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Gerechtigkeit

Ich bin Transgender - 5 Tipps, wie du mein Leben leichter machen würdest

03.09.2017, 11:58 · Aktualisiert: 03.09.2017, 11:58

Du fühlst dich wohl mit dem Geschlecht, das dir bei deiner Geburt zugewiesen wurde?

Glückwunsch, dann bist du cisgender! Mir geht es anders als dir.

Ich bin transgender und ich bin, nun ja, frustriert.

Denn für mich fühlt sich der ganz normale Alltag oft an wie ein Parcours-Lauf: Ständig muss ich kunstvoll soziale Hürden überwinden, ich schwitze und fluche - aber anders als beim Sport sind die Hindernisse in meinem Weg für viele unsichtbar.

Als Cis-Mensch warst du vermutlich noch nie in einer Situation, in der du deinem Gegenüber dein Geschlecht erklären musstest.

Geoutete Trans-Menschen wie ich müssen das dagegen ständig: Wenn die Sprechstundenhilfe beim Arzt nicht weiß, wie sie mich im Wartezimmer rufen soll.

Wenn ich mit meiner hohen Stimme beim Bewerbungsgespräch sitze, bei dem ich mich als Lukas beworben habe. Wenn meine Nachhilfeschüler verwirrt sind, weil ich unter den falschen Pronomen angekündigt wurde. Ich könnte tausende solcher Beispiele aufzählen.

Sich wieder und wieder vor Fremden zu outen ist stressig – besonders, weil mein Gegenüber plötzlich nicht mehr weiß, wie er oder sie sich im weiteren Gespräch verhalten soll.

Dabei könnte es so einfach sein!

Mit den folgenden Tipps möchte ich dir helfen, solche unangenehmen Situationen zu vermeiden, um dein Leben – und meins – ein bisschen einfacher zu machen.

Mehr Texte zum Thema Transsexualität findest du hier:

Baal Fashion
Cassils and Robin Black
Jamie Raines
Tim Kummert
Fritz Gebhardt
dpa/Britta Pedersen
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1. Frag nach Pronomen

Wenn du dir nicht sicher bist, wie du dein Gegenüber ansprechen solltest, dann frag einfach ganz direkt nach:

Welche Pronomen bevorzugst du? Wie möchtest du angesprochen werden?

Ich bin jedes Mal begeistert, wenn mir jemand diese Frage stellt, denn es kommt viel zu selten vor!

Aber Achtung: Die Frage diskret oder unter vier Augen stellen. So riskierst du nicht, dein Gegenüber in Verlegenheit zu bringen oder gar gegen seinen/ihren Willen zu outen.

2. Ich weiß schon, dass ich “normal” bin.

Dass mir völlig fremde Personen bestätigen wollen, wie 'normal' ich in ihren Augen bin, gehört zu meinem Alltag.

Trans-Menschen müssen sich oft vor allem in “offiziellen” Situationen outen, gerade wenn sie noch vor einer Namens- und Personenstandsänderung stehen. Dazu zählen beispielsweise Arztbesuche, Termine mit Behörden oder auch Bewerbungsgespräche.

Möchte ich von meinem Versicherungsvertreter, der Kundenberaterin bei der Bank oder der Sprechstundenhilfe beim Zahnarzt wissen, wie tolerant er oder sie transgeschlechtlichen Menschen gegenüber eingestellt ist?

Eigentlich nicht, auch wenn das alles lieb gemeint ist.

Lasst doch einfach Taten sprechen und behandelt uns genau so wie eure cisgeschlechtlichen Kundinnen und Kunden.

3. Erst überlegen, dann reden.

Dieser Tipp gilt eigentlich für den Umgang mit allen Menschen, aber ich möchte ihn an dieser Stelle noch einmal betonen.

  • “Sie müssen eine sehr schwere Kindheit gehabt haben."
  • "Wurden Sie in der Schule nicht gehänselt?"
  • "Toll, dass ihre Mutter Sie noch liebt."
  • "Wurden Sie schon operiert, na Sie wissen schon, untenrum?”

Das sind nicht etwa Sätze, die ich bei meinem Psychologen zu hören bekomme. Mit sowas komme ich beim Blutabnehmen, beim Friseur oder bei der Arbeit in Berührung.

Dass manche Dinge schlicht und einfach Privatsache sind, sollte sich von selbst verstehen.

4. Ausrutscher sind nicht schlimm

Wenn du mich versehentlich mit der falschen Anrede bzw. den falschen Pronomen ansprichst, dann ist das absolut kein Weltuntergang. Wichtig ist mir in solch einem Fall allerdings schon, dass du dich verbesserst und eventuell kurz entschuldigst, statt einfach weiter zu reden.

Diese Mode ist für Transgender-Kunden:

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Ich unterstelle wirklich niemandem Böses, wenn er oder sie ins Fettnäpfchen tritt.

Wir alle sind Menschen und wir machen alle mal Fehler.

Und natürlich gibt es auch reichlich Menschen, für die diese Tipps nichts Neues sind. Dennoch befinde ich mich als geouteter Trans-Mensch immer wieder in Situationen, die für alle beteiligten unangenehm sind - und die hätten vermieden werden können.

5. Ignoriere meine Identität nicht

Wenn du auf den Namen und die Pronomen einer Person hingewiesen wirst, ist es wichtig, dass du dir diese Information zu Herzen nimmst.

Namen und Pronomen machen für Transmenschen einen großen Teil der Identität aus. Wenn dieser Teil konsequent ignoriert wird, bedeutet das für uns eine anhaltende psychische Belastung.

Hinzu kommt, dass ich im Alltag ohnehin schon unter großer Anspannung leide: Meine Stimme, meine Haltung, mein Aussehen, jede noch so kleine Bewegung kann dazu führen, dass wir nicht so wahrgenommen werden, wie wir es uns wünschen.

Ich mag nicht so aussehen, wie du dir einen Mann vorstellst. Vielleicht kannst du mich gar keinem Geschlecht zuordnen.

Aber es ist wichtig für mich, von dir in meiner Identität respektiert zu werden, sein zu dürfen, wer ich bin.


Haha

Dieses "Influencer-Video" ist besser als jeder Wahl-Werbespot

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