Bild: Getty Images/Jeff J Mitchell

20.12.2017, 16:00 · Aktualisiert: 20.12.2017, 19:11

Plötzlich Hoffnungsträgerin: 7 Fakten über Inés Arrimadas

Plötzlich umringen Dutzende Menschen Inés Arrimadas. Bodyguards schirmen die 36-Jährige von ihren Fans ab. So gut es eben geht. Arrimadas ignoriert die Männer, macht Selfies mit den Menschen. Immer lauter werden die Rufe: "Arrimadas, presidenta!"

Minuten zuvor hat sie auf dem Plaza de Catalunya in Barcelona auf einer Demo eine Rede gehalten und gegen die katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen gewettert. Zehntausende Menschen haben ihr zugehört.

Das war am 12. Oktober, dem spanischen Nationalfeiertag. Ein paar Tage später wird das katalanische Parlament die Unabhängigkeit erklären und die spanische Regierung als Reaktion darauf die Regierung der Katalanen ab- und Neuwahlen ansetzen (bento).

Die Stimmung zwischen Gegnern und Befürwortern der Unabhängigkeit ist seit Monaten eisig – nun stehen die Neuwahlen an.

Führende Politiker der Unabhängigkeitsbewegung sitzen im Gefängnis. Der abgesetzte katalanische Präsident Carles Puigdemont harrt in einer Art selbstgewähltem Exil in Brüssel aus (bento). In Spanien drohen ihm bis zu 30 Jahre Haft, unter anderem wegen Rebellion.

Und Inés Arrimadas? Nach ihren Auftritten auf den großen pro-spanischen Demos in Barcelona im Herbst war endgültig klar: Sie könnte es schaffen, sie könnte die Neuwahlen gewinnen und die katalanischen Separatisten in ihre Schranken weisen.

Seitdem ist Arrimadas aufgestiegen zum Popstar der Menschen, die sich Kataloniens schweigende Mehrheit nennen.

Einen Tag vor den Neuwahlen liegt sie laut Umfragen zumindest bei den Wählerstimmen vorne (El Pais). Das Rennen ist knapp, momentan sieht es bei der Sitzverteilung nach einem Patt aus. Aber wenn jemand zumindest eine erneute Mehrheit der katalanischen Nationalisten verhindern kann, dann sie.

Wer ist die Frau, die nun plötzlich die Hoffnungen der Unabhängigkeitsgegner symbolisiert? Hier sind 7 Dinge, die dir das Phänomen Inés Arrimadas erklären:

1. Inés Arrimadas ist prospanisch – und kompromisslos.

(Bild: Imago/Ramon Costa)

In Katalonien geht es dieser Tage nicht um die besten Maßnahmen gegen die vielen Arbeitslosen. Entscheidend ist diese eine Frage: Bist du für oder gegen die Unabhängigkeit? Die Wahlen sind eine Haltungsfrage, und Haltung hat Arrimadas. Sie gibt die radikalste Antwort aller Gegner der "Independencia". Sie will die Unabhängigkeit Kataloniens um jeden Preis verhindern.

Die Absetzung der katalanischen Regierung durch Madrid hatte ihre Partei schon lange gefordert. Arrimadas Partei, die liberalen "Ciudadanos", wurden gegründet, um den Separatisten etwas entgegenzusetzen. Auch mit Gefängnisstrafen für die ehemaligen Minister scheint Arrimadas kein Problem zu haben.

2. Ein bisschen ist sie wie Christian Lindner – nur weniger peinlich.

(Bild: Getty Images/Jeff J Mitchell)

Auffällig viele Kandidaten der "Ciudadanos" sind jung, klug und schön. Im Unternehmenssprech würde man sie young professionals nennen: Qualifiziert, mehrsprachig, durchsetzungsfähig. Auch das Programm der Partei ist vergleichbar mit dem der FDP: Steuern runter, Bürokratie abbauen, die Wirtschaft fördern, Nationalismus verhindern.

Für die "Independentistas" ist sie deswegen eine Hassfigur, nicht mehr als eine Handlangerin des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy. Den mag in Katalonien kaum jemand. Seine Partei spielt bei den Wahlen so gut wie keine Rolle.

3. Sie stammt nicht aus Katalonien.

Geboren wurde Inés Arrimadas in Andalusien, in Jérez de la Frontera, einer Stadt im äußersten Süden Spaniens. Die Herkunft ist wichtig in Katalonien, auch wenn die Nationalisten stets betonen, jeder könne Katalane sein, unabhängig von der eigenen Herkunft. Das Klischee der faulen Einwanderer aus dem Süden hält sich dennoch hartnäckig.

Arrimadas spricht akzentfreies Katalanisch, im Parlament hält sie ihre Reden dennoch meist auf Spanisch. Sie tut das bewusst, denn viele Katalanen stammen nicht aus der Region, sondern sind aus dem armen spanischen Süden eingewandert. So wie sie.

Diese Menschen sind die Kernwählerschaft der "Ciudadanos". Um ihnen eine Stimme zu geben, sagt Arrimadas Sätze wie diese:

"Meine Eltern, Geschwister und Neffen leben in Andalusien. Ich werde nicht zulassen, dass sie ihren Pass zeigen müssen, wenn sie mich besuchen! Die Mehrheit der Katalanen fühle sich katalanisch, spanisch und europäisch. In unseren Herzen haben diese drei Identitäten Platz. Und ich werde nicht zulassen, dass sie unser Herz zerreißen."

Das Video der Rede ging viral. Tausende Menschen teilten es auf Facebook.

4. Ihr Mann war erst Separatist – dann lernte er sie kennen.

Arrimadas heiratete Xavier Cima vergangenes Jahr in Andalusien. Der hat sich inzwischen aus der Politik zurückgezogen, offenbar um der Karriere seiner Frau nicht im Weg zu stehen. Zuvor war er Abgeordneter einer Partei, die für die katalanische Unabhängigkeit eintrat.

5. Sie ist erst seit 2011 Politikerin.

(Bild: Imago)

Mit 18 Jahren zog sie nach Sevilla, um dort Jura und Betriebswirtschaft zu studieren. Danach arbeitete sie als Beraterin. Mit ihrem Parteieintritt begann der Aufstieg. Ausgerechnet auf sie, die vergleichsweise unerfahrene Politikerin, kommt es nun an in den Tagen, in denen die Katalanen über ihr Schicksal entscheiden. Verliert Arrimadas, steht die nächste Kraftprobe mit dem spanischen Staat an.

6. Sie hat Instagram verstanden.

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Niemanden interessieren langweilige Fotos von Wahlkampfreden. Arrimadas weiß das. Auf Instagram inszeniert sie sich vor allem als Privatperson. Eine Weltenbummlerin sei sie, schreibt Arrimadas in ihrem Profil. Früher spielte sie Fußball, heute läuft sie die Hügel Barcelonas rauf und runter.

Wir sehen Fotos aus ihrer Jugend, aus Badezimmern, aus Fitnesstudios, von Freundinnen in Tapas-Bars. Arrimadas lässt die Menschen näher ran als die meisten anderen Politiker und schafft es dabei auch noch, authentisch zu wirken. Unter ihren Bildern kommentieren Menschen: "Ich liebe deine Natürlichkeit."

7. Arrimadas könnte die meisten Stimmen bekommen – und trotzdem nicht Präsidentin werden.

(Bild: Getty Images/Jeff J Mitchell)

Ob ihre "Ciudadanos" wirklich stärkste Kraft werden, ist noch längst nicht klar. Die Partei werde in Umfragen überschätzt, argwöhnen die anderen Parteien, das ist in der Tat schon mehrmals passiert. Um zur neuen Präsidentin gewählt zu werden, bräuchte Arimadas zudem Koalitionspartner.

Derzeit sieht es allerdings nach einem Patt aus. Eine Mehrheit von Parteien, die gegen die Unabhängigkeit sind, ist unwahrscheinlich. Eine Mehrheit der Separatisten-Parteien ist wahrscheinlicher, aber dennoch keineswegs sicher.

Deswegen hat Arrimadas bis zuletzt versucht, ihre Anhänger zu mobilisieren. In den vergangenen Jahren waren es stets nur die Befürworter der Unabhängigkeit, die massenhaft an die Urnen strömten. Das könnte am Donnerstag anders sein. Auch dank Inés Arrimadas.

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