Gerechtigkeit

Wie Frauen im Iran mit Radfahren gegen die Regierung protestieren

21.09.2016, 08:39 · Aktualisiert: 21.09.2016, 11:10

"Wir haben uns sofort zwei Fahrräder besorgt."

Im Iran ist oft schon Alltägliches politisch. Selbst Radfahren. Mit einem Video, das zwei Frauen auf Rädern zeigt, protestieren Aktivisten gegen ein neues Radfahr-Verbot für Frauen. Das Video wurde bislang knapp 100.000 Mal angeschaut.

Ayatollah Khameini, das religiöse Oberhaupt des Landes, hat das Verbot jetzt in einer Fatwa ausgesprochen (Die Fatwa auf leader.ir). Darin heißt es schlicht:

"Frauen dürfen in der Öffentlichkeit und an Orten, wo sie von Passanten gesehen werden können, nicht Fahrrad fahren."

Fatwen sind islamische Rechtsgutachten, mit denen Gelehrte Empfehlungen aussprechen können, wie sich ein guter Gläubiger zu verhalten hat. Zwingend sind sie allerdings nicht (bento).

Khameini gilt als regiliöser Fundamentalist. Er hatte bereits in der Vergangenheit zahlreiche frauenfeindliche Äußerungen getätigt und empfohlen, Frauen sollten sich "um die Mutterschaft und den Haushalt kümmern" ("The Independent").

Worum geht es in dem Video?

In dem Video ist zu sehen, wie zwei verhüllte Frauen mit dem Rad über eine Sandpiste fahren. Eine davon erklärt dabei in die Kamera, worum es ihnen geht:

"Meine Mutter und ich sind aus Teheran. Radfahren ist Teil unseres Lebens. Wir haben gehört, dass Khameinis Fatwa Frauen das Fahrradfahren verbietet. Wir haben sofort zwei Räder gemietet um zu zeigen, dass wir nicht aufgeben. Es ist unser Grundrecht und wir werden es nicht aufgeben."

Das Video siehst du hier:

Iranian Mother and daughter: we're not giving up cycling

این فیلم کوتاه را یک مادر و دختر از ایران به صفحه آزادی های یواشکی فرستادند. پیام ساده شان به رهبر جمهوری اسلامی است که اخیرا گفته بود دوچرخه سواری برای زن حرام است: دوچرخه سواری زندگی ما شده و ما حاضر نیستم ورزش مان را کنار بگذاریم Mother and daughter's direct message to the new Fatva of the Supreme Leader of Iran:"We Love Cycling and we are not going to give up". Yesterday the supreme leader of Iran issued a fatwa (a religious edict) in which he ruled that riding bicycles for women is a sinful act. How do you view this fatwa? How do you think Iranian society will respond to this fatwa? #من_عاشق_دوچرخه_ام #IranianWomenLoveCycling

Posted by ‎My Stealthy Freedom آزادی یواشکی زنان در ایران‎ on Montag, 19. September 2016

Auf Instagram wurde die Kampagne fortgesetzt: Unter dem Hashtag #IranWomenLoveCycling zeigen Iranerinnen im In- und Ausland, dass sie sich demonstrativ den Wünschen der Ayatollahs widersetzen. Die Fotos wurden tausendfach geliket.

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Was steckt hinter der Fahrrad-Fatwa?

Der Ansage Khameinis geht ein längerer Streit voraus. Eine mit Frauenrechten beauftragte iranische Politikerin hatte vor drei Wochen auf Twitter geschrieben, dass Radfahren im Einklang mit dem islamischen Recht stehe. Daraufhin hatten iranische Medien offiziell bei der Regierung nachgefragt. Khameini äußerte sich demnach zunächst ausweichend: Frauen dürften Radfahren, wenn es keinen Mann in der Nähe störe. (BBC, auf Persisch)

Am Sonntag dann schob Khameini die Fatwa hinterher – und verbot Radfahren komplett. Dieser Fatwa stehen jedoch andere Fatwen entgegen. Viele islamische Gelehrte erlauben Radfahren mit der simplen Begründung, dass Frauen in den Anfängen des Islam vor rund 1400 auch auf Kamele reiten durften.

Wer organisierte jetzt die Protestaktion?

Initiiert wurde die Social-Media-Bilder von der Aktivistengruppe "My Stealthy Freedom" ("Meine heimliche Freiheit"). Dahinter steckt die heute in London lebende Journalistin Masih Alinejad. Sie hatte im Mai 2014 schon einmal aufgerufen, gegen frauenfeindliche Vorschriften im Iran zu protestieren. Damals posteten Frauen Bilder, die die sie demonstrativ ohne Kopftuch zeigten, um so auf ihre Selbstbestimmung zu pochen.

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Gerechtigkeit

Bei seiner letzten Rede hatte Obama zwei Lieblinge und einen Gegner

21.09.2016, 07:54 · Aktualisiert: 01.03.2017, 14:43

Er kann’s noch: Mit einer großen Rede hat sich US-Präsident Obama von den Vereinten Nationen verabschiedet. Es war die letzte Rede, die der derzeitige US-Präsident vor der UN-Vollversammlung in New York hielt – schon im nächsten Jahr könnte hier Donald Trump stehen. Das war offensichtlich auch Obama bewusst.

Immer wieder sagte er Sätze, die zwar an die Weltöffentlichkeit gerichtet waren, aber eigentlich wie Wahlempfehlungen an Amerikaner klangen. So warnte Obama: "Die Welt ist zu klein, als dass wir einfach eine Mauer bauen könnten, um uns zu schützen" (SPIEGEL ONLINE). Genau das ist eine der Lieblingsforderungen von Trump.