23.04.2018, 13:30 · Aktualisiert: 23.04.2018, 15:57

In der Hamburger Staatsoper ist kein Platz für einen Babybauch.

"Heute muss ich euch eine unerwartete Mitteilung machen", schrieb Julie Fuchs am Freitagabend auf ihrer Facebook-Seite.

Die 33-Jährige ist Opernsängerin aus Frankreich und seit Jahren auf Bühnen in ganz Europa zu sehen. So sollte es nun auch an der Hamburger Staatsoper sein: Julie hatte die Rolle der Pamina in Mozarts "Zauberflöte". Anfang Mai sollte es mit dem Stück losgehen, in dieser Woche beginnen die Proben. Doch nun wurde Julia mitgeteilt, dass sie leider doch nicht Teil der Produktion sein wird.

Der Grund: Die Sopranistin ist im vierten Monat schwanger.

Für Julie Fuchs kam diese Nachricht überraschend. "Wie ihr euch vorstellen könnt, bin ich sehr enttäuscht", schrieb sie in ihrem Post, "ich fühle mich stimmlich und physisch in Topform."

Sie ergänzte gegenüber bento, dass sie sich von der Produktion natürlich freiwillig zurückgezogen hätte, wenn sie sich nicht in der Lage gefühlt hätte, ihre Leistung zu bringen.

Today, I have an unexpected announcement to make: The Staatsoper Hamburg has unfortunately informed me just this week...

Gepostet von Julie Fuchs am Freitag, 20. April 2018

Eine Woche zuvor hatte sie ihren Fans in einem anderen Facebook-Post fröhlich von ihrer Schwangerschaft berichtet:

Chers tous, Aujourd’hui, il est temps de vous annoncer la grande nouvelle: mon compagnon et moi sommes extrêmement...

Gepostet von Julie Fuchs am Freitag, 13. April 2018

Damals schien noch alles in Ordnung zu sein. Nun kam die Reaktion der Staatsoper auf ihre Schwangerschaft.

Der Facebook-Post wurde bereits vielfach geteilt, hunderte Kommentare reihen sich an Julies Geschichte.

Viele davon raten ihr, die Staatsoper zu verklagen.

In normalen Arbeitsverträgen darf eine Frau nicht aufgrund einer Schwangerschaft entlassen werden. Wie genau Julies Vertrag aussah, wurde nicht mitgeteilt. Doch andere Sängerinnen berichten in den Kommentaren von ähnlichen Fällen, in denen sie geklagt und gewonnen haben. Eine Kollegin schrieb empört, dass sie bis kurz vor Ende der Schwangerschaft noch auf der Bühne gestanden habe.

Wegen des großen Wirbels hat die Hamburger Staatsoper ein Statement zu Julies Fall veröffentlicht.

Darin heißt es, man habe das Stück nicht entsprechend umschreiben können, sodass eine schwangere Frau gefahrlos die Rolle übernehmen könne. "Viele Szenen erfordern körperliche Anstrengung, einschließlich Flugszenen, die für schwangere Frauen verboten sind", sagte Tillmann Wiegand, der künstlerische Leiter der Staatsoper. (Le Figaro)

Dabei gibt Julie an, die Verantwortlichen bereits frühzeitig über ihre Schwangerschaft informiert zu haben: "Ich verstehe, dass meine Schwangerschaft bestimmte Vorkehrungen voraussetzt, welche Regie und Staatsoper treffen müssen. Aus diesem Grund habe ich der Staatsoper Hamburg die frühestmögliche Warnung gegeben (einen Monat vor Beginn der Proben), sodass sie genug Zeit gehabt hätten, mögliche Probleme zu lösen", sagt sie zu bento. Ihr sei bis zur vorigen Woche versichert worden, dass die Bühnenbedingungen für sie angepasst werden würden.

Dann kam die Nachricht, dass sie nicht mehr eingesetzt würde. "Obwohl ich die künstlerische Vision des Theaters respektiere, bin ich traurig darüber, dass wir keine Lösung gefunden haben, diese kleine körperliche Veränderung einzubauen [...] Es war mein Wunsch, Möglichkeiten für kleine Produktionsänderungen zu finden, die meinen Auftritt ermöglicht hätten."

Und sie schiebt nach:

Wie es bei vielen Frauen der Fall ist, fühle ich mich in diesem zweiten Trimester meiner Schangerschaft voller Energie und meine Gesundheit wurde von meinen Ärzten bestätigt.
Julie Fuchs

Die Staatsoper sah das offenbar anders und entlässt lieber eine schwangere Darstellerin als ihr entgegenzukommen. "Ich weiß, dass schwangere Frauen noch immer weltweit mit Schwierigkeiten am Arbeitsplatz zu kämpfen haben", sagte Julie, "aber ich war überrascht, wie viele Frauen mir geschrieben und von ähnlichen Erfahrungen berichtet haben."

Julies Rolle wurde nun von der ukrainischen Sopranistin Olga Kulchynska übernommen.

Update: In der ersten Version des Artikels hieß es, die Schauspielerin wolle sich nicht weiter äußern. Später gab sie bento ein offizielles Statement.


Future

Daran erinnert sich jeder, der mal Zivi war

23.04.2018, 13:00 · Aktualisiert: 23.04.2018, 13:09

Es gab mal eine Zeit, da mussten junge Männer nach der Schulzeit oder der abgeschlossenen Berufsausbildung zum Bund

Außer, sie haben den Kriegsdienst erfolgreich verweigert. Dann mussten sie dem Staat auf andere Weise dienen – mit Zivildienst zum Beispiel. 

Wenn du auch einer zwischen Wehrdienst und Zivi warst, dann werden dir hier ein paar Sachen bekannt vorkommen.