Bild: Bundeswehr

Gerechtigkeit

Rechtsextreme wollen Rettungsboote stoppen – jetzt werden sie gestoppt

14.06.2017, 14:24

Mehr als 1800 Flüchtlinge sind seit Anfang 2017 im Mittelmeer ertrunken (IOM). Die Zahl ist schmerzhaft hoch – ohne die Arbeit freiwilliger Retter wäre sie noch höher. Gruppen wie "Sea-Watch" und "Jugend rettet" kreuzen mit eigenen Booten das Mittelmeer und retten Flüchtlinge, die in Seenot geraten. (bento)

Eine kleine Gruppe von Rechtsextremen will nun die Lebensretter an ihrer Arbeit hindern: Die sogenannten "Identitären" haben in den vergangenen Wochen Geld gesammelt, um selbst mit einem Boot auf dem Mittelmeer unterwegs zu sein. Sie wollen die Rettungsarbeiten behindern. Klarer ausgedrückt: Um Menschen ertrinken zu lassen.

Mehr als 63.000 Euro haben die Rechtsextremisten für ihr menschenverachtendes Projekt gesammelt. Jetzt wurden die Gelder eingefroren.

Die Spendengelder gingen auf ein Paypal-Konto ein. Nachdem Aktivisten wie etwa das Peng-Kollektiv auf Twitter dazu aufriefen, das Konto sperren zu lassen, hat das Unternehmen reagiert: Am Dienstag wurde das Konto der Rechtsextremen eingefroren

Paypal hat schon in der Vergangenheit Accounts wegen "Förderung illegaler Aktivitäten" eingefroren. Vor sieben Jahren traf es die Enthüllungsplattform WikiLeaks. (SPIEGEL ONLINE)

(Bild: Twitter)

(Bild: Twitter)

Die "Identitären" haben jedoch noch weitere Konten – unter anderem bei der Sparkasse Paderborn-Detmold

Warum hilft die Sparkasse den Rechtsextremisten?

Die Sparkasse möchte klarstellen, dass sie "die Thematik nicht unterstützt", sagt uns der Pressesprecher Olaf Saage.

Als öffentlich-rechtliche Bank sei sie jedoch rechtlich verpflichtet, Konten für jeden zu führen – anders als private Unternehmen wie Paypal, die darüber frei entscheiden könnten, mit wem sie Geschäfte machen.

Schon mehrfach wurden Sparkassen von Gerichten dazu verdonnert, der rechtsextremen Partei NPD Konten einzurichten. Sparkassen dürfen die Arbeit von politischen Parteien nicht behindern. Nur weil das Konto einer NPD-Gruppe jahrelang im Minus stand, macht ein Gericht eine Ausnahme. (Endstation Rechts)

Alles muss sich eine Sparkasse aber nicht gefallen lassen: Dem Rechtsextremisten Horst Mahler wurde von der Berliner Sparkasse ein Konto gekündigt, damit der keine Straftat begehen konnte – er hatte versucht, vor einer Strafe ins Ausland zu flüchten.

Raoul Kopacka
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Raoul Kopacka
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Warum machen die "Identitären" das überhaupt?

Sie werfen den Helfern auf dem Mittelmeer vor, mit Schleppern zusammenzuarbeiten – so würden mehr Flüchtlinge motiviert, nach Europa zu kommen. Sich selbst stellen die "Identitären" als Aktivisten dar, die auf eigener "Rettungsmission" unterwegs sind, angeblich zum Schutz Europas. In ihren Videos warnen sie vor einer angeblichen "Invasion" von Afrikanern.

Nach eigenen Angaben haben etwa 1200 Spender mehr als 63.000 Euro gesammelt. Aktuell haben die "Identitären" aber noch nicht einmal ein Boot für ihre menschenverachtende Sabotageaktion.

Stimmt das? Kommen mehr Flüchtlinge, weil Helfer auf dem Mittelmeer auf sie warten?

  • Nein, sagt Charles Heller von der University of London zu tagesschau.de. Er hat den Vorwurf mit anderen in einer Studie empirisch widerlegt. Demnach gab es schon einen Anstieg der Flüchtlingszahlen, bevor die meisten der NGOs aktiv wurden. 
  • Auch Forscher der Oxford University wollten herausfinden, ob mehr Menschen fliehen, wenn es mehr Chancen auf Rettung gibt. Ihr Fazit: Mehr Retter führen nicht zu mehr Flucht. Mehr Retter bedeuten einfach weniger Tote (WDR).
  • Was hingegen stimmt: Flüchtlinge, die die Überfahrt geschafft haben, senden Nachrichten in die Heimatländer. Das führt dazu, dass sich mehr Menschen auf den Weg nach Libyen machen (bento).

Wie kann ich helfen?

Seitdem die Europäische Union ihr Rettungsprogramm "Mare Nostrum" gestoppt hat und auf hoher See vor allem ihre Grenzen schützt, sind es vor allem kleine, private Initiativen, die vor Ort aktiv helfen. Inzwischen gibt es schätzungsweise zehn private Schiffe, die zur Rettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer aktiv sind.

Diese vier Organisationen sind besonders bekannt:

Eine weitere Gruppe, die ebenfalls mit einem eigenen Schiff helfen möchte, nennt sich Mission Lifeline und kommt aus Sachsen. Viele der Aktivisten haben bereits beim "Dresden-Balkan-Konvoi" an Land geholfen. Für ihren ersten Einsatz auf See sammelt die Organisation derzeit noch Spenden.

Welche Organisationen sind vertrauenswürdig?

Die meisten der Organisationen sind so klein, dass sie sich kein offiziellen Spendensiegel zulegen. Ruben Neugebauer von Sea-Watch sagt: "Wir stecken über 90 Prozent unserer Spenden direkt in die Arbeit vor Ort."

Auch die anderen Organisationen nennen ähnliche Zahlen. Gebraucht werden die Spenden, um die Schiffe am Laufen zu halten, Hilfsgüter zu kaufen, medizinische Betreuung zu leisten und die Rettungseinsätze zu koordinieren. Der Großteil der Besatzungen arbeitet ehrenamtlich.

Wie kann ich ohne Geld helfen?

Abgesehen von Spenden benötigen die Organisationen auch praktische Hilfe. Die meisten haben aber bereits eingespielte Teams aus Technikern und Medizinern an Bord und suchen derzeit keine Besatzungsmitglieder mehr – mit Ausnahme von Sea-Eye.

Aber auch in Deutschland wird Hilfe gebraucht: Beispielsweise, um weitere Unterstützung zu organisieren oder Veranstaltungen durchzuführen, zum Beispiel mit SOS Mediteranée.

Noch wichtiger ist eine andere Politik. Neue Lösungen, damit niemand mehr auf dem Schlauchboot übers Meer fliehen muss. Dafür können wir alle etwas tun: Im Herbst sind schließlich Bundestagswahlen.


Style

Dieser Typ bastelt die Mode der Stars nach – aus Nudeln und Teppichresten

14.06.2017, 14:21 · Aktualisiert: 14.06.2017, 15:31

Instagram ist der rote Teppich im Netz – wer hier gesehen werden will, muss schön sein, muss bunt sein, muss auffallen wollen. Unzählige Accounts überbieten sich mit schillernder Mode, oft in den immer gleichen Posen mit den immer gleichen gespitzten Lippen. Hauptsache, das Outfit knallt. 

Doch dann ist da noch der Schauspieler und Komiker Tom Lenk. 

Auf seinem Instagram-Account macht er alles falsch – und daher viel richtig. Tom bastelt die Outfits nach, die andere Stars auf dem roten Teppich und Instagram präsentieren und zieht sie selbst an. Das sieht großartig komisch aus. Und hält der Instagram-Oberflächlichkeit auf amüsante Weise den Spiegel vor.