Gerechtigkeit

Wie geht ihr mit dem Hass um? Sechs Autorinnen über Internet-Kommentare

31.01.2016, 13:17 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:26

"Sie ist dumm und denkt, Männer wären an allem Schuld!"

Nicht die Kommentare lesen" ist ein vielgehörter Ratschlag im Internet. Denn wenn es in einem Artikel um Sexismus, Diskriminierung, Asyl oder Migration geht, sammeln sich darunter wüste Beschimpfungen und blanker Hass. Um den eigentlichen Beitrag geht es oft gar nicht.

"Trollen" nennt sich das, wenn Kommentar-Schreiber versuchen, andere Nutzer oder die Autoren eines Beitrags zu provozieren. Das nervt – und gerade, wenn Artikel von Frauen geschrieben werden, wird aus dem Trollen schnell eine Beleidigung unter der Gürtellinie.

Wir haben mit sechs Autorinnen gesprochen und sie gebeten, die schlimmsten Kommentare zu kommentieren. Um uns mit ihnen zu solidarisieren. Um jene zu unterstützen, die mutig genug sind, ihre Meinung im Netz zu vertreten. Die auch Privates in die Öffentlichkeit tragen.

Hier sind ihre Antworten:

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Warum fällt es so schwer, sexistische Beiträge zu löschen?

Wissenschaftler nennen einen ideologischen Konflikt als Grund dafür, weshalb das Löschen von Trollbeiträgen speziell in feministischen Medien, Blogs oder Foren schwerfällt. Einerseits gilt im Internet das hohe Gut der freien Meinungsäußerung, das dazu beiträgt, dass wir Konflikte gerne innerhalb der Diskussionsrunde lösen möchten. Andererseits steht dieses Gut in einem widersprüchlichen Verhältnis zum feministischen Anspruch, einen geschützten Raum anzubieten, in dem alle das Wort ergreifen können, ohne dafür aufgrund ihres Geschlechts persönlich angegriffen zu werden.

Trolle sind häufig die Gewinner, indem sie diese Spannung bewusst ausnutzen. Wenn sie anschließend aufgrund von Beleidigungen blockiert werden, holen sie den beliebten Generalvorwurf "Feministinnen sind intolerant" hervor. Durch die Löschung ihres Beitrags fühlen sie sich zusätzlich bestätigt.