufstieg des IS:

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Erst Ende 2016 änderte sich die Ansprache langsam. Statt Nutella wurden immer häufiger Schlachtszenen gezeigt. Zwar gab es Bilder von Enthauptungen und Pfählungen auch schon 2014 – aber damals richteten sich viele der grausamen Bilder an die Feinde des IS im arabischen Raum. Für den Westen war weiterhin die Utopie vom funktionierenden Kalifat reserviert.

Dieses Kalifat existiert so jedoch nicht mehr. Vor allem seit Mitte 2016:  

Seitdem hat auch die IS-Führung ihrer Ansprache an potenzielle neue Kämpfer geändert. Es gehe jetzt nicht mehr darum, nach Syrien oder in den Irak auszuwandern – sondern in Europa Anschläge auf eigene Faust zu verüben (bento). 

Über viele Propagandakanäle, zum Beispiel im Onlinemagazin "Dabiq", fordert der IS Anhänger gezielt auf, mit Fahrzeugen oder Messern auf Menschen loszugehen (hier erfährst du mehr über das Magazin). Die Anschläge in Berlin, in Frankreich und in Großbritannien zeigen auf erschreckende Weise, dass dieser Appell funktioniert. 

Daher sind Studien wie die von Lisa Kaati wichtig: Sie entzaubern die Propaganda der Islamisten. Und entlarven, dass der IS mit dem "echten" Islam ungefähr so viel zu tun hat wie die Vorzüge des Westens mit einem Nutella-Glas. 

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