Gerechtigkeit

Kann bitte jemand Hollywood sagen, dass Frauen auch Köpfe haben?

18.08.2016, 18:41 · Aktualisiert: 19.08.2016, 07:30

Frauen haben einen Kopf. Sie haben ein Gesicht, einen eigenen Willen, sind mehr als nur eine Erfüllungsgehilfin für männliche Lust.

Klar, denkst du dir jetzt. Weiß ich. Ist ja 2016. Aber dann schaut man sich den Tumblr von Marcia Belsky an: Die amerikanische Stand-up-Komikerin und Musikerin sammelt unter der Überschrift "Headless Women in Hollywood" Dutzende Filmplakate, alle zeigen das Gleiche: Frauen – ohne Kopf oder ohne Gesicht.

Im Slider: Viele Frauen, keine Köpfe

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Offenbar reichen den Machern Körper, Beine, Brüste, um die Rolle der jeweiligen Schauspielerin zu beschreiben. Auf den Plakaten funktionieren sie als Objekt der Begierde für Männer. Sie sind Deko. Die Motive sind ewig gleich: Eine Frau steht mit nackten, gespreizten Beinen vor Männern, die Kamera fängt die lüsternen Blicke der Betrachter ein. Die Poster zur Serie "Californication", die Plakate fast aller Bond-Filme, das zu "Crazy, Stupid, Love" – immer wieder: kein Kopf.

Frauen werden jeden Tag als austauschbare Körperteile inszeniert.
Marcia Belsky

"Frauen werden jeden Tag als austauschbare Körperteile inszeniert", sagt Marcia Belsky zu bento. "Das ist so alltäglich, dass wir es gar nicht mehr wahrnehmen. Ich glaube, dass diese Darstellung unser Selbstbild bestimmt. Wir beurteilen uns immer noch nach Standards, die uns Männer aufgedrängt haben." Zum ersten Mal sei ihr das im College aufgefallen. Mit ihrem Tumblr will sie darauf aufmerksam machen.

Wir werden mit solchen Bildern bombardiert und sie signalisieren uns, dass die Gedanken und Gefühle von Frauen entweder nicht existieren oder belanglos sind.
Marcia Belsky

Auch in Deutschland ist die Diskussion über solche Plakate entbrannt. Justizminister Heiko Maas will sexistische Werbung verbieten – und hat sich für den Gesetzentwurf von der feministischen Organisation Pinkstinks beraten lassen.

Der Aufschrei der Konservativen war unvermeidlich: "Erst Böhmermann Satire, jetzt unsere Sexualität", schrieb die "Welt" und missinterpretierte den Gesetzesentwurf als Forderung nach weniger Erotik. Man kann darüber streiten, ob es ein Verbot sexistischer Werbung braucht (bento). Wer Belskys Zusammenstellung auf sich wirken lässt, kann das Problem an sich aber kaum wegdiskutieren.

Tatsächlich haben wir uns so sehr an die Darstellung der Frau als Sexobjekt gewöhnt, dass es Tumblr wie die von Belsky braucht, damit uns das auffällt. Erst durch die Sammlung der Bilder wird uns bewusst, dass es Bereiche in unserem Alltag gibt, in denen wir solche Herabwürdigungen selbstverständlich finden. Es ist 2016 und immer noch sind Frauen auf den Plakaten erfolgreicher Filme keine Persönlichkeiten mit Gesicht und Charakter – sondern Sexobjekt.

Und die Männer?

Natürlich werden auch Männer in Werbung zu Sexobjekten degradiert. "Ich finde das nicht gut", sagt Marcia Belsky. Allerdings passiere das bei männlichen Figuren nicht so häufig wie bei weiblichen.

Selbst wenn Männer sexualisiert werden, behalten sie ihre Handlungsfähigkeit.
Marcia Belsky

Ihr ist noch ein weiterer Unterschied aufgefallen: "Selbst wenn Männer sexualisiert werden, behalten sie ihre Handlungsfähigkeit", sagt sie. Das "Deadpool"-Plakat zum Beispiel zeigt den Titelhelden mit einer schwarzen Pistole vor dem Schritt – sein Kopf ist nicht zu sehen. Darüber steht: "Wait 'til you get a load of this." Anders als die Frauen auf vielen Plakaten ist er aber kein passives Sexobjekt. Er hat den Witz auf seiner Seite, der Fokus liegt wieder nur: auf seiner Befriedigung.

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